Arbeiten von Hans-Peter Porzner im Vonderau Museum

11. März 2014
fulda

Ein außergewöhnliches Projekt, das sich der Künstler und Theoretiker Hans-Peter Porzner vorgenommen hat: Er will eine künstlerische Leerstelle in der Biografie des aus Fulda stammenden Malers Ferdinand Lammeyer mit seinen eigenen Werken füllen. Heute wird die Ausstellung Porzners um 19 Uhr im Fuldaer Vonderau Museum eröffnet.

Für den künstlerischen Werdegang des in Fulda geborenen Ferdinand Lammeyer (1899 – 1995) war die Nazi-Zeit eine doppelte Katastrophe: Als Maler war er spätestens ab den Kriegsjahren von der rasanten Fortentwicklung der internationalen Kunst abgeschnitten. Und bei einem Bombenangriff im Jahr 1944 wurde sein Frankfurter Atelier zerstört: Seine darin befindlichen Bilder, Studien und Skizzen waren auf einen Schlag vernichtet. Lammeyer war damit an einem künstlerischen Nullpunkt –mit Mitte 40. "Und genau das interessiert mich an diesem Mann", sagt Hans-Peter Porzner (65).

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Würzburger mit dem Leben und Werk von Ferdinand Lammeyer. Und so ist es folgerichtig, dass seine Arbeiten den Weg ins Vonderau Museum gefunden haben. Schließlich gehören auch einige Werke des von 1959 bis 1965 als Städel-Direktor in Frankfurt amtierenden Lammeyers zum Bestand des Hauses. Sechs seiner Gemälde werden Porzners Kunst in der Ausstellung gegenübergestellt.

Für den in Würzburg und München lebenden Maler ist die Frage interessant, wie man sich in einem totalitären Land wie dem Dritten Reich verhält. "Wie als Person? Wie als Künstler? Und wie wäre es heute?" Darüber hinaus beschäftigt ihn die Vorstellung, wie sich Lammeyer weiterentwickelt hätte, wenn es nicht zu den Brüchen in seiner Biografie gekommen wäre.

Nach dem Krieg sei der Fuldaer von der Entwicklung der Kunst förmlich überrollt worden. Es gab neue Strömungen aus den USA und aus Frankreich – wie das Informel – die jede Gegenständlichkeit als "völligen Dreck" abtaten, so Porzner. Für den Würzburger geht es nun also darum, "die klassische Moderne mit meinen Mitteln fortzusetzen". Dazu fließt in seine meist kleinformatigen Ölgemälde – auf Leinwand oder Holz – auch die von Joseph Beuys verwendete Symbolik ein. Das Ei, das Kreuz oder die Sonne etwa. Und auch mit den immer wieder in seine Bilder integrierten Jahreszahlen verweist Porzner auf die Vorlagen, mit denen er sich auseinandersetzt. Beuys-Assoziationen sind also unbedingt erwünscht.

Ist aber bei all dieser Symbolik nicht eine gewissen Vorbildung nötig, um Porzners Kunst zu entschlüsseln? "Ja, sicher", entgegnet er. "Aber das ist doch eine Voraussetzung, die brauchen Sie bei Raffael oder Dürer ganz genauso." Und was hätte wohl Ferdinand Lammeyer gesagt, wenn er die Ausstellung heute hätte besuchen können? Das ist eine gute Frage, freut sich Porzner. "Vielleicht hätte es ihm gefallen, vielleicht hätte er es aber auch abgelehnt und gar nicht mehr verstanden."