Am Londoner Flughafen, Februar 1970: Fleetwood Mac mit Peter Green (2.v.l.)
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Am Londoner Flughafen, Februar 1970: Fleetwood Mac mit Peter Green (2.v.l.)

Nachruf

Zum Tod von Fleetwood-Mac-Gründer Peter Green

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Den Blues spielte er wie nur wenige: Ein Nachruf auf den Gründer von Fleetwood Mac, Peter Green.

Irgendwann flog er auf und davon. Und verweilte einige Zeit in höheren, der Wirklichkeit entrückten Sphären. Er hatte den Stress und den Ruhm nicht mehr ausgehalten. Angeblich war er nach einem Trip mit zu viel LSD auf die Reise gegangen, von der er lange nicht zurückkehrte. Zuvor aber war Peter Green ein Star der britischen Musikszene Mitte der sechziger Jahre gewesen, als die weißen Jungs sich musikalisch ihrer schwarzen Vorbilder erinnerten und der Wurzeln der populären Musik: des Blues.

Peter Green konnte den Blues spielen wie nur wenige seiner Kollegen. Er hatte einen strengen Ziehvater, unter dessen harter Hand die besten Gitarristen der Blues- und Rock-Ära groß wurden, John Mayall. Der nahm die Talente bei seinen „Bluesbreakers“ auf – und verlor sie rasch wieder: Jimmy Page, Eric Clapton, Mick Taylor und Peter Green.

Peter Green war Nachfolger von Eric Clapton

Green wurde Mitte 1966 als noch nicht 20-Jähriger Claptons Nachfolger, und als er Mayall nach der LP „A Hard Road“ wieder verließ, nahm er den Schlagzeuger Mick Fleetwood mit: Fleetwood Mac nannten sie ihre Band mit Bassist Jon McVie, der bereits wenig später von Mayall dazustieß (und der zusammen mit Fleetwood noch heute in der – musikalisch völlig umgekrempelten – Gruppe spielt).

Ihre erste LP, ausschließlich mit Blues-Titeln, darunter Kompositionen der Urväter wie Elmore James oder Robert Johnson, wurde in drei Tagen aufgenommen. Ihr erster Hit aber war ein völlig anderes Stück als die kurzen rauen Titel auf der LP: „Albatross“, eine getragene Instrumental-Nummer, komponiert von Green. Der ließ seinen kreativen Eigensinn bei Kompositionen wie „Black Magic Woman“ (von Santana zum Hit gemacht) und wie bei den weiteren Singles erkennen.

Peter Green, 2001.

Peter Green: Blues wie in Zeitlupe

Nach „Albatross“ folgte „Man of the World“, ebenfalls ein Blues wie in Zeitlupe und mit einem Text, der Greens Selbstzweifel spiegelt: „Ich wäre nicht lieber jemand anderes“, singt er, „aber ich wollte, ich wäre nie geboren.“ Und „Oh well“ (1969) hebt sich mit seinen zwei Teilen – der erste mit einem „Wegwerf-Riff“ (Green) und der zweite instrumental mit Konzertgitarre – erneut vom herkömmlichen Blues-Schema ab.

Die 1970 erschienene Single „The Green Manalishi“, mit einer schrillen Gitarre und das letzte Werk, das Green mit der Gruppe aufnahm, markierte seine zunehmende Entfernung von den anderen wie seiner Lebensrealität. Er erklärte später, der Song sei nach einem Alptraum mit Hunden entstanden. „Manalishi“ beziehe sich auf Geld. Green hatte von seinen Kollegen vergeblich verlangt, einen Teil der Einnahmen zu spenden (was er selbst tat). Ironischerweise heißt die letzte gemeinsame LP, musikalisch das reifste Werk der Band, „Then play on“.

Peter Green und der Trip von München

Aber Green spielte nicht mehr mit. Die anderen Bandmitglieder erinnerten sich später, ihr Chef sei nach der Ankunft in München gewissermaßen in Beschlag genommen worden, vermutlich von Frauen aus Rainer Langhans’ „Highfisch“-Kommune, und habe während einer Party dort Drogen zu sich genommen.

Davon hat sich Green, einer der besten Gitarristen des Blues und Rock, nicht wieder erholt. Er durchlitt Aufenthalte in der Psychiatrie, bevor er Ende der siebziger Jahre wieder in Erscheinung trat. Mitte der Neunziger erreichte er noch einmal Aufmerksamkeit mit seiner Splinter Group. Sein Können an der Gitarre hatte er nicht verloren, aber seine Originalität, wie sie in Kompositionen wie „The Supernatural“ oder „Rattlesnake Shake“ zum Ausdruck kam, vermochte er nicht wiederzuerlangen. Zahlreiche Kollegen, darunter Gary Moore und Andy Powell, rühmten seine künstlerische Kraft und sahen ihn als Vorbild.

Nun ist Peter Green, der hoch geflogen und tief gestürzt war, im Alter von 73 Jahren „friedlich eingeschlafen“, wie seine Familie mitteilte.

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