„Undercover Boss“ (RTL): Bien-Zenker-Geschäftsführer Marco Hammer hatte im Werk in Schlüchtern schwer zu tragen.
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„Undercover Boss“ (RTL): Bien-Zenker-Geschäftsführer Marco Hammer hatte im Werk in Schlüchtern schwer zu tragen.

Marco Hammer blickt zurück

„Undercover Boss“ (RTL): Bien-Zenker-Boss verrät, warum er noch einmal mitmachen würde

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Zehn Jahre „Undercover Boss“ Deutschland bei RTL: In dieser Zeit waren mehr als 50 Chefs getarnt in ihren Unternehmen unterwegs. Einer davon ist Marco Hammer, CEO beim Fertighaushersteller Bien-Zenker in Schlüchtern. Vor Beginn von Staffel 13 berichtet er, wie seine Teilnahme an der Sendung nachwirkt.

Fulda/Schlüchtern - Marco Hammer ist Geschäftsführer bei Bien-Zenker aus Schlüchtern, einer der größten Fertighausproduzenten in Europa. Im Juli 2020 war er zur besten Sendezeit zwei Stunden in der RTL-SendungUndercover Boss“ zu sehen. Getarnt als jobsuchender Schlosser Roland Schneider wurde er zwölf Tage lang von seinen eigenen Mitarbeitern in verschiedene Tätigkeiten eingearbeitet.

„Undercover Boss“ (RTL): Bien-Zenker-Boss Marco Hammer: „Nur ein negativer Kommentar“

„Ich habe versucht, nur dann zu weinen, wenn die Kamera nicht hinschaut. Es war sehr anstrengend“, berichtete Marco Hammer kurz nach den Dreharbeiten. Kurz vor Beginn von Staffel 13 am 25. Januar 2021 mit einer Folge mit EON-Top-Managerin Tanja Larisch blickt der 50-Jährige zurück auf seine „Undercover Boss“-Zeit. Die Teilnahme an der RTL-Sendung wirkt noch immer nach, berichtet er. „Es gibt noch Nachwehen.“

TitelUndercover Boss
Sender RTL Television
Erstausstrahlung28. März 2011
IdeeStephen Lambert
GenreReality-TV, Real-Life-Doku, Doku-Soap
ProduktionsunternehmenTower Productions
Länge90 Minuten (plus 30 Minuten Werbung)
Episoden55 (+ Specials) in 13 Staffeln

Mitmachen bei „Undercover Boss“ würde Marco Hammer jederzeit wieder, sagt er, „obwohl es viel Zeit gekostet hat und auch anstrengend war und ich ranklotzen musste. RTL legt auch Wert darauf, dass der Chef ins Schwitzen gerät. Der Einsatz hat sich für Bien-Zenker gelohnt, und für mich persönlich war es eine tolle Erfahrung. Ich konnte die Mitarbeiter auf einer ganz anderen Ebene kennenlernen. Ich konnte die Baustelle und die Produktion so erleben, wie die Mitarbeiter das jeden Tag tun.“

So habe der Einsatz bei „Undercover Boss“ (RTL) tatsächlich auch dazu geführt, dass „wir einige Verbesserungen umsetzen konnten, auf die mich die Mitarbeiter beim Aufbau der Häuser aufmerksam gemacht haben. Allein das hat schon wieder gezeigt, wie sinnvoll es ist, wenn man den Arbeitsalltag der Kollegen mal hautnah miterlebt. Wir haben uns vorgenommen, daraus zu lernen.“

Für Bien-Zenker heißt das, dass Führungskräfte vom Geschäftsführer bis zum Abteilungs- und Teamleiter „auch zukünftig immer mal wieder in der Produktion und auf Montage schnuppern und den Arbeitsalltag des Kollegen erleben“ werden.  „Wenn die Arbeitskollegen erkennen, dass jede Führungskraft bereit ist, auch mal die Position zu wechseln und die Arbeit des anderen zu machen, führt das zu einem gegenseitigem Verständnis und einem deutlich offeneren Austausch untereinander“, sagt Marco Hammer.

„Das macht uns besser. Daher werden wir das fördern.“ Weiterer Nutzen: Bien-Zenker habe durch die Teilnahme an „Undercover Boss“ seine Bekanntheit steigern können. „An den Tagen direkt nach der Sendungsausstrahlung hatten wir sehr hohe Zugriffszahlen auf unserer Webpage“, berichtet der Geschäftsführer. Trotz des Risikos, nicht zu wissen, wie man dann in der RTL-Sendung abschneidet, sei es eine gute Möglichkeit gewesen, „zur besten Sendezeit ins Fernsehen zu kommen“.

Hintergrund: Zur Person Marco Hammer

Marco Hammer (50) wohnt zusammen mit seiner Frau Sybille und einer Tochter und einem Sohn in Ebersburg in der Rhön. Geboren und aufgewachsen ist er im Westerwald. Im Fertighausbereich arbeitet der studierte Volkwirtschafter und ausgebildete Steuerberater bereits seit 2006. Bei Bien-Zenker ist er seit 2018 tätig. Der Geschäftsführer des Fertighausherstellers aus Schlüchtern macht in seiner Freizeit gern Fitnesssport und mach zusammen mit seiner Familie E-Bike-Touren durch die Rhön. Im Urlaub segelt der CEO von Bien-Zenker gern. 2020 machte er einen Katamaran-Segelschein.

