Michael Groblewski ermuntert die Bürger dazu, sich in die Kommunalpolitik einzumischen.
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Michael Groblewski ermuntert die Bürger dazu, sich in die Kommunalpolitik einzumischen.

Wahl am 1. November

„Wir sind Steinau“ als gemeinsamer Auftrag: Michael Groblewski (70) will Bürgermeister werden

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Ja, Michael Groblewski ist ein Akademiker. Noch dazu einer mit Doktortitel und einer doppelten Professur. Doch was ihm manch einer wegen vermeintlicher Praxisferne als Nachteil für das Amt eines Bürgermeisters auslegen könnte, ist womöglich eher ein Vorteil, weil ein Rathauschef aus seiner Sicht eher die „langen Linien“ im Blick haben und strategisch denken sollte. Außerdem sind Groblewski Rathäuser alles andere als fremd.

Steinau - Rathäuser sind für den gebürtigen Dortmunder nicht einfach nur öffentliche Häuser, sondern eine „architektonische Repräsentationsform des Bürgertums“. Vor etlichen Jahren hat er ein Projekt initiiert, das den Untertitel „Das städtische Rathaus – Räume für Demokratie“ trägt, in dem er den wichtigen Stellenwert der Rathauspolitik aufzeigen will. Gerade in Zeiten, in dem sich Unbehagen über manche politische Vorgabe von höherer Ebene breitmacht oder etwa „wirklichkeitsfremd anmutende Entscheidungen Europas“ aus Brüssel bei den Bürger für Kopfschütteln sorgen.

Die Rathäuser sind für Groblewski ein zentraler Ort, in dem Politik „unmittelbar erlebbar und mitgestaltbar“ wird. Auch wenn sich die politische Rolle der Rathäuser mit Blick auf Bund und Länder verändert habe und „immer mehr und immer unverständlichere Bürokratie“ ihren Tribut fordere, sei das Rathaus für das Selbstverständnis seiner Bürger gewissermaßen identitätsstiftend. In dem genannten Rathausprojekt geht es auch um die Rathausbauten, deren Fassaden und den Denkmalschutz, was wiederum den Kunsthistoriker Groblewski fachlich interessiert. Am Ende sollen die aus aller Welt gesammelten Infos und Abbildungen zu Rathäusern auf einer neuartigen Plattform digital zur Verfügung gestellt werden.

Steinau: Bürgermeisterkandidat Michael Groblewski würde Wissenschaft aufgeben

Seine wissenschaftlichen Aktivitäten würde der 70-Jährige zugunsten des Bürgermeisteramts in Steinau aufgeben. Zwar hat er das Pensionsalter längst erreicht, hat aber an der Universität Sassari auf der italienischen Insel Sardinien eine Professur für Architektur- und Kunstgeschichte nebst Urbanistik inne. Zugleich nimmt er noch eine Privatdozentur an der Technischen Universität Darmstadt wahr, sodass Professor Dr. Michael Groblewski pro Semester mit etwa 260 Stunden Vorlesungszeit ohnehin kein Ruheständler ist. Um in Übung zu bleiben, würde er auch als Bürgermeister vielleicht noch eine Lehrveranstaltung absolvieren, „aber selbstverständlich dann im Urlaub“. Michael Groblewski ist somit keiner, der es sich auf dem Rentnerbänkchen gemütlich machen will. Im Gegenteil: Er versichert nicht nur, den Chefposten im Rathaus ernsthaft anzustreben, sondern im Fall seiner Wahl „den festen Willen“ zu haben, erforderliche Veränderungen anzupacken. Dabei will er „aber nicht nur verwalten, sondern wirklich gestalten“. Seinen Wohnsitz in Darmstadt, wo er mit Ehefrau und Politikwissenschaftlerin Angelica Gernert lebt, gäbe er zwar nicht völlig auf, würde aber den Hauptwohnsitz nach Steinau verlegen. Dorthin hat er ohnehin familiäre Bande, durch welche über Jahre hinweg auch sein Interesse an der Grimmstadt gewachsen sei. Eine der zwei erwachsenen Töchter ist in der Grimmstadt verlobt und promoviert derzeit in Marburg, die andere ist als Juristin im badischen Franken tätig. Groblewski ist trotz mancher Kritikpunkte nach wie vor Katholik, weil „ich die moralische Orientierung der Kirche nicht missen möchte“.

