Die Lehrerin mit Schutzmaske, die Schüler weit auseinander – so sieht gerade der Unterricht an der Windbergschule aus.
+
Die Lehrerin mit Schutzmaske, die Schüler weit auseinander – so sieht gerade der Unterricht an der Windbergschule aus.

Von Spuckschutz, Lösungszetteln und Flexibilität

Viertklässler der Windbergschule in Freiensteinau gehen wieder in die Schule

Vor etwas mehr als zwei Wochen sind die Viertklässler der Windbergschule in Freiensteinau in den Unterricht zurückgekehrt. Ein normaler Schulalltag wie vor der Corona-Pandemie ist zwar noch längst nicht möglich, die 30 Kinder aus den beiden Abschlussklassen halten sich aber vorbildlich an die Hygiene- und Abstandsgebote und sind froh, ihre Klassenkameraden und Lehrerinnen wiederzusehen.

Freiensteinau - Durch das Klassenzimmer der 4a weht ein beständiges Lüftchen, die Vorhänge bauschen sich vor den geöffneten Fenstern. „Wir achten auf viel Durchzug, damit die Luft zirkuliert“, sagt Lehrerin Beate Schultheis. Gerade hat sie den zehn Mädchen und Jungen der roten Gruppe die schriftliche Division erklärt und in der Stunde zuvor die wörtliche Rede.

Nebenan paukt der Rest der 4a – die aus sechs Buskindern bestehende blaue Gruppe – derweil Englisch und Sachkunde bei Kollegin Kerstin Wilhelm. Die beiden Lehrerinnen unterrichten im Wechsel, immer im Zweistundentakt.

Schulstart für die Viertklässler nach Corona-Ferien

Die Tische sind weit auseinander gerückt, farbige Klebestreifen auf dem Boden zeigen die optimale Position an. An jedem Tisch sitzt nur ein Kind. Vor dem Lehrerpult ist ein Spuckschutz angebracht. Bewegen sich die Grundschulpädagoginnen durch die Klasse, um etwa einem Schüler zu helfen, tragen sie ein Visier.

Nachdem alle ihre Lösungszettel vorne abgegeben haben und die Hausaufgaben für den nächsten Tag besprochen sind, streifen sich die Viertklässler ihre Masken über Mund und Nase und gehen – einer nach dem anderen – ans Waschbecken, um sich die Hände zu reinigen.

Ebenso diszipliniert läuft es auch auf dem weitläufigen Schulhof ab: Jede Gruppe hat einen eigenen Aufstellbereich, Markierungen auf dem Boden helfen dabei, sich während des Wartens nicht zu nahe zu kommen. Beate Schultheis ist voll des Lobes: „Die Kinder halten sich richtig toll an die Regeln.“  

Klassen wurden in zwei Hälften geteilt

Fünf aufeinanderfolgende Präsenztage mit jeweils vier Stunden Unterricht liegen hinter den „Großen“ aus der 4a und 4b. Jetzt nach den Pfingstfeiertagen werden es nur noch acht Wochenstunden sein, denn dann kehren auch die unteren Jahrgänge wieder an die Schule zurück.

100 Kinder aus Freiensteinau und den Ortsteilen werden hier in sechs Klassen von sieben Lehrerinnen unterrichtet. Da nun aus Infektionsschutzgründen kleinere Lerngruppen erforderlich sind, wurden alle Klassen noch einmal geteilt. Raumnot dürfte es aber keine geben, wie Schulleiterin Dagmar Techert sagt. Denn die einstige weiterführende Schule war mit Fachräumen gut ausgestattet.

„Die momentane Situation ist für alle Seiten herausfordernd“

Der Stundenplan konzentriert sich auf die Hauptfächer. Unterricht und Pausen finden zeitversetzt statt, damit sich die Gruppen nicht durchmischen und nicht zu viele Kinder auf einmal draußen auf dem Hof spielen. Daneben wird weiterhin ab 7.30 Uhr eine Notbetreuung angeboten, dienstags bis donnerstags bis 15.30 Uhr, montags und freitags bis 13.10 Uhr.

Ergänzt werden die regelmäßigen Präsenztage durch Aufgabenpläne für Zuhause. „Die momentane Situation ist für alle Seiten herausfordernd. Man muss ein hohes Maß an Flexibilität aufbringen – und sehr viel Geduld“, weiß die Schulleiterin und lobt die Eltern, die ihre Sprösslinge in den vergangenen zwei Monaten nach Kräften beim heimischen Lernen unterstützt haben und dies auch weiterhin tun.   

Gespannt auf jüngere Schüler

Froh ist sie darüber, dass die Wiederaufnahme des Unterrichts so problemlos angelaufen ist – auch aus Sicht ihrer Kolleginnen und der Kinder, die ihr in Gesprächen durchweg positives Feedback gegeben haben. Gespannt blickt sie nun auf diese Woche, wenn die Erst-, Zweit- und Drittklässler wieder in die Schule kommen und dann auch für die Jüngeren ein Stück Normalität in den Alltag einkehrt. Denn dies sei wichtig, betont Techert.

Damit in Sachen Wiedereröffnung alles reibungslos funktioniert, hat sich die Schulleiterin im Vorfeld viele Gedanken gemacht, einen siebenseitigen, bis ins Detail ausgearbeiteten Hygieneplan nach den Vorgaben des hessischen Kultusministeriums erstellt, die Eltern regelmäßig per Rundschreiben informiert, Organisatorisches erledigt – immer geleitet von der Frage: Wie kann ich für Personal und Schüler den bestmöglichen Schutz gewährleisten?

Eine besondere Herausforderung stelle für sie und ihre Kolleginnen das Distanzhalten dar, berichtet sie. Nähe sei nun nicht mehr möglich, obwohl diese von Kindern im Grundschulalter noch gesucht werde. Diese Verhaltensänderung falle allen Beteiligten nicht leicht.

Nicht auf Verabschiedungs- und Einschulungsfeier verzichten

Im Hinblick auf das Schuljahr 2020/21 wünscht sich Techert von der Landesregierung und dem Kultusministerium zeitige Entscheidungen vor oder zu Anfang der Sommerferien, um mit den Planungen starten zu können, aber auch, um den Eltern mehr Planungssicherheit und Verbindlichkeit zu geben.

Sie hofft auf „weitere Lockerungen in vernünftigem Maße, um so peu à peu zum Normalbetrieb zurückzufinden“. Auf die Verabschiedung der vierten Klassen und die Einschulungsfeier der ABC-Schützen möchte sie trotz Corona nach Möglichkeit nicht verzichten: „Das sind wichtige Ereignisse im Leben der Kinder sind.���

kat

Das könnte Sie auch interessieren