Ralph Braun ist davon überzeugt, dass die Grimm-Stadt viel zu bieten hat. „Wir müssen mit unseren Pfunden wuchern“, sagt der Bürgermeister-Kandidat.
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Ralph Braun ist davon überzeugt, dass die Grimm-Stadt viel zu bieten hat. „Wir müssen mit unseren Pfunden wuchern“, sagt der Bürgermeister-Kandidat.

Wahl am 1. November

„Wir müssen mit unseren Pfunden wuchern“: Bürgermeisterkandidat Ralph Braun möchte in Steinau Tourismus ankurbeln

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Ralph Braun (47) möchte Steinaus nächster Bürgermeister werden. Und dafür geht der parteiunabhängige Ulmbacher nicht nur auf „Wahlkampftour“, sondern bereitet sich konsequent und akribisch vor. Er führt Gespräche mit anderen Bürgermeistern, mit Gewerbetreibenden und Kulturschaffenden, schaut sich Projekte in den Nachbarkommunen an, sucht den Dialog.

Steinau an der Straße - Wer den langjährigen Vorsitzenden der SG Marborn kennenlernt – auf den Sportplätzen der Region oder in der Schlüchterner Polizeistation, wo er als Oberkommissar tätig ist –, der erlebt einen unaufgeregten, aufgeräumten „Mann von nebenan“. Jemand, mit dem man sich gern unterhält, der zuhört und Meinung hat.

Ein Macher, der nicht poltert. Kein Typ, der polarisiert. „Ich versuche immer, Probleme sachlich zu entschärfen. Das habe ich in 30 Jahren als Polizist gelernt“, sagt er und lächelt. Das ist es, was er auch von einem Bürgermeister erwartet: vermitteln, kommunizieren, delegieren – Gräben zuschütten. „Ein Bürgermeister ist in erster Linie Repräsentant und Mittelsmann“, meint Braun.

Ralph Braun ist Bürgermeisterkandidat in Steinau

Die Situation in Steinau sei unter Ex-Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteiunabhängig) nicht einfach gewesen. Braun stören Querelen und politischer Stillstand, was seine Heimatstadt lähme. Zum einen sei da der finanzielle Faktor, zum anderen die „Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Magistrat und Stadtparlament“. Die sei „ausschlaggebend für unsere künftige Entwicklung“, meint Braun. Da möchte der parteiunabhängige Kandidat ansetzen. Steinau verfüge sowohl über Stärken als auch Schwächen. Um Chancen und Risiken abzuwägen, möchte er ein Stadtleitbild „Steinau 2030“ implementieren. Eine Idee, die er bereits vor der Corona-Zeit entwickelt hatte, mit der die politischen Gräben überwunden und lang-, mittel- und kurzfristige Maßnahmen für die kommunale Weiterentwicklung abgeleitet werden können.

Themen

Ralph Braun hebt diese zehn Punkte aus seinem Wahlprogramm hervor:

Kita-Betreuung

Es sei zu prüfen, ob ein Mietmodell nicht günstiger ist als ein Um- beziehungsweise Neubau.

Gewerbesteuer

„Es reicht nicht aus, über die Senkung der Steuer oder die Erschließung neuer Gewerbegebiete zu sprechen. Man muss verstehen, welche Faktoren ausschlaggebend für neue Gewerbeansiedlungen sind“, so Braun. Außerdem sei eine interkommunale Zusammenarbeit erstrebenswert, „um den Markt nicht zu kannibalisieren“.

Grundsteuer

Anstatt den Hebesatz „nahezu zu verdoppeln“, will Braun die Kostenseite der Kommune effizienter gestalten.

Jugend...

...bedeutet Zukunft. Förderung und Bereitstellung von Infrastrukturen sind enorm wichtig.“ Es gebe viele Punkte, die jungen Leute an Bord zu holen. Zum Beispiel im Bereich der Digitalisierung.

Senioren

Braun schwebt das Einrichten eines SeniorenMobils vor. Zudem möchte er eine Verbindung schaffen zwischen Jung und Alt (Mehrgenerationen-Gedanke).

