Symbolbild: Nicolas Nadjar

Totschlag mit Riemen: Vatermörder nicht schuldfähig

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Nidderau - Hat der 44-jährige Markus G. aus Nidderau seinen Vater im November 2016 mit dessen eigenem Helmriemen erdrosselt? Die erste Kammer des Hanauer Landgerichts sieht einen Totschlag als erwiesen an und ordnete deshalb gestern die Unterbringung des Angeklagten in einer forensischen Klinik an. Der Täter ist schuldunfähig. Das Krankheitsbild: paranoide Schizophrenie.

Von Rainer Habermann

Das Verfahren war zeitlich eng gesteckt, was bereits bei der Eröffnung kurz vor Weihnachten absehbar wurde. Dass der Vorsitzende Richter Dr. Peter Graßmück, der am Dienstagnachmittag das Urteil bereits am dritten Verhandlungstag verkündete, deshalb aber keineswegs „kurzen Prozess“ gemacht habe, zeigte sich unter anderem an einem Kompliment, das ihm Strafverteidiger Ulrich Will im Nachgang zollte. Graßmück habe „einfühlsam“ agiert und dem psychisch schwerkranken Angeklagten dadurch einen häufigeren Transport von und zur Klinik im nordhessischen Haina erspart.

Will hatte zuvor in seinem Plädoyer für seinen Mandanten Freispruch beantragt, weil die Ausgangstat, der Totschlag, dem Angeklagten nicht sicher habe nachgewiesen werden können. Markus G. war keineswegs geständig, sondern bestritt mehrmals im Prozessverlauf, seinen Vater erdrosselt zu haben. Zum Tatzeitpunkt stand er wohl auch unter dem Einfluss von Medikamenten.

Das Gericht folgte schließlich dem Antrag von Staatsanwalt Dr. Alexander Voigt, der die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gemäß Paragraf 63 des Strafgesetzbuchs gefordert hatte. Anwalt Will verzichtete als Verteidiger auf Rechtsmittel gegen das Urteil, das somit rechtskräftig ist.

Am zweiten und dritten Verhandlungstag hatten Zeugen ausgesagt, Nachbarn und ein Neffe des Angeklagten. Sie konnten aber nichts Konkretes zum unmittelbaren Tathergang schildern, also zu den genauen Begleitumständen jener Novembernacht, in der es lautstarke Auseinandersetzungen zwischen Markus G. und seinem 57-jährigen Vater gegeben hatte. Solche seien nach den Zeugenaussagen öfter vorgekommen. Der Vater habe angeblich häufiger einen Helm getragen; als Schutz vor seinem Sohn.

Augenzeugen für die unmittelbare Tat gibt es jedoch keine. Dafür war der heute 44-Jährige auch früher schon – wenn auch nicht in juristischem Sinne – auffällig, unterzog sich mehrmals ambulanter psychiatrischer Behandlungen über mehrere Wochen. Ein psychiatrisches Gutachten, das am zweiten Prozesstag verlesen wurde, wie auch das Verhalten des Angeklagten selbst, gaben wohl für das Gericht den Ausschlag zur Beurteilung der Tat. Die Dauer seiner Unterbringung ist nicht begrenzt, wird aber einmal jährlich durch Begutachtungen und Entscheidungen der Strafvollstreckungskammer geprüft.

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