Die Väter desselben Sohnes? Wolff von Lindenau und Walter Renneisen in "Die spanische Fliege".
+
Die Väter desselben Sohnes? Wolff von Lindenau und Walter Renneisen in "Die spanische Fliege".

Fritz Rémond Theater

Ein seltsames Paar

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

Das Fritz Rémond Theater macht sich einen Spaß mit der Topkomödie „Die Spanische Fliege“. Und mit Walter Renneisen als zagendem Senffabrikanten.

Die Spanische Fliege“, der berühmte Schwank des Duos Franz Arnold und Ernst Bach, legt im Jahr vor Kriegsbeginn, 1913, einen Millimeter unter der bürgerlichen Oberfläche ein Sodom und Gomorrha bloß. Zwei Herren, an Sittenstrenge und Arbeitseifer nicht zu übertreffen, werden aufs Fatalste an eine Jugendsünde erinnert.

Ein Erpresser scheint zur Hand, ebenso der uneheliche Sohn, und selbst die Ex-Geliebte steht schon so gut wie vor der Tür. Wie in den meisten Topkomödien spielt sich aber fast alles nur in den Köpfen der Delinquenten ab, woraus sagenhafte Verwechslungen und Schrecken aller Art entstehen.

Verwirrend auch für die junge Generation, wo man gerade schlicht und unschuldig einander findet, durch die Nöte der Väter aber seinerseits in manche Seelenpein gestoßen wird.

Dem Schauspieler Walter Renneisen ist die Rolle des verstörten Senffabrikanten Klinke jetzt im Frankfurter Fritz Rémond Theater und unter der ganz den Schauspielern zugewandten Regie von Claus Helmer erwartungsgemäß auf den Leib geschrieben. Da bei Renneisen auch die läppischste Verzagtheit sogleich existenzielle Ausmaße annimmt, ist er ideal als Ehemann, Vater und Unternehmer, dem das Leben als angesehener Biedermann rasch davonschwimmen könnte – geradezu sehnsüchtig behaglich und sonnensenfgelb darum auch der von Klaus-Ulrich Jacob eingerichtete Klinke-Salon.

Sein Pendant, der Sittenvereinspräsident Burwig, bekommt bei Wolff von Lindenau in schönem Kontrast dazu etwas verschüttet Filouhaftes. Gerät Renneisen ausschließlich in Panik, als er seinem vermeintlichen Sohn aus einer Lotterbettbeziehung ins Auge sieht, so kann Lindenau nicht umhin, sich an der Begegnung auch zu freuen. Gegen alle Logik, wie bei Jack Lemmon in „Manche mögen’s heiß“.

Um die beiden aufgeschreckten Bürger herum herrschen Anstand und reine Liebe: Anette Krämer ist die zugeknöpfte Klinke-Gattin, zu tugendreich, um auch nur Verdacht zu schöpfen. Johanna Martin und Teresa Anna Brandstetter sind die reizenden jungen Mädchen, die sich beide schon verliebt haben und nur von ihren hysterischen Vätern noch kurzzeitig am Glück gehindert werden: Die eine mag den wackeren Neuankömmling aus Sachsen, Sascha Jähnert mit beherztem Zungenschlag, die andere den smarten Juristen, Fabian Goedecke. Er zieht die Fäden und vertritt zudem gewiss die Zukunft.

Man ertappt sich allerdings dabei, mit den alten erwischten Westentaschen-Hallodris zu sympathisieren.

Ein Spaß, der etwas Anlauf braucht, aber dann geht es wie von selbst.

Quelle: Frankfurter Rundschau

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema