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Klitschko: „Es ist wichtig zu träumen“ - Erinnerung an den Besuch des Bürgermeisters von Kiew

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Von: Alexander Gies

Nicht nur wegen seiner 2,01 Meter Körpergröße wirkte Vitali Klitschko bei seinem Besuch in Schlüchtern wie ein Hüne.
Nicht nur wegen seiner 2,01 Meter Körpergröße wirkte Vitali Klitschko bei seinem Besuch in Schlüchtern wie ein Hüne. Auch was er zu sagen hatte, machte Eindruck – und wirkt bis in die aktuellen Kriegstage fort. (Archivfoto) © Hanns Szczepanek

Wenn die Schlüchterner in diesen Tagen auf den Krieg in der Ukraine blicken, sollten sie bedenken: Die Stadtwappen von Kiew und Schlüchtern weisen ein paar Gemeinsamkeiten auf.

Schlüchtern/Kiew - Beide enthalten den Erzengel Michael und die Farben Gelb und Blau. Diese vielleicht zufällige Übereinstimmung war Ausgangspunkt einer Einladung, die der damalige Staatssekretär Dr. Rainer Bomba (CDU) aus Steinau (Main-Kinzig-Kreis) bei einem Besuch in Kiew dem dortigen Bürgermeister Vitali Klitschko übermittelt hatte.

Und Klitschko kam. Und wie! Hunderte Menschen bevölkerten am 14. Oktober 2016 die Innenstadt und bereiteten dem 2,01 Meter großen Hünen einen begeisterten Empfang. Klitschko sprach vor Kinzig-Schülern, in der Stadthalle, trug sich ins Goldene Buch ein und aß „beim Lasch“ zu Mittag – Rumpsteak mit Pfeffersoße. (Lesen Sie hier: Medizinische Hilfe für Ukraine-Flüchtlinge: Main-Kinzig-Kreis startet Aufruf)

Klitschko im Main-Kinzig-Kreis: Erinnerung an Besuch von Kiews Bürgermeister

Der ehemalige Box-Profi gilt heute mit seinem Mut und seiner Souveränität als wichtige Symbolfigur des ukrainischen Widerstands gegen den russischen Überfall. Erst gestern hatte er trotzig verkündet: „Jede Straße, jedes Gebäude, jeder Kontrollpunkt ist verstärkt worden. Kiew ist in eine Festung verwandelt worden.“ Diesen Mut, diese Tatkraft verkörperte Klitschko schon bei seinem Besuch in Schlüchtern.

Vor den Kinzig-Schülern sagte er, keiner seiner Freunde habe jemals geglaubt, dass er den Weltmeistergürtel gewinnen könne. „Es ist wichtig, zu träumen. Ohne Träume ist das Leben langweilig“, appellierte er an die Schüler. „Alle Träume werden wahr, wenn man genug dafür kämpft.“

Als hätte er die dramatische Situation vorhergesehen, in der sich Kiew und er jetzt befinden, fügte er hinzu: „Gib niemals auf!“ Der Unterschied zwischen Boxen und Politik? „Im Boxen gibt es klare Regeln. In der Politik kommen die Angriffe oft in den Rücken und unter die Gürtellinie.“ Wie wahr.

Die Schlüchterner Schülerinnen und Schüler waren beeindruckt. Lena, damals 17, sagte: „Ich finde, dass er sehr authentisch und nah an uns dran war, nicht so oberflächlich wie viele Politiker.“ Und Tamara gestand: „Man hat Respekt und neuen Lebensmut gesammelt.“

Video: Klitschko-Brüder im Kampf ihres Lebens

Klitschkos Weg durch die Innenstadt glich an diesem 14. Oktober 2016 einem Triumphmarsch. Mit geradezu stoischer Ruhe schritt er vom Rathaus zur Stadthalle, hatte für manche ein paar Worte übrig, antwortete kurz auf Fragen, schrieb im Gehen Autogramme oder hob zwei Kinder auf seine knapp zwei Meter Augenhöhe. Dem damaligen Bürgermeister Falko Fritzsch sagt er: „Ich fühle mich hier wie zu Hause.“ Fritzsch lobte den Gast für dessen soziales und politisches Engagement als charismatische Ausnahmeerscheinung.

Auch als Boxer habe der promovierte Sportwissenschaftler sportlich und intellektuell „in einer ganz anderen Liga gespielt“. Vitali Klitschko sagte, er wolle mithelfen, dass die Ukraine ein „modernes und demokratisches Land“ in Europa werde. Dies sei für ihn ebenso ein Traum wie früher jener von Weltmeistertiteln und Medaillen. In der Kinzig-Schule hinterließ „Dr. Steelhammer“ seinen Handabdruck – und bei den Schlüchternern einen Rieseneindruck.

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