Palliativstation in Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern eröffnet

04. November 2018
Schlüchtern

Mit der Eröffnung der neuen Palliativstation am Samstagmittag im zweiten Obergeschoss des Erweiterungsbaus der Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern können nun auch Patienten, die unter einer weit fortgeschrittenen Erkrankung leiden und sich in der letzten Lebensphase befinden, ganzheitlich betreut werden.

Von Kathrin Noll

Landrat Thorsten Stolz (SPD) sprach von einem „sehr guten Tag für die Gesundheit und die Menschen in der Region“. Zahlreiche Gäste waren erschienen, um die wohnlich und modern gestalteten Räume zu besichtigen. Zuvor hieß der Geschäftsführer der Main-Kinzig-Kliniken, Dieter Bartsch, die Anwesenden willkommen, darunter Politiker aus Kreistag und Kreisausschuss, die Bürgermeister Matthias Möller (Schlüchtern, parteilos) und Carsten Ullrich (Sinntal, SPD), Mitarbeiter des Hauses, Patientenfürsprecher sowie den Architekten und Vertreter der am Bau beteiligten Firmen. Besonders dankte Bartsch für die große Unterstützung des Main-Kinzig-Kreises, der die neue Palliativstation mit 1,9 Millionen Euro gefördert habe. Hier sollen künftig Patienten behandelt werden, bei denen die Möglichkeiten der modernen Medizin zur Heilung ausgeschöpft sind. Im Mittelpunkt der Behandlung steht dann die Befreiung oder Linderung von schwerwiegenden Symptomen wie Schmerzen.

Landrat Thorsten Stolz sprach von einem „sehr guten Tag für die Gesundheit und die Menschen in der Region“ und kündigte an, dass der Kreis in den kommenden Jahren im Rahmen des Strategieprojekts „Gesunde Kliniken 2020“ weit über 70 Millionen Euro in die Standorte Gelnhausen und Schlüchtern investieren werde. Mit Blick auf den demografischen Wandel – bereits heute seien 114000 der insgesamt 418000 Einwohner im Kreisgebiet 65 Jahre oder älter – sei es wichtig, eine gute soziale Infrastruktur zu schaffen, so Stolz „Die Bürger sollen sich auf eine gute medizinische Versorgung verlassen können – von der Geburt bis zum Lebensende.“ Er dankte seinem Amtsvorgänger Erich Pipa und dem ehemaligen Gesundheitsdezernenten Günter Frenz, die sich für die Einrichtung einer Palliativstation eingesetzt hatten. Diese sei „eine große, unglaublich wertvolle Bereicherung für den Main-Kinzig-Kreis und die Menschen, die hier leben“.

Prof. Dr. Dirk Meininger, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Anästhesiologie, hob die besondere Lage der neuen Station hervor. „Ich bin tief beeindruckt, wie hier die Verbindung mit der Natur und dem Leben draußen geschaffen wird“, sagte er angesichts des herrlichen Ausblicks auf die herbstlichen Wälder ringsum. Er nutzte die Gelegenheit, die ärztliche und die pflegerische Leiterin der neuen Station – Dr. Diana Mäser und Monika Dietz-Geis – vorzustellen, die seit zehn Jahren gemeinsam auf den Aufbau einer Palliativstation hingearbeitet hätten. Oberärztin Dr. Diana Mäser verfügt außer ihrer Facharztanerkennung Anästhesiologie über die Zusatzqualifikationen Palliativmedizin, spezielle Schmerztherapie und Notfallmedizin, Monika Dietz-Geis hat langjährige Erfahrungen in der Palliativpflege und sich ebenfalls stetig auf diesem Gebiet weitergebildet. Beide sind Fachberaterinnen für Ethik im Gesundheitswesen und Mitglieder des Klinischen Ethikkomitees.

„Ich finde kaum Worte dafür, dass dieser Traum nun in Erfüllung geht“, freute sich Dr. Diana Mäser und erläuterte Konzept und Grundwerte der Palliativmedizin und Palliativpflege, bei dem die Würde und die individuellen Bedürfnisse des Patienten Priorität haben. Um Lebensqualität zu verbessern, Alltagskompetenzen zu erhalten und zu fördern und Leid zu lindern, steht ein multiprofessionelles Team zur Verfügung: Ärzte, Pflegende, Psychoonkologen, Physio-, Ergo- und Musiktherapeuten, aber auch die Pflegeüberleitung, Seelsorger und ehrenamtliche Hospizhelfer. „Diese Station ist unser Stolz“, sagte Monika Dietz-Geis gerührt. „Und doch möchte keiner bei uns liegen.“ Auch sie unterstrich in berührenden Worten die Notwendigkeit der fürsorglichen Pflege und der aufrichtigen Kommunikation: „Was sagen wir zu den hochbetagten Eltern, die am Sterbebett ihres Sohnes sitzen?“

Nach dem Grußwort und Segen der Klinikseelsorgerinnen Dorothee Stitz und Bärbel Hammann, die ein Bild des Künstlers Uwe Appold mit dem Titel „Vater unser“ als Geschenk überreichten, erfolgte mit dem Durchschneiden des Bandes die offizielle Freigabe. Nun hatten die Besucher Gelegenheit, die neue Station bei einem Rundgang zu erkunden. Schon beim Betreten fallen das freundlich-helle Ambiente, die moderne und doch gemütliche Einrichtung und die behütete Wohnlichkeit ins Auge, die statt der üblichen Krankenhausatmosphäre Geborgenheit ausstrahlen. Die räumliche Gestaltung unterliegt dem Anspruch, die schwere Lebensphase jedem einzelnen Patienten so angenehm wie nur möglich zu machen (siehe Infokasten). Derzeit befindet sich das Palliativ-Team noch in der Vorbereitung, die Patientenversorgung startet voraussichtlich Anfang Dezember.

Zahlen & Fakten

Erweiterungsbau Hauptgebäude der Main-Kinzig-Kliniken Schlüchtern

Anbau mit 3 Ebenen: 1. OG Medizinische Klinik (Eröffnung Anfang 2019), 2. OG Palliativstation, EG: Technik-/Versorgungsräume, insgesamt mehr als 3800 Quadratmeter; V-förmiger Aufbau, bestehend aus einem Ost- und Westflügel;

Gesamtinvestition für den Anbau: rund 9,7 Millionen Euro

Neue Palliativstation im 2. Obergeschoss

Bauzeit: 21 Monate

Förderung des Main-Kinzig-Kreises: 1,9 Millionen Euro

Anspruch: die würdevolle Betreuung und spezialisierte medizinische Versorgung in der letzten Lebensphase.

Vernetzung innerhalb der Region mit dem Ziel der flächendeckenden palliativen Betreuung im Kreis sowie mit weiteren Disziplinen (ganzheitliches Behandlungskonzept).

Aufteilung der Räume: 5 Einbettzimmer, 2 Zweibettzimmer, jeweils mit geräumigem Bad; jedes Zimmer hat Zugang zum Balkon, Betten können durch Flügeltüren auf zimmereigenen Balkon geschoben werden; kostenlose Klappbetten für Angehörige;

„Raum der Stille“ dient Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern zum Rückzug, zur Besinnung oder für Besprechungen;

Entspannungsbad und großzügiges Wohnzimmer mit Küche für Patienten und Angehörige;

direkter Zugang zum Außenbereich;

begrünte Dachterrasse, barrierefrei zugänglich;