Fotos: Kathrin Noll

Uraufführung zum 50-jährigen Bestehen der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Mit einem mitreißenden Festgottesdienst endeten am Sonntagabend die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte (KMF) in Schlüchtern. Das Herzstück bildete die eindrucksvolle Uraufführung von Gunther Martin Göttsches Vertonung des Psalms 98. Landesbischöfin Dr. Beate Hofmann hielt die Predigt.

Von Kathrin Noll

Eine Dame in den besten Jahren sei sie, die KMF, konstatierte die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, angesichts des 50. Geburtstags der deutschlandweit und darüber hinaus renommierten Einrichtung zur Aus- und Weiterbildung nebenamtlicher Kirchenmusiker.

Zum Höhepunkt der Feierlichkeiten, die auf überwältigende Resonanz stießen, hatte sich am frühen Abend eine bunte Gemeinde in der proppenvollen Stadtkirche St. Michael versammelt, darunter Kursteilnehmer, zahlreiche Ehemalige, Dozenten, Vertreter kirchlicher und politischer Gremien und alle, die sich der KMF verbunden fühlen.

50 Jahre „klingende Klostermauern“

In ihrer Begrüßung ließen KMF-Leiter Andreas Schneidewind und Pfarrerin Annalena Wolf, die zusammen mit Pfarrerin Simone Schneider die Liturgie übernommen hatte, 50 Jahre „klingende Klostermauern“ Revue passieren – mit mindestens 50.000 Kursteilnehmern jeden Alters, persönlichen Erinnerungen, unzähligen berührenden und besonderen Momenten.

Dass Musik so viel mehr ausdrücken kann als Worte, verdeutlichte die Uraufführung des 98. Psalms, komponiert von Schneidewinds ebenfalls anwesendem Vorgänger Gunther Martin Göttsche.

Lobpreis sorgte für Gänsehaut

Mit einer eindrucksvollen Sängerschar bestehend aus dem Chor der KMF unter Leitung von Schneidewind, der hinter dem Altar Aufstellung genommen hatte, und einem „Ad-hoc-Chor“ aus Sängern verschiedener Kantoreien und Chöre, Kirchenmusikern und Jubiläumsgästen, der fast die komplette rechte Kirchenhälfte in Beschlag nahm und von Susanne Voss dirigiert wurde, sowie einer Reihe von Musikern und zwei Gesangssolisten erklang dieses vierteilige Jubelwerk zu Ehren Gottes und ließ keinen der Zuhörer kalt.

Freudig-beschwingt, dynamisch, raumgreifend, die einzelnen Stimmen und Instrumente wirkungsvoll mit- und ineinander verwoben, erschallte der Lobpreis und sorgte für Gänsehaut: „Singt, singt dem Herren neue Lieder, er ist’s allein, der Wunder tut.“

Kirchenmusik muss sich öffnen

Diese Worte stellte auch Landesbischöfin Dr. Beate Hofmann in den Mittelpunkt ihrer Predigt. Sie hob die Vorzüge des Singens hervor, denn nicht umsonst seien die ältesten Texte der Bibel Lieder: Singen mache glücklich, baue Stress ab, bringe Körper und Geist in Balance, gebe Kraft. Durch gemeinsames Singen würden soziale Beziehungen geknüpft, Singen öffne das Herz, könne die Seele zum Schwingen, Gefühle und die Innigkeit der Beziehung zu Gott zum Ausdruck bringen.

Sie unterstrich die Bedeutung der kirchenmusikalischen Arbeit, die einen religiösen Resonanzraum eröffne und eine wichtige Kontaktfläche zu ganz unterschiedlichen Menschen darstelle. „Ich freue mich, dass so viele junge Leute in die KMF kommen“, so Hofmann. Sie unterstrich, dass sich die Kirchenmusik für neue Ausdrucksformen und moderne Rhythmen öffnen und weiterentwickeln müsse, damit „Menschen hinhören, erfüllt und mitgerissen werden“: „Es braucht die Popularmusik neben dem Bach-Oratorium, Schlagzeug und Gitarre neben der Orgel.“

Kraft schöpfen aus der Musik

Nach dem Segen schlossen sich die Grußworte und Gratulationen an. Landrat Thorsten Stolz (SPD) und Schlüchterns Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) hoben die herausragende Position und Bedeutung der KMF hervor, den Stellenwert der Kirchenmusik für die Kulturarbeit in Kreis und Stadt und überreichten jeweils einen Scheck.

Aus der Musik könne man Kraft schöpfen, führte der Rathauschef aus. „Vor wichtigen Sitzungen sollten manche Politiker einfach mal singen, nicht nur hier, sondern deutschlandweit.“ Möllers Vorschlag erntete zustimmenden Beifall.

Christa Kirschbaum lobte Angebot

Für den kurzfristig verhinderten Präsidenten der Direktorenkonferenz für Kirchenmusik, Kord Michaelis, war Professor Stefan Viegelahn eingesprungen. Er nannte die KMF aus eigener Erfahrung „einen magischen Ort, einen Ort mit enormer Prägekraft“.

Auch Christa Kirschbaum, die Landeskirchenmusikdirektorin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, erzählte von ihren persönlichen Erlebnissen, lobte das vielfältige Angebot, das längst nicht mehr nur Orgelspiel und Chorleitung umfasse, und erläuterte die Zusammenarbeit im Bereich der kirchenmusikalischen Ausbildung.

Einzigartiges Ausbildungskonzept

Bevor es zum Empfang ins benachbarte Gemeindezentrum ging, ergriff ihr EKKW-Kollege, Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, das Wort. Humorvoll skizzierte er den typischen Tagesablauf in dieser „chillresistenten Institution“, in der fleißig gearbeitet werde, wenn alle anderen Ferien hätten. „Wer einmal da war, der kommt wieder“, so Maibaum.

Das einzigartige Ausbildungskonzept sorge dafür, dass Jugendliche über sich hinauswüchsen und das Leben in ihren eigenen Kirchengemeinden bereicherten. „Wir dürfen stolz sein auf die KMF“, endete er und fügte hinzu: „Einen Scheck habe ich als Träger der Einrichtung nicht dabei, aber der Sekt geht auf unsere Kosten.“

Akteure

Solisten: Heidrun Göttsche (Sopran) und Uwe Maibaum (Bass)

Trompeten: Ulrich Rebmann, Amelie Gatzke, Lara Masche

Posaunen: Andreas Jahn, Marshall Lamohr, Felix Masche

Pauken: Jakob Bruhn

Schlagewerk: Benedikt Schuba

Vibraphon: Carolina Weyh

Violoncello: Gregor Herrmann

Kontrabass: Michael Tkacz

Klavier: Stefan Viegelahn

Orgel: Dorothea Harris

Chor der KMF und Ad-hoc-Chor Leitung: Andreas Schneidewind und Susanne Voss.

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