Die Angeklagte schweigt zu den Tatvorwürfen. (Symbolfoto)
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Die Angeklagte schweigt zu den Tatvorwürfen. (Symbolfoto)

Vorfall in Wächtersbach

Internet-Betrügereien: Angeklagte Tochter schweigt, geschädigte Mutter auch

Wegen Internet-Betrügereien in Wächtersbach muss sich eine 33-Jährige vor dem Gericht verantworten. Nicht nur sie schweigt zu den Tatvorwürfen, auch die geschädigte Mutter.

Wächtersbach - „Ich habe nichts einzuräumen.“ Mürrisch reagierte die 33-Jährige auf die Frage von Richter Thomas Russell, ob sie etwas zu den ihr von der Staatsanwaltschaft gemachten Vorwürfen zu sagen habe. Die Anklagebehörde wirft ihr umfangreiche Betrügereien vor. Demnach soll sie im Juni 2018 bei einem Online-Bezahldienst auf den Namen der Mutter und mit ihrer eigenen Wohnanschrift in Wächtersbach als Lieferadresse ein Konto eingerichtet haben. Über dieses wickelte sie im August und September des Jahres ein knappes Dutzend Bestellungen im Internet ab.

Vorwiegend Bekleidungsstücke und Schuhe wurden bei verschiedenen Firmen geordert – aber auch sechs Dauerkarten für die Automechanika in Frankfurt, wobei eine auf ihren Namen ausgestellt war. Summa summarum beliefen sich die bestellten Artikel auf einen Wert von über 2800 Euro.

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Die Angeklagte wollte zu alledem keine Aussage machen. Ihre Begründung: An der Lieferadresse wohnen weitere Familienmitglieder und sie werde ihre Angehörigen „nicht in die Pfanne hauen“. „Wir haben das familienintern schon alles geklärt“, erklärte sie vielsagend. Und für den Fall, dass diese Erklärung dem Gericht nicht ausreicht, hatte sie gleich eine eigenwillige Lösung des Falls parat: „Dann verurteilen sie mich halt.“

So einfach konnte es sich Richter Thomas Russell aber nicht machen. Erst muss die Frau der Taten überführt sein. Und auf diesem Weg weiterzukommen, hatte er zwei Zeugen geladen. Einmal einen Polizisten, der sich allerdings Corona-bedingt entschuldigen ließ. Zum anderen die Mutter der Beschuldigten, auf die das Konto angemeldet war. Die 67-Jährige hatte bei der Polizei eine Aussage getätigt. Nun aber machte sie vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, was ihr als direkte Angehörige zusteht. Sie wolle keine Angaben machen.

Somit stand der Vorsitzende zunächst mit leeren Händen da. Also vertagte er die Verhandlung auf einen neuen Termin. Bis dahin will er klären, ob die Aussage der Mutter bei der Polizei nun vor Gericht eingebracht werden darf. Außerdem hofft er, bis dahin den Polizisten als Zeugen wieder laden zu können.

Russell zeigte sich optimistisch, dass er den Fall insgesamt hinreichend aufklären kann. Für die Angeklagte geht es in dem Verfahren um einiges. Schließlich ist sie wegen vorgelagerter Betrugstaten schon dreifach vorbestraft. (ls)

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