Kellertheater

Eine Kuh fällt vom Himmel

  • vonKatja Sturm
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„Yellow Line“, eine aktuelle satirische Komödie von Juli Zeh und Charlotte Roos im Frankfurter Kellertheater.

Mit Ordnung hat es Paul nicht so. Der junge Mann fühlt sich durch Regeln und Bestimmungen zu sehr in seiner Freiheit beschränkt. Das gilt für Essenszeiten während des Pauschalurlaubs in einer Ferienanlage ebenso wie für die Markierung, die am Flughafen den Zollbeamten von den Passagieren trennt. Letztere, die „Yellow Line“, haben die Autorinnen Juli Zeh und Charlotte Roos als Titel für ihre satirische Komödie über globale Überwachungssysteme genutzt, die jetzt im Frankfurter Kellertheater zu sehen ist.

Dabei scheinen die Szenen, die das Ensemble unter der Regie von Bettina Sachs mit einfachsten Mitteln auf die kleine Bühne (verantwortlich: Maren Luedecke) bringt, erst einmal wenig miteinander zu tun zu haben.

Nur mit Warnweste

In scheinbar loser Folge werden sie aneinandergereiht, wobei die Schauspieler selbst, jeweils mit Musikbegleitung und Warnwesten über den Kostümen (Ute Rasim), jeweils dazwischen Stühle, Tische und gitterähnliche Stellwände verrücken oder sie mit Stoffen in Leinwände, Umkleidekabinen oder Käfige verwandeln.

Die kurzen Episoden erzählen kuriose Geschichten, etwa die einer Performancekünstlerin (Jasmin Hörning), die sich zugunsten einer Hilfsaktion für Libyen versteigern lässt, oder die eines verzweifelten Nordafrikaners (Pierre Siart), dessen Fischerboot von einer herabfallenden Kuh versenkt wurde. Nun ist Asch-Schamisch, so sein Name, dank Frontex in Europa gelandet, wo ihm keiner glaubt, dass er kein Flüchtling sein, sondern zurück zu seiner Familie will.

Schnell nimmt das Spiel mit seinen zahlreichen aktuellen Bezügen Tempo auf, schimmern Verbindungen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen durch und treten allmählich immer deutlicher zutage. Gleichzeitig steigert sich Paul in seinen Verfolgungswahn und einen irrsinnigen Plan hinein, mit dem er ein Zeichen gegen den Verordnungsterror und für die Selbstbestimmung setzen will.

Humorvolle Übertreibungen nehmen dem beschriebenen Zukunftsentwurf etwas von seiner Bedrohlichkeit, obwohl vieles von dem, was dem Protagonisten unerträglich geworden ist, längst Gegenwart ist. Selbst die Hunde, die er Gassi führt, wollen Paul nicht von der Seite weichen, wenn er sie von der Leine lässt.

Die Darsteller meistern die Rollen- und Szenenwechsel mühelos. Allein Marcel Zauner-Wieczorek, der als Paul immer bei sich bleibt, klingt, als sei er von dem, was er zu sagen hat, nicht überzeugt. Zudem ist nach energievollem Beginn in der zweiten Hälfte leider die Luft raus: Als längst klar ist, wie das alles zusammenhängt, findet man noch immer kein Ende.

Kellertheater, Frankfurt: 3., 4. Februar, 3., 4., 10., 11. März. www.kellertheater-frankfurt.de

Quelle: Frankfurter Rundschau

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