So gut wie diesem Fohlen erging es einem Tier in Wächtersbach nicht.
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So gut wie diesem Fohlen erging es einem Tier in Wächtersbach nicht.

Halfter eingewachsen

Schwerer Tierquälerei vor Gelnhäuser Amtsgericht: Fohlen-Besitzer sieht sich als unschuldig

„Das Tier hatte ganz offensichtlich Schmerzen.“ Für die amtliche Tierärztin des Main-Kinzig-Kreises war die Vernachlässigung eines Fohlens in Wächtersbach sofort erkennbar. Ihre Aussage wird im Prozess vor dem Amtsgericht Gelnhausen eine wichtige Rolle spielen.

  • Ein 58-Jähriger muss sich vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz verantworten. Jetzt wurde der Besitzer des Fohlens verurteilt.
  • Im November 2018 hatten besorgte Bürger die Behörden eingeschaltet, weil sein Fohlen mit Kopfverletzungen auf einer Wiese stand.
  • Die Amtstierärztin des Main-Kinzig-Kreises stellte bei dem Fohlen fest, dass das enganliegende Halfter bereits in den Körper eingewachsen sei.

Wächtersbach - Der 58-jährige Besitzer bestreitet, das Fohlen vernachlässigt zu haben. Der Wächtersbacher wies den Vorwurf vor dem Amtsgericht Gelnhausen zurück. Dort muss er sich wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz verantworten.

Besorgte Bürger hatten Anfang November 2018 die Behörde eingeschaltet, weil das Fohlen, das auf einer Wiese im Freien stand, ganz offensichtlich eine Verletzung im Kopfbereich aufwies. Die Tierärztin stellte vor Ort fest, dass das Halfter im Bereich des Nasenrückens bereits rund ein Zentimeter bis auf den Knochen in den Hautbereich eingedrungen war.

„Das Maul des Tieres war regelrecht zugebunden“, erinnerte sie sich. Gereichte Apfelstücke konnte der verängstigte und unruhige Vierbeiner deswegen nicht kauen und litt wohl bereits an Unterernährung.

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Tierquälerei an Fohlen: Amtstierärztin des Main-Kinzig-Kreises entdeckte noch mehr Missstände

Der Grund ist für sie klar. Das im Vorfeld ohnehin schon enganliegende Halfter sei in den Körper eingewachsen. Grundsätzlich sei es wichtig, so ihre Erläuterungen, dieses in der Wachstumsphase häufig zu kontrollieren und nötigenfalls zu erweitern. Offensichtlich habe sich der Besitzer über einen längeren Zeitraum nicht um das Fohlen gekümmert.

Und noch mehr Missstände machte sie bei Kontrollen zur damaligen Zeit bei dem 58-Jährigen aus. Die Weide, auf der insgesamt drei Pferde standen, war komplett abgegrast. Bei der Mutterstute waren die Hufe nicht ordentlich gepflegt.

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Veterinärmedizinerin wies Besitzer an mit seinem Fohlen zum Tierarzt zu gehen

Ein Stall war für die Stute und ihr Fohlen zeitweise nicht richtig eingestreut. Daher mussten sie im Mist stehen. Die vorgefundenen Boxen waren zu klein. Der Ernährungszustand des Muttertieres war nicht in Ordnung.

Ein 58-Jähriger muss sich vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz verantworten.

Die Veterinärmedizinerin ordnete nach dem Entdecken des eingewachsenen Halfters an, diesen Missstand umgehend von einem Tierarzt beseitigen zu lassen, was auch geschah.

Tierquälerei an Fohlen: Angeklagter beteuert seine Unschuld

Weil aber fortwährend die Haltung nicht den Vorschriften entsprach, ließ das Amt die Pferde und das Fohlen im Februar 2019 abholen. Über ein Tierhalteverbot gegen den Wächtersbacher, was früher bereits für einige Jahre verhängt worden war, muss noch entschieden werden. Der Angeklagte beteuerte seine Unschuld. Jeden Abend habe er nach seinen Pferden und dem Fohlen geschaut. Noch am Tag vorher habe er nichts am Kopf entdeckt.

Auch seine Verteidigerin sieht keine Schuld beim Angeklagten. Um das zu beweisen, will sie nun den Tierarzt des 58-Jährigen als Zeugen hören. Der war eigentlich schon für den ersten Verhandlungstag geladen, musste dann aber aus persönlichen Gründen absagen. Nun soll er bei einem zweiten Termin aussagen.

Zuletzt hatten verwahrloste Rinder im Sinntal für Aufregung gesorgt. Lesen Sie auch: In Schlitz ist ein männliches Fohlen nach der Geburt noch nicht über den Berg. Und: In Liebenau wurden zwei Ponys von einem Güterzug erfasst und getötet. (ls)

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