Kultur

Steinaus „Markenkern“ sind die Brüder Grimm. „Einrichtungen und Veranstaltungen, die dazu beitragen, den Markenkern zu stärken und zu erweitern, verdienen es, von der Kommune, von Kreis und Land gefördert zu werden.“

Straßen- und Wegebau

„Alter, Zustand und Belastung der Straßen bestimmen deren Wert.“ Momentan sei die Substanzerhaltung der Infrastruktur das Gebot der Stunde.

Drei weitere Punkte: Digitalisierung, Natur, Ehrenamt 

Im Bereich der Finanzen sieht Braun nicht nur das Sparen als Tugend, sondern auch, neue Einnahmequellen zu suchen. Eigenleistungen, Spender, Fördertöpfe. „Wie kann es sein, dass es Schlüchtern und Bad Soden-Salmünster gut geht, dort Fördermittel abgegriffen werden, und in Steinau klappt das nicht?“, fragt der 47-Jährige. Gerade die Kurstadt habe für ihn Vorbildfunktion. „Wie effizient eine Verwaltung agieren kann, wird dort beispielhaft exerziert. Hessenweit arbeitet dort die schlankste Verwaltung“, weiß Braun, der sich im Vorfeld seiner Kandidatur auch mit Kurstadt-Bürgermeister Dominik Brasch (parteilos) ausgetauscht hatte. Kein Wunder, haben doch beide Polizei-Vergangenheit. „Das ist kein Nachteil, wie man in einigen Rathäusern bei uns im Kreis sehen kann“, so Braun. Er blickt auf 30 Jahre im Polizeidienst zurück, kennt sich entsprechend mit dem „Behördenwesen“ aus.

Braun: Wir müssen mit unseren Pfunden wuchern

Braun, der in Marborn aufgewachsen ist und in Ulmbach wohnt, hat sich viele Gedanken gemacht, wie er Steinau voranbringen möchte. Zum Beispiel möchte er die „Marke“ Brüder-Grimm-Stadt weiter ausbauen. „Wir haben Pfunde, mit denen wir wuchern können.“ Neben den Museen, dem Schloss und der historischen Altstadt seien dies auch die touristischen Glanzlichter wie Erlebnispark oder Theatrium – aber auch der Stausee: „Da muss Steinau mit ins Boot.“ „Als Walter Strauch Bürgermeister war, konnte man häufiger Gruppen von 30 Japanern durch Steinau laufen und alles fotografieren sehen.“ Das sei heute leider nicht mehr so. „Warum haben wir keine Städtepartnerschaft mit einer japanischen Kommune, um die touristische Entwicklung anzukurbeln?“, fragt Braun.

Sehr geärgert habe ihn, als der „Eulenspiegel“ nach Crainfeld gezogen sei. „Solche Leute darf ich nicht gehen lassen“, sagt Braun. Aber auch sonst möchte er die kulturelle Vielfalt ausbauen – wenn es finanzierbar ist. So sinnierte Braun vor der „Corona-Zwangspause“ darüber, dass das Kuki keinen Platz in Schlüchtern fand – „und wir haben Leerstände“. Der Sachsenhof böte sich an. Oder der Denhard. „Ich mag keine Leerstände“, sagt Braun. Und: „Wir müssen reden.“

Insgesamt hat der Familienvater (Sohn 20, Tochter 17) für seine Heimatstadt 36 Punkte ausgemacht, die er in Angriff nehmen möchte. Darunter auch die interkommunale Zusammenarbeit: „Wir können unsere Stärken auch teilen.“ Er denkt dabei auch an ein „Kultur-Mobil“: Kleinbusse (wie bei der „Tafel“ und dem FV Steinau vorhanden), die Kurgäste aus Bad Soden oder Interessierte aus Schlüchtern nach Steinau bringen könnten. Und wer fährt die Busse? „Im Zweifelsfall kann das auch mal der Bürgermeister machen“, sagt er und lächelt.

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