Positionen

Finanzen: Haushaltsprobleme lassen sich nachhaltig nicht allein durch Industrieansiedlung lösen. Vielmehr muss man gleichzeitig die „weichen“ Standortvorteile weiterentwickeln. Niemand lässt sich trotz eines neuen Jobs oder der Gründung eines Handwerkbetriebs in der Stadt nieder, wenn er keinen adäquaten Wohnraum und für seine Kinder kein vollständiges Bildungsangebot findet.

Soziales: Das soziale Leben ist in Steinau ausbaufähig. Viele sinnvolle Projekte müssen nicht einmal den städtischen Haushalt belasten, sondern lassen sich in nennenswertem Umfang auf Antrag durch Landes- oder Drittmittel finanzieren.

Perspektive: Einsatz für gemeinschaftliches Arbeiten, Stadtteile einbeziehen und besser anbinden. Flache Hierarchien, Effizienzsteigerung durch Digitalisierung, Transparenz von Entscheidungen, Kooperation statt Konkurrenz mit Nachbarstädten. (Auszüge aus Wahlkampfheft)

Mit einem eher gequälten Lächeln reagiert er auf die oft gestellte Frage nach seinem Alter, denn er ist mit 18 Jahren „Vorsprung“ auf den zweitältesten Bewerber der Senior unter den neun Kandidaten. Groblewski kontert darauf, dass er nicht zu alt für den Posten sei, sondern neben Lebenserfahrung und Wissens-Autorität auch die nötige Gelassenheit mitbringe, um das Amt zu bekleiden. Denn: „Ich muss keine Karriere mehr machen“ und „mich nicht mehr in den Mittelpunkt stellen, was mir sowieso nicht liegt“, schreibt er unter anderem in einer 64-seitigen DIN-A4-Broschüre zu seinem Wahlkampf. Er kandidiert parteiunabhängig mit Unterstützung der UBL. Im Übrigen plane er nicht, in den nächsten zwölf Jahren in den Ruhestand zu treten.

Steinau: Michael Groblewski will Stadt, in der Bürger mitgestalten

Zur praktischen Einarbeitung merkt Groblewski an, dass bei einem „überschaubaren Etat“ wie dem der Stadt Steinau „keine übertriebene Professionalität nötig sein wird, um den Überblick zu behalten“. Wichtig ist Michael Groblewski, die Idee einer „Bürgerkommune“ ins Werk zu setzen. Also eine Stadt, in der eine aktive Bürgerschaft mitgestaltet. Hierfür könne er sich ein regelmäßig tagendes Forum zusätzlich zum Stadtparlament vorstellen. Er wolle die Bürger dazu bringen, „sich einzumischen“. Denn wer durch eine solche Beteiligung etwas bewirken könne, der engagiere sich viel mehr für seine Stadt. Groblewski schreibt sich selbst die Kompetenz zu, einen solchen Prozess zu moderieren und damit zugleich integrative Arbeit für Steinau und seinen Stadtteile zu leisten, was in den vergangenen Jahren offenkundig versäumt worden sei. Dies lasse sich so organisieren, dass am Ende kein Dorf seine Identität aufgeben müsse, sondern alle zusammen „Wir sind Steinau“ sagen könnten. Auch für die Zusammenarbeit mit Nachbarkommunen gelte: „Wir alle verlieren, wenn alle allein oder gegeneinander wirken.“

Eines von Groblewskis Vorhaben ist, Steinau international „deutlich besser sichtbar“ werden zu lassen. Bislang seien die Möglichkeiten, die Städtepartnerschaften in Europa allein schon durch deren kulturelle Belebung böten, in der Grimmstadt nicht genutzt worden. Dafür würde er gern sein internationales Netzwerk, das er in Jahrzehnten geflochten habe, einbringen.

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