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„Vorzeige-Depressive" spricht über Depressionen und #notjustsad

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Seidenroth - Depressionen sind eine Volkskrankheit, das hat eine junge Bloggerin mit einem Beitrag auf Twitter jüngst gezeigt. Über Nacht wurde Jana Seelig zur „Vorzeige-Depressiven". Die Rolle passt ihr aber nicht so richtig.

„Kinzigtal? Da denke ich an Pferde", sagt Jana, die sich als Bloggerin „Jenna Shotgun" nennt, versonnen. Sie sitzt auf dem Bett in ihrer WG im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Vor vier Jahren ist die 26-Jährige aus Seidenroth zum Studieren nach Berlin gezogen. Damit hätte sie damals nicht gerechnet: Gerade war „ZDF info" da, sie haben für die Sendung „140 Sekunden" gedreht. Jana hat darin über Depressionen gesprochen und über den Hashtag – #notjustsad. Jenna dreht eine Haarsträhne und überlegt. Alles begann mit ihrem Lifestyle und Modeblog I-say-shotgun. Darauf schreibt sie seit vier Jahren zu diesen Themen. Seit geraumer Zeit ist sie auch über Twitter aktiv – ein gutes Medium, sich direkt mitzuteilen. Prass ablassen, das geht gut auf diesem Weg, das hat Jenna getan – und damit ein unglaubliches Echo erzeugt. Jenna leidet an Depressionen. „Eigentlich geht das niemanden was an", sagt sie. Doch am 10. November musste es raus. Sie war sauer, fühlte sich missverstanden. Wieder hatte jemand erklärt, sie solle sich „zusammenreißen". Jenna schickte einen Tweet, und in kürzester Zeit reagierten hunderte Menschen. So entstand #notjustsad. Die Beiträge werden mehr, jeden Tag. Die Süddeutsche Zeitung hatte online umgehend den ersten Beitrag über sie und die Bewegung veröffentlicht. „Da habe ich noch geschlafen", erzählt Jenna. Überwältigendes mediales Interesse So wurde Jenna Shotgun über Nacht zu Jana Seelig, der „Vorzeige-Depressiven", wie sie es selbstironisch nennt. Seither erklärte Jenna im ZDF-„heute journal" die Krankheit, Tagesspiegel und „Brigitte" folgten, Organisationen möchten sie für Vorträge buchen. „Der Briefkasten ist voll, das Telefon klingelt." Eine Agentin hilft beim Auswählen. Das ist viel Aufmerksamkeit auf einmal. Als Bloggerin gab sie bisher zwar viel preis, aber selbstgesteuert. Diese Art der Aufmerksamkeit ist eine andere. „Das wird mir zu privat", stellt sie fest. Mit der Veröffentlichung ihres Namens war sie nicht einverstanden – zu spät.

Die junge Frau sieht aber etwas Gutes in dem Trubel: „Die Krankheit hat dadurch viel Aufmerksamkeit erhalten." Darauf kommt es ihr an, und das möchte sie weiter verfolgen.

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