Zu Lichtspuren verwischt sind am die Fahrzeuge auf der Autobahn.
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Gefährliche Raserei: Der 23-Jährige hatte sich mit einem Audi A5 wie wild auf der A66 gebärdet.

23-Jähriger zeigt Reue

Staatsanwaltschaft klagt nach verbotenem Rennen auf A66 jungen Mann an: „Sie sind gefahren wie ein Wildschwein!“

Gefährliche Raserei auf der Autobahn zwischen Schlüchtern und Hanau: Am späten Vormittag des 23. Oktober 2019 gebärdete sich ein 23-Jähriger mit einem Audi A5 wie wild auf der A66.

Schlüchtern - Glücklicherweise fiel das rücksichtslose Verhalten drei Polizeibeamten auf, die zwar gerade außer Dienst waren, aber sich der Sache annahmen. Der Mann aus Laatzen bei Hannover konnte schließlich an der Anschlussstelle Hanau von einer hinzugerufenen Polizeistreife aus dem Verkehr gezogen werden.

Für seine halsbrecherische Fahrt bekam der junge Mann jetzt vor dem Amtsgericht Gelnhausen seine Quittung. Gemäß dem seit Oktober 2017 geltenden neuen Straftatbestand „Verbotenes Kraftfahrzeugrennen“ wurde der Arbeitslose zu einer Geldstrafe von 500 Euro (50 Tagessätze à 10 Euro) sowie einer Führerscheinsperre von sechs Monaten verurteilt.

180 statt 100 km/h

Die Sperre gilt als abgegolten, da sein Lappen schon seit Dezember eingezogen war. Die drei jungen Bundespolizisten trauten ihren Augen nicht, als sie am Tattag uniformiert, aber in einem Privatwagen auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle am Frankfurter Flughafen waren.

In Höhe der Auffahrt Schlüchtern-Süd (Richtung Rhein-Main-Gebiet) fiel ihnen der rote Audi erstmals auf. Rasante Fahrweise, drängelnd, dicht auffahrend, mehrere Autos rechts überholend, teilweise auf dem Stand- oder Verzögerungsstreifen. In den auf 100 Stundenkilometer verkehrsberuhigten Abschnitt in Höhe von Bad Soden-Salmünster rauschte er mit 180 km/h hinein, so die Anklageschrift.

Beschuldigter räumt die meisten Vorwürfe ein

Den jungen Polizisten war sofort klar: Hier hatte es jemand besonders eilig. „Das war rücksichtslos und gefährlich“, resümierte ein 23-jähriger Beamter. Also alarmierten sie per Notruf die Kollegen der Landespolizei und versuchten gleichzeitig, dem Raser zu folgen, was teilweise nur schwer umzusetzen war. In Höhe Hanau gelang es dann einer Streife der Autobahnpolizei Langenselbold, den Audi anzuhalten.

Der Beschuldigte räumte auf der Anklagebank die Vorwürfe zum großen Teil ein. So sei er mit höherer Geschwindigkeit unterwegs gewesen und teilweise auch relativ dicht auf andere aufgefahren. Allerdings sprach er von 130 bis 140 Stundenkilometer. 180 seien es keinesfalls gewesen. Auf den Stand- oder Verzögerungsstreifen sei er nicht ausgewichen.

Das Urteil ist rechtskräftig

Er habe sich von einem auf der linken Spur langsam fahrenden Auto provozieren lassen; das bereue er heute. Zumal, weil er sehr auf seinen Führerschein angewiesen sei. Die vergangenen Monate seien für ihn daher hart gewesen.

Mit dem Audi habe er für eine Autovermietung eine Überführungsfahrt von Hannover nach Schöneck bei Hanau gemacht. Diesen Job habe er nach dem Vorfall verloren. Heute ist er arbeitslos. Er benötige aber dringend wieder den Führerschein, weil er in Kürze nach Kanada auswandern wolle.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Hanau fand deutliche Worte: „Sie sind gefahren wie ein Wildschwein!“ Aus dem einsichtigen Verhalten des Angeklagten vor Gericht schloss er jedoch, dass der junge Mann „seine Lektion gelernt hat“. Das Urteil wurde von allen Seiten umgehend akzeptiert und damit rechtskräftig. (ls)

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