„Pushbacks“: Geflüchtete werden häufig auf dem Mittelmeer daran gehindert, das Ufer zu betreten.
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„Pushbacks“: Geflüchtete werden häufig auf dem Mittelmeer daran gehindert, das Ufer zu betreten.

Sprachkritik

Pushback ist „Unwort des Jahres“ 2021: Überraschungen auf den folgenden Plätzen

  • Katja Thorwarth
    VonKatja Thorwarth
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Für das „Unwort 2021“ sind 1300 Vorschläge bei der Jury eingegangen. Die häufigsten Einsendungen betrafen die Corona-Pandemie.

+++ 10.15 Uhr: Die Jury hat „Pushback“ zum „Unwort“ des Jahres 2021 gekürt. Mit der Verwendung des Ausdrucks werde „ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt, der den Menschen auf der Flucht die Möglichkeit nimmt, das Menschen- und Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen“.

Auf Platz zwei wählte die Jury den Begriff „Sprachpolizei“, mit dem Menschen diffamiert werden sollten, die sich für einen angemessenen, nicht diskriminierenden Sprachgebrauch einsetzen. Auf Platz drei kamen Vergleiche mit dem Nationalsozialismus, die im Zuge der Corona-Demonstrationen von Impfgegnern und -gegnerinnen verwendet wurden – etwa „Impfnazi“ oder „Ermächtigungsgesetz“ für Infektionsschutzgesetz. Unter den häufigsten Einsendungen waren viele rund um die Corona-Pandemie wie „Boostern“, „Covidiot“ oder „Tyrannei der Ungeimpften“. Die Einsendungen hätten aber nicht zwingend den Kritikerinnen und Kritikern der Jury entsprochen.
 

Das Unwort des Jahres 2021: Die Spitzenplatzierungen

  • Platz 1: Pushback
  • Platz 2: Sprachpolizei
  • Platz 3: Impfnazi, Ermächtigungsgesetz
Was folgt auf die Corona-Diktatur? Heute wird das Unwort des Jahres 2021 bekannt gegeben.

 

„Unwort des Jahres“ 2021 gekürt

+++ 9.30 Uhr: „Pushback“ ist das „Unwort des Jahres“ 2021. Das gab die Jury der sprachkritischen Aktion am Mittwoch in Marburg bekannt. Der aus dem Englischen stammende Begriff wird im Zusammenhang mit Zurückweisungen von Geflüchteten an Grenzen verwendet.

Erstmeldung von Mittwoch, 12.01.2022, 07.30 Uhr: Marburg – Die Jury der „Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres“ gibt auch Anfang 2022 das „Unwort“ des Vorjahres bekannt. An diesem Mittwoch (12.01.2022) wird verkündet, welches Wort es an die Spitze 2021 geschafft hat. Die Jury, die das „Unwort“ seit 1991 kürt, erreichte diesmal 1300 Einsendungen mit Wortvorschlägen.

Darunter seien etwa 450 verschiedene Begriffe gewesen, von denen knapp 45 den Kriterien entsprochen hätten, berichtete Jury-Sprecherin Constanze Spieß. Viele Vorschläge betrafen die Corona-Pandemie*, wie die Aktion vor einigen Wochen den Zwischenstand bei den Einsendungen mitgeteilt hatte.

„Unwort“ des Jahres 2021: Viele Vorschläge betreffen Corona-Pandemie

Mit der alljährlichen Wahl eines „Unwortes“ will die Jury auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Sie lenke daher „den sprachkritischen Blick auf Wörter und Formulierungen in allen Feldern der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“, heißt es in den Grundsätzen der Jury. 

Gerügt werden sollen Begriffe, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind. Auf die Menge der eingegangenen Vorschläge für ein einzelnes Wort kommt es der Jury hierbei nicht an.

„Unwort“ des Jahres: Zwei Unwörter 2020

Die „Unwörter“ der Vorjahre waren in Darmstadt präsentiert worden. Mit einem Wechsel bei der Jury zog die Bekanntgabe nun an die Uni Marburg um. Zuletzt wurden zwei „Unwörter“ ausgewählt: Für 2020 lauten diese „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“.* 2019 wurde die „Klimahysterie“, 2018 die „Anti-Abschiebe-Industrie“ zu den „Unwörtern „gekürt. Das erste „Unwort“ 1991 war „ausländerfrei“. Auch ein „Unwort“ des 20. Jahrhunderts wurde bereits gekürt: „Menschenmaterial“.

1991ausländerfrei
1992ethnische Säuberung
1993Überfremdung
1994Peanuts
1995Diätenanpassung
1996Rentnerschwemme
1997Wohlstandsmüll
1998sozialverträgliches Frühableben
1999Kollateralschaden
2000national befreite Zone
2001Gotteskrieger
2002Ich-AG
2003Tätervolk
2004Humankapital
2005Entlassungsproduktivität
2006freiwillige Ausreise
2007Herdprämie
2008notleidende Banken
2009betriebsratsverseucht
2010alternativlos
2011Döner-Morde
2012Opfer-Abo
2013Sozialtourismus
2014Lügenpresse
2015Gutmensch
2016Volksverräter
2017alternative Fakten
2018Anti-Abschiebe-Industrie
2019Klimahysterie
2020Rückführungspatenschaften und Corona-Diktatur
2021Pushback

Bereits seit 1971 wird das Wort des Jahres gekürt. Ab 1991 kam dann auch das Unwort des Jahres hinzu. Daneben werden seit kurzem auf regionale Wörter des Jahres gekürt, darunter das „Oberlausitzer Wort des Jahres“, das „sächsische Wort des Jahres“ und das oberfränkische Wort des Jahres“. Seit 2010 wird zudem der Anglizismus des Jahres gekürt. Neben Deutschland küren auch Gesellschaften in den anderen deutschsprachigen Regionen, namentlich Österreich, die Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg und Südtirol, ihre Wörter des Jahres. (ktho/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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