Wird das Ulmbacher Freibad im nächsten Jahr wieder öffnen können? Derzeit sieht es nicht danach aus. Zuerst muss die Finanzierung der Sanierung geklärt sein.
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Wird das Ulmbacher Freibad im nächsten Jahr wieder öffnen können? Derzeit sieht es nicht danach aus. Zuerst muss die Finanzierung der Sanierung geklärt sein.

Preissteigerung bei Edelstahl

Arbeiten am Ulmbacher Schwimmbad wohl teurer als gedacht

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Ernüchterung am Dienstagnachmittag bei einem Termin von Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss (HFA) im Ulmbacher Freibad. Die Sanierung der Anlage wird wohl teurer als geplant. Das weckt bei vielen Stadtverordneten böse Erinnerungen – an Kita-Neubau und Marstall.

Steinau/Ulmbach - Noch im Sommer hatten sich die Ulmbacher gefreut: Mit 130.000 Euro aus dem Kreisausgleichsstock unterstützte der Main-Kinzig-Kreis die Sanierung des Freibads in Steinaus größtem Stadtteil. Der Landkreis war eingesprungen, weil die Grimmstadt bei der Bewerbung um Fördergelder aus dem Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM) des Landes Hessen leer ausgegangen war.

Dennoch hatte es bislang so ausgesehen, als würden die im Haushalt 2020 bereitgestellten Gelder für die geplanten Arbeiten reichen. Im nächsten Schritt geht es vor allem um das gekachelte Becken, das mit Edelstahl ausgekleidet werden soll. Entweder über Risse im Beton oder kaputte Leitungen verliert das Becken laut Schwimmmeister Frank Schittrigkeit derzeit stetig Wasser. Auch die Rohre sowie der Bereich rund um das Becken müssten deshalb erneuert werden.

Sanierung des Ulmbacher Freibads: Teurer als gedacht

Rund 503.000 Euro stehen unter der entsprechenden Haushaltsstelle zur Verfügung. Hinzu kommt eine Verpflichtungsermächtigung über rund 310.000 Euro. Letztere ermöglicht es der Verwaltung, Verpflichtungen zu Investitionen einzugehen, die erst in späteren Haushaltsjahren zu Ausgaben führen. Dass die laufende Sanierung in diesem Jahr ins Stocken geraten war, lag nicht zuletzt an der lange ausstehenden Genehmigung des Haushalts. Die Stadt konnte nur Pflichtausgaben tätigen – die Sanierung eines Schwimmbades zählt nicht dazu.

Und nun scheint die Sanierung auch noch mehr zu kosten als bislang gedacht: Rund 1,55 Millionen Euro hat Klaus Meyer vom betreuenden Ingenieurbüro Möller und Meyer (Gotha) in seinem jüngsten Kostenvoranschlag inklusive Mehrwertsteuer für den zweiten Bauabschnitt aufgeführt.

Darin enthalten sind unter anderem die Edelstahlauskleidung, Beckenumgang, Leitungen sowie die Ingenieurleistung. Zwar kann sich die Gemeinde die Mehrwertsteuer später vom Finanzamt wieder erstatten lassen, muss aber zunächst die Gesamtsumme bereitstellen. Nach derzeitigem Stand fehlen also rund 700.000 Euro.

Böse Erinnerungen an Kita-Neubau und Marstall

In den bisher genannten Kosten nicht enthalten sind das Gebäude, die Umkleiden oder auch das Kinderbecken. Dies würde in einem weiteren Schritt noch dazukommen. Eine 30-prozentige Preissteigerung bei Edelstahl habe dazu geführt, dass man die Preise habe neu kalkulieren müssen, erklärte Klaus Meyer, der auch später in der Markthalle des Rathauses für Fragen zur Verfügung stand. „Bei Bädern im Bestand muss man flexibel sein“, verdeutlichte dieser auf eine Frage von Tobias Betz (BGM), ob noch ein paar unentdeckte Probleme auftauchen könnten, zum Beispiel an der Bausubstanz.

Das Ulmbacher Schwimmbad wird schon seit ein paar Jahren technisch und energetisch fit gemacht. Seit einigen Jahren schon wird das Wasser im Becken über eine Solaranlage beheizt. Viel Geld ist außerdem in die Erneuerung der Schwimmbadtechnik aus den 1970er Jahren geflossen; auch mit Geldern aus dem Kommunalen Investitionsprogramm (KIP).

Im Technikraum wird das Wasser nach modernem Standard gefiltert und aufbereitet, bevor es zurück ins Becken gepumpt wird. Eigentlich. Denn seit vielen Monaten stehen die Pumpen bereits still. Aufgrund der laufenden Sanierung war das Bad in 2020 geschlossen geblieben, ein Abschluss des Projekts ist derzeit nicht in Sicht.

Bürgermeister Christian Zimmermann: Müssen ehrliche Rechnungen machen

Weil Schittrigkeit auf Nachfrage nicht vollständig ausschließen konnte, dass der Stillstand am Ende auch der neuen Technik schade, soll eine schnelle Lösung her. In einem nächsten Schritt sollen Verwaltung und Ingenieurbüro nochmals Maßnahmen und Kosten zusammentragen. Nur so könne man eine Entscheidung treffen, befand HFA-Vorsitzender Ewald Mattheis (UBL). Geprüft werden soll zudem, ob weitere Fördergelder beantragt und Arbeiten in Eigenleistung ausgeführt werden können.

Anwesend war auch Steinaus neu gewählter Bürgermeister Christian Zimmermann (parteiunabhängig), der bereits vor seiner offiziellen Amtseinführung jeden Gremientermin wahrnimmt. Man könne den Bürgern schlecht vermitteln, dass es keinen Kita-Neubau gebe, aber Geld für die Sanierung von Freibädern bereitstünde, sagte Zimmermann. Und: „Wir können nicht mit etwas anfangen, von dem wir nicht wissen, wie wir es auch beenden können. Wir müssen ehrliche Rechnungen machen.“

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