Foto: Claudia Dorn

Weltgästeführertag lockte wieder rund 70 Teilnehmer nach Steinau

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Steinau - Mit einem solchen Ansturm hatten selbst die Organisatoren nicht gerechnet. Rund 70 Teilnehmer nutzten die Angebote anlässlich des Weltgästeführertages und entdeckten getreu des diesjährigen Mottos ihre ganz persönlichen „Lieblingsorte“ in der Grimmstadt.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Simon

Vor dem Rathaus am Kumpen begrüßte Gunther Mirsch die Gäste, bevor sich diese in verschiedenen Gruppen aufmachten, Steinaus Ecken neu zu entdecken. Mirsch berichtete dabei von den Kratzspuren am Seiteneingang der Katharinenkirche. Diese stammen höchstwahrscheinlich von Männern, die früher ihre Schwerter und Degen noch nicht einmal sonntags beim Kirchgang zuhause ließen. Aber da man mit scharfer Waffer nicht hinein durfte ins Gotteshaus, entschärften sie diese symbolisch an der Türlaibung. In Steinau erzählt man sich auch die Geschichte vom wütenden Teufel, dem eine Menschenseele in die Kirche entwischt war und der dann seine Krallen in den Stein geschlagen hatte.

Durch Rundturm verbunden

Heike Lifka berichtete von ihrer Kindheit in der Ziegelgasse und wie sie im ehemaligen Pfleghaus und Lutherischen Pfarrhaus sowie in zugehörigen Gärten gespielt hatte. Beide Häuser waren damals noch durch den Rundturm verbunden. Auch waren damals die Besitzverhältnisse noch recht verworren: Es kam vor, dass jemandem ein Zimmer im Erdgeschoss und eines im Dachgeschoss gehörte.

An der Stadtmauer in der Meistergasse zeigte Renate Ulrich Grundstück in der Größe von vier Quadratmetern, welches sich in Familienbesitz befindet. Dort an der Stadtmauer gibt es viele kleine Parzellen, die früher als Pflanzbeete genutzt wurden. In der Meistergasse hatte der Scharfrichter sein Haus, der in Steinau als „Meister“ bezeichnet wurde. In der ganzen Obergrafschaft Hanau gab es nur den Steinauer Henker, der auch in Salmünster, Schlüchtern oder Schwarzenfels seinen Dienst zu verrichten hatte. Zu seinen Aufgaben gehörte neben der Vollstreckung unter anderem auch die peinliche Befragung (Foltern). „Das war auch ein Grund, warum die Meistergasse im Osten der Stadt liegt, die Westluft trug die unangenehmen Gerüche aus der Stadt“, wusste Ulrich zu erzählen.

Anfangs kreisförmig angelegt

Renate Kania verriet den Teilnehmern, was es mit dem Schweinebrunnen auf sich hat, der in der Nähe des ehemaligen „Säümoat“ liegt. Hier sammelte der Steinauer Schweinhirt die Tiere der Bauern. Er trieb sie in die Wälder zum Eicheln fressen und brachte sie abends zurück.

Mit Margot Dernesch erklommen die Gäste einen von den Mauerspechten sanierten Turm an der Stadtmauer. Die alte Kernstadt war anfangs kreisförmig angelegt, konnte im 14. Jahrhundert nur in Ost- und Westrichtung erweitert werden, da im Norden die Kinzig eine weitere Bebauung nicht zuließ. Im Süden stand das Schloss, das weiterhin auf dem höchsten Punkt stehen sollte. Sylvia Monhoff-Keweloh zeigte den „Emmerich“, früher einer der Gärten der Familie Grimm. Hier genossen die sechs Kinder des Amtmannes Grimm eine unbeschwerte Kindheit.

Vor Feinden geschützt

An den Stadtborn, in Kriegs- und Belagerungszeiten die wichtigste Wasserquelle, ging es gemeinsam mit Mariéle Syllwasschy. Die Quelle entspringt innerhalb der Stadtmauer und war somit vor Verunreinigung oder Abgrabung durch Feinde geschützt.

Maria Link berichtet von der Funktion des „Schnappkorbs“ an der Kinzig, der in erster Linie zum Frischhalten von Fischen diente. Er wurde aber auch zur Bestrafung von Feld- und Walddieben genutzt, die je nach Strafmaß mehrmals unter Wasser getaucht wurden. Mit dieser Bestrafung hatten auch die Bäcker zu rechnen, wenn sie zu kleine Brötchen gebacken hatten. Den Abschluss des Rundgangs machte Olaf Spielmann am ehemaligen Erholungsheim, in dem heute die Kindertagesstätte „Märchenwald“ untergebracht ist. In dem Backsteinbau aus der Gründerzeit war im ersten Weltkrieg, ein Lazarett eingerichtet, das auch noch im Zweiten Weltkrieg genutzt wurde.

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