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VR-Bank Schlüchtern-Birstein arbeitet an Wettbewerbsfähigkeit

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Schlüchtern - Ein Jahr vor ihrem 150. Jubiläum legt die VR-Bank Schlüchtern-Birstein eine lupenreine Bilanz für 2013 vor. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, soll in diesem Jahr die Fusion mit der Volksbank Birstein im zweiten Anlauf gelingen. Außerdem trifft das Geldinstitut Vorbereitungen, um künftig mit weniger Mitarbeitern die selbe Beratungsqualität zu bieten.

Banken stehen unter einem ungeheuren Wettbewerbsdruck. Sinkende Margen aufgrund dramatisch niedriger Zinsen oder die Konkurrenz durch Internetbanken: All das setzt nicht nur den genossenschaftlichen Instituten zu. Aber die Schlüchterner bauen vor: In diesem Jahr soll nach der Fusion mit der Raiffeisenbank Vogelsberg in 2012 auch der Zusammenschluss mit dem zweiten Birsteiner Geldhaus, der Volksbank, endlich gelingen. Die Entscheidung fällt Mitte Mai. Damit würde sich die Bilanzsumme des neuen Zusammenschlusses um 90 Millionen Euro und die Mitarbeiterzahl um 22 erhöhen.

Um auf Dauer die Kosten zu senken, trifft die Bank schon jetzt Vorbereitungen: Der vierköpfige Vorstand wird ab Februar um einen verkleinert und ab 2016 vom "Trio zum Duo". Denn dann geht Werner Hölzer in Rente. Bis 2018 werden etwa 10 bis 15 weitere Mitarbeiter die Altersgrenze erreicht haben. Sie sollen ebenfalls nicht mehr alle ersetzt werden. Die Einsparung will man ermöglichen durch moderne EDV und standardisierte Prozesse: "Wenn heute Tagesgeld angelegt wird, gehören dazu eine Handvoll Arbeitsschritte, die auf viele Mitarbeiter entfallen. Künftig sollen solche Tätigkeiten in einem Rutsch von einem Mitarbeiter erledigt werden. Dann bleibt mehr Zeit für Beratung", erklärt gestern Abend Vorstand Frank Mackenroth ein Element der "Strategie 2018", als die Bank die Bilanz 2013 vorstellte.

Und die präsentiert sich erfreulich. Nach einem Rückgang 2012 ist der Bilanzgewinn wieder gestiegen: um gut zwei Prozent oder rund 16 000 Euro. Damit einher geht eine stabile Dividende für die Mitglieder in Höhe von 5 Prozent, "was im Vergleich zum Kapitalmarkt sehr attraktiv ist", wie Vorstand Werner Hölzer hervorhebt. Mittlerweile gehört fast jeder fünfte Einwohner im Geschäftsbezirk der Bank als Mitglied an. Ihre Zahl stieg 2013 um 327.

Vorstand Gerold Oechler betont, dass es keine Kreditklemme gebe, sondern man im Gegenteil noch viel mehr Unternehmer oder Häuslebauer bedienen könnte. In diesem Bereich wünscht sich das Geldhaus ein besseres Geschäft. Dass die Bilanzsumme leicht gesunken ist, ist für Werner Hölzer unproblematisch: "Wir haben eigene Kredite zurückbezahlt, weil wir selbst so liquide sind", verdeutlicht er.

Das niedrige Zinsniveau wird nach Ansicht der Banker in den kommenden Jahren und schon 2014 zu "tendenziell sinkenden Gewinnen" führen. Allerdings rechnet sich die Bank "weiter wachsende Marktanteile aus". Gelingen werde dies "über Qualität und eine hohe Kundenzufriedenheit", sind die drei Vorstände überzeugt. Das Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken sei klar im Vorteil: Man habe eine gute Basis an Eigenkapital, die jetzt schon die erst 2019 geltenden Auflagen erfülle, die Einlagen der Kunden seien unbegrenzt zu 100 Prozent geschützt, und man mache "nur Geschäfte, die wir können, mit Menschen, die wir kennen", verdeutlicht Hölzer. Auch deshalb seien die Genossenschaftsbanken für die Rating-Agentur Standard & Poors "kreditwürdiger als jede andere deutsche Bankengruppe", fügt er an.

Die Solidität zahlt sich auch für die Kommunen im Geschäftsbezirk aus: Im vergangenen Jahr überwies die VR-Bank 300 000 Euro Gewerbesteuer. Davon profitierten nach einem speziellen Verteilungsschlüssel die Kommunen Schlüchtern, Birstein, Steinau/Straße, Sinntal, Brachttal und Kefenrod.

Eine positive Bilanz der Fusion Birstein-Schlüchtern zog auch Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Schultheis: "Wir haben uns im Aufsichtsrat schnell zusammengerauft und arbeiten auf Augenhöhe. Da gibt es kein Birstein und kein Schlüchtern, da gibt es nur noch ein ,Wir'", freut er sich, und fügt an: "Die Arbeit macht unheimlich viel Spaß."

In Zahlen:

Bilanz 2013

Bilanzsumme: 364,9 Millionen Euro (2012: 368 Millionen Euro) -0,84 Prozent

Kundenvolumen: 777,3 Millionen Euro (2012: 764,8 Millionen Euro) + 1,63 Prozent

Kundeneinlagen (gesamt): 525,3 Millionen Euro (2012: 513 Millionen Euro) + 2,41 Prozent

Kundenkredite: 252,8 Millionen Euro (2012: 254,3 Millionen Euro) - 0,62 Prozent

Bilanzgewinn: circa 750 000 Euro (2012: 734 000 Euro) + 2,18 Prozent

Dividende: 5 Prozent (2012: 5 Prozent)

Mitglieder: 9403 ( + 327)

Mitarbeiter: 142 (2012: 140). Mitarbeiter ohne Azubis: 109; davon 53 in Teilzeit, Azubis: 7, gewerbliche Mitarbeiter: 3, Hausmeister, Reinigungskräfte: 23

Vorstand: ab Februar verkleinert von 4 auf 3. In 2016 Verkleinerung von 3 auf 2

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