Fotos: Barbara Kruse

Zehnte Kultur-Werkwoche: Künstlerische und künstliche Intelligenz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Der Auftakt der zehnten Kulturwerk-Woche im Spannungsfeld zwischen künstlerischer und künstlicher Intelligenz positionierte sich zwischen tiefgründiger Kunst, grooviger Musik, kritischer Diskussion und fröhlichem Witz.

Von Barbara Kruse

Die Kulturwerker sind mit recht stolz darauf, ihre zehnte Kulturwerk-Woche präsentieren zu können. Inzwischen sind das Landart-Festival in Hutten sowie die Kinder-Kulturwerk-Woche im Frühling hinzugekommen. „Wir haben einen Vorteil den Maschinen gegenüber. Wir haben ein Herz und Gefühle“, fasste Monica Opsahl zusammen.

Als „Kulturwerk-Hausband“ verzichteten die Gibsies auf technische Unterstützung und spielten Songs von Santanas „Black Magic Woman“ über „It’s All Over Now, Baby Blue“ von Bob Dylan bis hin zur italienischen Tarantella.

Zwischendurch ein Tänzchen

Den Vogel schossen sie ab, als Heino Ackermann mit viel Groove den König im Affenstall gab und „Meisenkaiser“ Dr. Karl-Heinz Schmidt zur Musik inmitten der Werke verschiedener Künstler ein Tänzchen aufs Parkett legte. Malerin Petra Schott aus Frankfurt stellt Personen mit reduzierter Farbe so dar, wie man sie von außen sonst nicht wahrnehmen kann. Reduziert bis auf die entscheidenden Stich- und Flächenführungen präsentieren sich Isabell Bockelmanns Linolschnitte. Sie lebt am Bodensee. Lokalmatador Luc Laignel arbeitete bei seinen Werken mit dem Zufallsprinzip: „Das können Maschinen nicht.“ Künstler sollten risikofreudig sein, um Vordenker zu sein, erklärte er.

Als Carmen McPerson in Bad Segeberg von Krähenvögeln umgeben war, zog sie den Vögeln vom Ostfriesennerz mit Latzhose, einem grünen kunstledernen Dress eines Robin Hoods oder das Modell Bayrischer Wald mit Rucksack an. Die Boutique für Krähen ist – wie könnte es anders sein – hoch oben in der Kulturwerk-Halle zu sehen.

Film zur künstlichen Intelligenz

Auf großer Leinwand zeichnete Roboterfrau Ada mit künstlicher Intelligenz vor den Augen des Publikums, bevor ein Teil des Films des Schlüchterner Künstlers Lars Kempel zum Thema künstlerische Intelligenz über die Leinwand flimmerte. Der Film war anlässlich des „Untergangs“ des Kaufhauses Langer entstanden. Kempel erklärte dazu: Der Untergang solcher Kaufhäuser geschehe zwangsläufig, weil man mit großen, technologisch betriebenen Handelsketten nicht mithalten könne. Was daraus Neues wachse, könne entweder furchtbar oder wirklich toll werden.

Thematisch stechen die Kulturwerker mit ihrem Motto in ein „Wespennest“, denn für viele Menschen stellt sich die Frage: Wie verhalten wir uns in diesem Wirrwarr an Möglichkeiten?

Kulturwissenschaftlerin Dr. Nathalie Weidenfeld legte in ihrem Vortrag den Fokus auf das Bild des Roboters im Film. Vom Pygmalion des Ovid über den Golem, Fritz Langs Metropolis zeigte sie, dass die Roboter-Darstellungen in Gut und Böse typisiert seien. Hier verstelle Primitivismus den Blick und habe mit der Realität nichts zu tun. Roboter sieht sie als Metaphern dessen, was den Menschen bewege.

Verantwortung soll übernommen werden

Es lohne sich, kritisch hinzusehen, um vorbildhafte Bilder aus Amerika im Hier und Jetzt einzuordnen. Sie forderte dazu auf, die Passivitätsfalle zu verlassen. „Es geht darum, wie wir als Menschen menschlich leben wollen.“ Tätig werden müsse jeder einzelne – aber auch der Staat. Im Zeitalter der Digitalisierung habe sich das, was wir als Menschen brauchen, nicht verändert. Schließlich müsse man nicht alles machen, was machbar sei. Wichtig sei es, den Humanismus in die digitale Welt zurückzuholen.

Lars Kempel fasste zusammen: „Wenn Technologie mit Gier zusammengeht, dann haben wir künftig ein Problem. Wir sind nicht so hilflos, wie es gezeichnet wird. Kritische Menschen können Forderungen stellen.“ Es gelte, Verantwortung zu übernehmen.

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