Von raffinierten Ansichten und mathematischen Ordnungen: Das Museum Modern Art setzt auf „Kontraste“

19. Februar 2016
Hünfeld

Der Reiz von Gemeinschaftsausstellungen besteht darin, unterschiedliche Positionen kennenzulernen, ohne dass der eine Künstler oder die andere Künstlerin zu wenig Raum hat, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen. Ein Paradebeispiel ist die aktuelle Schau im Museum Modern Art in Hünfeld, sinnigerweise „Kontraste“ genannt.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Anja Hantelmann, Andrea Varesco, Ralf Weber und Robert Weiland wissen in dem ehemaligen Gaswerk, den Betrachter zu faszinieren. Mit jeweils anderen Tricks und Kniffen, immer aber mit der hohen Qualität ihrer Arbeiten, ziehen sie die Museumsbesucher auf ihre Seite.

Hantelmann zum Beispiel arbeitet realistisch, setzt auf altmeisterliche Malweise, findet aber einen ungemein aufregenden Zugang zu ihren Motiven über die Lust an eigenwilligen Ausschnitten und raffinierten Kompositionen. Die Bilder zeigen unter anderem eine schwimmende Freundin, doch nie in Gänze. Mal sind es die Arme, mal ist es der ganze Oberkörper, immer wird die Dargestellte umflutet vom Wasser, der Körper bricht sich darin, alles wird dynamisch.

Motive, wenn auch keine auf den ersten oder zweiten Blick wiedererkennbaren, sind auch der Ausgangspunkt der Bilder von Robert Weiland. Diese Arbeiten – mal farblich dynamisch, mal ganz ruhig, stets eigenartig durchbrochen von Alu-Streifen – beschäftigen sich mit dem Verschwinden der Wirklichkeit. Die Landschaften, Menschen oder Gesichter, die sich in diesen Kompositionen befinden, sind kaum noch wahrnehmbar, allenfalls als Idee.

Der Schritt von ihm zu Andrea Varesco ist denn auch kein großer, aber ein konsequenter: Sie nämlich negiert alles Gegenständliche von vornherein und bringt stattdessen Farbklänge in Schwingungen, denen man sich nicht entziehen kann. In mehreren Schichten aufgetragen, mitunter dick gespachtelt und zuletzt mit Komponentenlack überzogen, der die zum Teil gewagt miteinander kombinierten, aber auf wundersame Weise dann doch harmonierenden Farben nochmal betont: Es ist eine formale Geschlossenheit, die dem Betrachter den Zugang verschafft zu der großen Vielfalt dieses künstlerischen Konzeptes.

Auf ganz andere Art und Weise beeindruckt Ralf Weber mit seinen Skulpturen, die vorwiegend aus Granit bestehen, einem der härtesten Materialien überhaupt. Mit einer Flex bearbeitet er Stelen und Blöcke, bricht das Starre, Harte auf, so dass die Objekte leicht werden, Licht durchlassen und mitunter wie gefaltetes Papier erscheinen. Der werkimmanente Kontrast setzt dem Ganzen noch eines obendrauf: Glatte, polierte und matte, aufgeraute Flächen bilden in ihrer Gegensätzlichkeit eine künstlerische Einheit.

Ähnliche Kontraste finden sich auch bei Veronika Rodenberg, die in Hünfeld mit einer Sonderausstellung im Bereich der Konkreten Kunst vertreten ist: Sie präsentiert Quadrate, die sie gemäß genauester mathematischer Berechnungen neu ordnet. Farbige Linien oder „nur“ Kanten, das Spiel von matten und glänzenden Flächen, von Schatten und Licht und aneinander gereihte Zahl-Wörter – hier lässt die Konkrete Poesie grüßen –, sind die Mittel, mit denen sie ihre Arbeiten strukturiert und aufbricht. Die visuelle Annäherung wird hier zur Denksportaufgabe – oder zur Meditation.

Kontraste. Museum Modern Art, Hünfeld (Altes Gaswerk). Bis 12. Juni. Öffnungszeiten: donnerstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.

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