Sudbury Guitar Trio mit Neuer Musik im Vonderau Museum

Sudbury Guitar Trio mit Neuer Musik im Vonderau Museum

05. Juli 2014
Fulda

Der Umstand, dass dem Sudbury Guitar Trio der Ruf eines Ausnahmeensembles vorauseilt, hatte beim Publikum höchste Erwartungen geweckt. Dass das weltweit konzertierende Ensemble diese Erwartungen sogar noch zu übertreffen vermochte, wurde am Donnerstagabend in der Reihe Neue Kammermusik im Vonderau Museum vom ersten Ton an unmittelbar spürbar.

Ob im sehr dicht gearbeiteten, polystilistischen Werk „Shock Front“ des US-Amerikaners Brian Hulse oder in der von vitaler Motorik geprägten „Toccata for Tommy“ von Allan Segall, das aus Sudbury (Ontario) stammende Ensemble agierte von Anfang an mit einer packend hohen Bühnenpräsenz und einer derart intensiven Klanglichkeit, wie man sie von einem Gitarrentrio kaum für möglich gehalten hätte.

Zugleich erwies sich das Ensemble mit dem US-Amerikaner Matthew Gould und den beiden Kanadiern Allan Yzereef und Keenan Comartin aber auch als eines, das Kommunikation, kammermusikalisches Interagieren auf engstem Raum mit höchster Vitalität und Klarheit umzusetzen vermochte, wie etwa im ersten und dritten Satz der „BewegungsBilder“ des Fuldaers Michael Quell, die sehr kompakt gearbeitet, immer wieder auf tradierte musikalische Elemente anspielen, diese aber stets konsequent in dessen zeitgenössische Klangsprache überführen. Mit geradezu überwältigender Klangsensibilität ließen die drei Topgitarristen im zweiten Satz Quells Werk „Intueris imaginem“ und in Lydia Winsor Brindamours „lace / leaf“ unmittelbar erfahrbar werden, zu welch enormer Klangdifferenzierung sie in der Lage sind, wie etwa in den sehr gedehnten, bewusst am Rande des Ersterbens angesiedelten Klängen in „lace / leaf“, deren letzter geheimnisvoll bis an die Hörschwelle heranreichte.

Scott Brickmans „English Suite“ mit ihrer inneren strukturellen und stilistischen Vielfalt eröffnete sogleich packend die zweite Programmhälfte. Devon Yasmune Toyotomis „Mutations“ spielen mit Abwandlungen des mystischen Akkords von Skrjabin, während Dale Sakamotos „Sailing on Emerald Bay“ schon ein wenig Gefahr läuft, ins Beliebige zu geraten.

Das Publikum zeigte sich von solch überwältigender Gitarrenkunst, dem Nuancenreichtum des Spiels und der Farbigkeit des Programms und auch von den lebendigen, von amerikanischem Humor geprägten Kommentaren Matthew Goulds restlos begeistert und spendete langen Applaus.