Feist: Große Bühne für eine große Stimme

Eine der besten Popsängerinnen der Gegenwart lässt endlich wieder von sich hören. Vier Jahre nach dem höchst erfolgreichen ...

Berlin. Eine der besten Popsängerinnen der Gegenwart lässt endlich wieder von sich hören. Vier Jahre nach dem höchst erfolgreichen Album "The Reminder" meldet sich die Kanadierin Leslie Feist mit einem Werk zurück, das ihre Stimme so grandios ausleuchtet wie nie zuvor.

Erfolg kann überwältigen, und er kann auch den kreativsten Künstler auslaugen. Diese Erfahrung machte Leslie Feist mit ihrem 2007 erschienenen Album "The Reminder", das sich weltweit sensationell verkaufte, zahllose Preise einheimste und die kanadische Popsängerin auf eine schier endlose Tournee führte. "Danach musste ich erst wieder eine Richtung finden, einen neuen Sinn im Songschreiben", erzählt die 35-Jährige im Interview der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Im Herbst vorigen Jahres waren die Akkus aufgeladen und die Zeit reif für "Metals".

An den Liedern ihres vierten Studioalbums werkelte Feist, wie sie sich als Künstlerin kurz und bündig nennt, dann gerade mal drei Monate. "Ich war so glücklich, dass mein Interesse an der ganzen Sache zurückgekehrt war. Normalerweise dauert das Schreiben viel länger bei mir", sagt sie über diese konzentrierte Arbeitsphase in einer kleinen Garage hinter ihrem neuen Haus bei Toronto.

Mit alten Freunden wie Chilly Gonzales (Piano) oder Mocky (Schlagzeug, Bass) nahm die Sängerin die zwölf "Metals"-Lieder Anfang des Jahres in der perfekten Idylle des kalifornischen Küstenortes Big Sur auf. Fast meint man die Holzdielen des zu einem Studio ausgebauten Hauses knarren zu hören - so sehr atmen diese neuen Feist-Songs eine intime, entspannte, friedvolle Atmosphäre. "Ich brauchte dafür diesmal nur ein kleines Ensemble von Musikern, kein großes Kollektiv", sagt Leslie Feist im dpa-Interview. "Vieles ergab sich ganz intuitiv erst während der Aufnahmen, ohne jede Landkarte."

Neben der versierten Band um den Multi-Instrumentalisten Brian LeBarton sorgen einige wenige Streich- und Blasinstrumente für die kammermusikalische Strahlkraft des Albums. Im Zentrum der überwiegend ruhigen, balladesken Songs steht jedoch der wunderbare Gesang der Leslie Feist. Selten in jüngster Zeit wurde eine so grandiose Bühne für eine Popsängerin gebaut. Durchaus mit Absicht: "Meine Stimme soll den Hörer mitten in die Story hineinführen. Ja, es sollte sich anhören, als wenn ich vor dem Feuer sitze und eine Geschichte erzähle", sagt Feist.

Das traumhaft schöne "Caught A Long Wind" entwickelt sich aus einem hauchzarten Arrangement mit akustischer Gitarre, Standbass und Klaviertupfern, ehe Feist dem Song ihren Stempel aufdrückt. Im treibenden "A Commotion" haucht sie in atemberaubend hohen Tonlagen, im jazzigen "Anti-Pioneer" erinnert ihr Gesang an große Stilistinnen wie Billie Holiday, Joni Mitchell oder Nina Simone (übrigens eines von Feists größten Vorbilder).

Die Band liefert dazu nur selten verzerrte Töne wie etwa bei den rauen Gitarren und schrägen Bläsersätzen von "Undiscovered First". Diese Platte will Feists Stimme feiern, davon soll kein Schnickschnack ablenken. "Metals" ist ein sehr erwachsenes, ernsthaftes Album einer Künstlerin, die einst als Punk begann und seit mehr als zehn Jahren in der nordamerikanischen Indiepop-Szene aktiv ist. Ob das Album die Verkaufszahlen von "The Reminder" von weltweit einer Million Exemplaren erreicht, bleibt abzuwarten. Ein Single-Hit wie "1234" vom Vorgängeralbum ist jedenfalls nicht auf Anhieb erkennbar - und war wohl auch nicht beabsichtigt.

Nach Jahren der künstlerischen Weltenbummelei, unter anderem mit einer sechsmonatigen Berlin-Zwischenstation, ist die Kanadierin "nach Hause zurückgekehrt", wie sie zufrieden erzählt. Sie wohnt auf dem Lande bei Toronto, "mit viel Familie in der Nähe". Leslie Feist ist nun selbst ein Pop-Promi, mit neuen Bekannten wie Beck, Jeff Tweedy (Wilco) oder Colin Greenwood (Radiohead). Der riesige Erfolg von "The Reminder" hat sie nach eigenem Eindruck letztlich nicht allzu sehr verändert. "Ich habe aber auch hart daran gearbeitet, dass das so ist", sagt Feist. "Denn neue Bedeutung kann wirken wie Steroide." (dpa)

Quelle: Frankfurter Rundschau

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