Bis auf einen Mitarbeiter, bei dem sich der CEO bei der Vorstellung mit seinem richtigen Vornamen verplapperte, hielt bei Marco Hammer die „Undercover Boss“-Tarnung. Er trug Zopf, und Zahnarzt Dr. Michael Knapp aus Fulda verpasste ihm sogar verfärbte dritte Zähne. „Dass man nicht erkannt wird, liegt wirklich an der große Mühe, mit der der Sender RTL zeitaufwändig und sehr professionell eine Geschichte konstruiert, die das Fernsehteam erklärt“, berichtet der 50-Jährige.

„Für diese Cover-Story werden sogar Internet-Seiten aufgebaut“, erklärt der Bien-Zenker-Chef. In seinem Fall war die Cover-Story die Teilnahme an der fiktiven Job-TV-Show „Zwei Beginner – ein Gewinner“. „So kommen die Mitarbeiter nicht auf die Idee, dass es sich um die RTL-Sendung „Undercover Boss“ handelt. Hinzu kommt, dass es im Privat-Fernsehen ständig neue Shows gibt, so dass das Proben für eine neue Show glaubhaft vermittelt werden kann.“

Was hat Marco Hammer im Nachhinein am besten bei seinem „Undercover Boss“-Einsatz gefallen? „Der Einsatz der Mitarbeiter. Mir hat einfach gefallen, mit welcher Begeisterung die Mitarbeiter ihren Job ausüben und mit den Kunden umgehen.“ Trotz allem sei die Teilnahme an der RTL-Sendung aber natürlich auch sehr anstrengend gewesen, verrät der Familienvater. „Gefühlt war das Fernsehteam 24 Stunden um mich herum.“

„Undercover Boss“ (RTL): Für Bien-Zenker-Geschäftsführer Marco Hammer wirkt der TV-Einsatz noch nach.

Und die „Undercover Boss“-Resonanz sei fast durchweg positiv gewesen, berichtet Marco Hammer. „Obwohl ich mit unseren Mitarbeitern bei weitem nicht mithalten konnte, haben die Zuschauer respektiert, dass ich mich angestrengt habe. Und sie haben auch gespürt, dass ich unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen höchsten Respekt für ihre anstrengende Arbeit zolle.“ Im Prinzip habe es nur einen einzigen negativen Kommentar gegeben, führt der Bien-Zenker-Chef aus und lacht beim Erzählen der Episode.

„Wenn ich gewusst hätte, dass du mit 50 noch zu blöd bist, eine Kabeltrommel vernünftig abzurollen, hätte ich die ,Undercover Boss‘-Sendung nicht geguckt“, zitiert Marco Hammer die Reaktion seines Vaters, der gelernter Elektriker ist und seinen Sohn spaßeshalber aufzog. Allerdings spürt der Bien-Zenker-Chef immer noch ein Urteil, das bei „Undercover Boss“ eine Mitarbeiterin in die RTL-Kameras über ihn fällte.

Nach einen „Undercover Boss“-Tag im Bien-Zenker-Werk in Schlüchtern, in dem sich Marco Hammer beim Verputzen beweisen musste, sagte Mitarbeiterin Michelle Dieme über ihren getarnten Chef: „Er ist ein kleiner Tollpatsch.“ Zudem gab es in der Kategorie „Mitdenken“ die schlechtesten Noten. Scherzhafte Seitenhiebe in diese Richtung muss Marco Hammer deshalb auch heute noch hin und wieder wegstecken, berichtet er - zum Beispiel in der Geschäftsführerrunde.

Hintergrund: Unternehmen Bien-Zenker

Die Bien-Zenker GmbH zählt zu den größten Fertighausherstellern in Europa: Das in Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis ansässige Unternehmen hat rund 80.000 Häuser gebaut und eine über 114-jährige Unternehmensgeschichte. Das mittelständische Hausbauunternehmen beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter. Durch die aktuelle Corona-Krise kommt das Unternehmen sehr gut. Es gab keine Kurzarbeit. Im Gegenteil. Die Mitarbeiter haben 2020 Überstunden gefahren. Für das zweite Quartal 2021 plant Bien-Zenker nun sogar einen Drei-Schicht Betrieb. Der Fertighaushersteller ist mit eigenen Vertriebsstützpunkten in ganz Deutschland vertreten. Alle Häuser der Marke werden im eigenen Hausbauwerk in Schlüchtern gefertigt.

„Mitdenken ist ja nicht so seine Stärke. Was willst du da erwarten“, hört er dann zum Beispiel, zeigt sich aber verständnisvoll für die Nachwehen der RTL-Sendung. „Der Mitarbeiterin nehme ich ihre Bewertung aber nicht übel. Aus ihren Blickwinkel hatte sie ja recht gehabt. Sie hat mich bei meinem „Undercover Boss“-Einsatz in Grund und Boden beim Verputzen gearbeitet.“

Die Folge von „Undercover Boss“ mit Bien-Zenker-Chef Marco Hammer und auch alle weiteren Folgen der RTL-Sendung kann man sich übrigens jederzeit noch online bei TV NOW ansehen. Nicht selten geht es dabei sehr emotional zu. Wie beispielsweise im Finale der „Undercover Boss“-Folge mit „Vedes-Chef“ Achim Weniger. Er hatte sich als TV-Kandidat Siggi in sein eigenes Unternehmen eingeschleust und kämpfte bei einem Mitarbeiter-Gespräch am Ende mit den Tränen.

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