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Zwei Verhandlungen, ein Freispruch

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

gelnhausen - Zwei Verhandlungen im Amtsgericht Gelnhausen: In einem Fall ist die Staatsanwaltschaft von der Schuld des Angeklagten überzeugt, in einem anderen konnte der Tathergang nicht nachvollzogen werden, sodass die Verhandlung mit einem Freispruch endete.

Der Ruf seines Verteidigers nach Freispruch half nichts: Ein 31-Jähriger wurde wegen einer Alkoholfahrt mit Unfallflucht zu einer Geldstrafe von 3000 Euro (50 Tagessätze zu je 60 Euro) verurteilt.

Es war in den frühen Morgenstunden des 13. Oktobers 2013, als die Polizei von Zeugen auf ein herrenloses Auto an der Autobahnabfahrt Gelnhausen-Ost aufmerksam gemacht wurde. Dort war es wohl zuvor in Fahrtrichtung Fulda beim Verlassen der A 66 in der Kurve der Ausfahrt geradeaus ins angrenzende Grünland gefahren. Der Wagen kam inmitten einer Dornenhecke zum Stehen. Vom Fahrer keine Spur.

Aber die Beamten hatten das Kennzeichen und schauten beim Halter des Autos, einem 31-Jährigen aus Biebergemünd, vorbei. Sie stellten bei dem alkoholisierten Mann frische Kratzspuren im Gesicht fest, die von einer "Begegnung" mit einer Dornenhecke stammen konnten. Allerdings leugnete er, den Wagen gelenkt zu haben. Wer am Steuer saß, wollte er nicht verraten. Nur so viel erzählte er: Er war wohl auf dem Schelmenmarkt in Gelnhausen gewesen. Die Kratzspuren rührten nach seinen Angaben von einem Vorfall am Bahnhof der Barbarossastadt her, wo er sich angeblich mit einem Kumpel durch ein Gebüsch geschlagen hatte. Eine Blutuntersuchung ergab bei ihm einen Wert von mindestens 1,67 Promille zur Tatzeit. Die Polizisten ließen sich auch die Kleidung zeigen, die der Beschuldigte angeblich in der Nacht getragen hatte: Alles sauber.

Zu sauber, befand Richterin Petra Ockert. Denn wenn der Beschuldigte mit den Textilien auf dem Schelmenmarkt war, hätten sie bei der nasskalten Witterung beschmutzt sein müssen. "Ich kann ihren Argumenten nicht folgen", begründete sie ihre Verurteilung, die auch eine weitere sechsmonatige Sperre beim Führerschein beinhaltete. Von der Schuld des Angeklagten überzeugt war auch die Staatsanwaltschaft, die sogar noch eine höhere Strafe gefordert hatte. Lediglich der Verteidiger des Biebergemünders hatte Freispruch verlangt. Die Anklage basiere nur auf Mutmaßungen, es gebe keine Beweise.

Untreue und Urkundenfälschung warf die Staatsanwaltschaft Hanau einer 48-jährigen Frau vor. Letztlich konnte die Birsteinerin den Gerichtssaal aber mit einem Freispruch verlassen.

Die Vorwürfe datierten aus dem Jahr 2010. Damals soll die Frau eine Versicherung, die auf ihren Mann lief, eigenmächtig gekündigt haben. Auch die Vollmacht zur Auszahlung unterzeichnete sie, so der Vorwurf. Der Betrag von gut 9000 Euro landete auf dem gemeinsamen Konto des Paares.

"Alles falsch. Das ist eine Racheaktion ihres Ex-Mannes", wies ihre Verteidigerin alle Beschuldigungen zurück. Nach der Trennung habe er ihre Mandantin mit zahlreichen Klagen überzogen, an denen nichts dran sei. Der Ex-Mann hatte beim ersten Verhandlungstermin betont, als er Jahre später die Versicherung kündigen wollte, habe er feststellen müssen, dass diese bereits aufgelöst worden war.

Da Aussage gegen Aussage stand, wollte sich Richterin Petra Ockert mit einem Gutachten behelfen. Fachleuten beim Hessischen Landeskriminalamt wurden Unterschriftsproben eingereicht, doch auch die Kriminalisten konnten den Fall nicht klären, die Signatur keinem eindeutig zuordnen. "Das Gericht hat sich um Aufklärung bemüht. Wir können aber nicht sagen, wer Recht hat", erklärte Ockert und sprach die 48-Jährige frei. ls

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