Das zweiteilige Werk "Presente Pluscuamperfecto" von Salustiano, zu sehen auf der Kunstmesse Frankfurt.
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Das zweiteilige Werk "Presente Pluscuamperfecto" von Salustiano, zu sehen auf der Kunstmesse Frankfurt.

Kunstmesse Frankfurt

Die Halle vollkriegen

  • vonSandra Danicke
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In Frankfurt soll der Kunstmesse-Anlauf im dritten Versuch klappen. Ehrlich gesagt weiß man nach dem ersten Rundgang nicht, wieso.

Eine Ahnung hat man bereits nach wenigen Minuten. Nach spätestens einer halben Stunde weiß man: Die Sache ist missglückt. Bereits während man an goldenen Pferdeköpfen, glitzernden Marilyn-Monroe-Porträts, roten Oldtimern und bunten Richard-Wagner-Figuren vorbei lief, während man einen burmesischen Tempelelefanten bestaunte, die elegante Schlichtheit zweier Biedermeier-Kommoden bewunderte und ungläubig auf scheußliche abstrakte Expressionen starrte, formte sich im Kopf ein riesengroßes Fragezeichen.

Schließlich steht man ratlos herum und fragt sich: Was soll das Ganze? Wer soll auf der neu gegründeten Kunstmesse Frankfurt einkaufen und warum?

Erstaunlich war das in sehr kurzer Zeit aus dem Boden gestampfte Unterfangen von vornherein. Schließlich waren in Frankfurt bereits zwei Kunstmessen-Konzepte gescheitert. Zuerst die Art Frankfurt, die am jahrelangen Ringen um Galerien, Verkäufe und Besucher schließlich 2006 zugrunde gegangen ist. Auch die Nachfolge-Veranstaltung von Michael Neff, der mit Qualität und Originalität das Ruder herumreißen wollte, wurde nach zwei Ausgaben gekippt.

Oldtimer für Männer?

Jetzt steht man am Stand des Kunsthändlers und Kunstmessen-Geschäftsführers Manfred Möller zwischen Grafiken von Max Beckmann und Otto Dix auf einem cremefarbenen Teppichboden und blickt auf einen Mann, der viel Geld in diese Veranstaltung investiert hat und sich in Floskeln wie „Der Weg ist das Ziel“ rettet. Möller gibt an diesem Vormittag allerlei Merkwürdigkeiten zum Besten, etwa jene, dass der Oldtimer-Stand, an dem begehrte Porsche- oder Mercedes-Gefährte auf Kundschaft warten, den Frauen zu mehr Zeit beim Kunst-Kauf verhelfe. Die Männer seien dort schließlich beschäftigt.

Möller will nicht wahrhaben, dass nicht wenigstens ein Teil des vielen Geldes, das am Main verdient wird, in die Taschen der Kunstmessen-Teilnehmer fließen soll. Wenn nicht in diesem, dann im nächsten, im übernächsten Jahr, sagt Möller und verheddert sich in Euphemismen wie dem „ganzheitlichen Konzept“, das darin bestehe, nicht nur aktuelle Kunst, sondern auch Historisches bis zurück zur Antike anzubieten. Allerdings hat man beim Rundgang eher das Gefühl, hier wolle jemand aus der Not eine Tugend machen und einfach die Halle vollkriegen.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass nur weniges wirklich hanebüchen ist, das meiste ist unteres Mittelmaß. Und es gibt sogar gute Kunst: Bei Gilden’s Art Gallery aus London ist eine schöne Aquatinta-Radierung von Yves Tanguy im Angebot, bei Walz Kunsthandel aus Überlingen finden man Radierungen von Goya, und wer sich für zeitgenössische Kunst interessiert, kann sich zum Beispiel am Stand des Kunstraumes Dreieich umschauen.

Eines aber will einem partout nicht aus dem Kopf: Was mag Kunstexperten wie Jean-Christophe Ammann und Klaus Gallwitz, die beide in der Jury saßen, bewogen haben, sich vor den Karren eines so irrsinnigen Unterfangens spannen zu lassen?

Kunstmesse Frankfurt 15, Messe Frankfurt: bis 3. Februar.www.kunstmessefrankfurt.de

Quelle: Frankfurter Rundschau

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