Michael Patrick Kelly beendet Tour im Kreuz

27. September 2016
fulda

Der vor rund 20 Jahren mit der Kelly Familiy berühmt gewordene Sänger, Musiker und Komponist Michael Patrick „Paddy“ Kelly gastierte am Sonntagabend im Kreuz. Und er überzeugte nicht nur die alten Fans der irisch-amerikanischen Folk-Familie.

Von unserer Mitarbeiterin Mariana Friedrich

Dass am Sonntagabend ein außergewöhnlicher Musiker im Kreuz auftritt, war schon einen Tag vorher nicht zu übersehen. Fans aus verschiedenen Ecken Deutschlands, sogar aus der Schweiz, schlugen ihr Lager in der Schlitzer Straße auf, übernachteten mitten auf dem Bürgersteig, um ganz nah dran zu sein, wenn sich die Konzerthalle für den Auftritt von Michael Patrick Kelly öffnet. Und es sind keine Teenager. „Ich bin Fan seit 1993, habe die Kellys damals schon auf der Straße spielen sehen“, sagt Sonja Ackermann aus Gersfeld. Die 33-Jährige harrt seit mehr als 20 Stunden vor dem Kreuz aus, steht ganz vorn, als sich die Türen öffnen.

Vanessa Fischer (33), Yvonne Bauer (32) und Christin Raab (34) stehen noch nicht ganz so lange an, aber auch sie sind Kelly-Fans der ersten Stunde, die dem Musiker und seinen Geschwistern nun auch bei ihren Soloprojekten die Treue halten. „Mir gibt die Musik einfach wirklich viel“, erzählt Yvonne. „Es kommt immer so ein Gefühl von früher auf“, stimmt Christin ein. Die drei waren kürzlich auch auf dem Konzert in Aschaffenburg und haben sich dort entschlossen, einen weiteren Auftritt zu besuchen.

Chor aus Hunderten Stimmen

Es hat schon etwas von einer Zeitreise, wenn man die Fans im Kreuz beobachtet. In den 90ern campten Teenager oft tagelang vor den Konzerthallen, warfen Plüschtiere auf die Bühnen, schwenkten Feuerzeuge und Wunderkerzen. Heute sind die „Teenies“ in ihren 30ern, aber ihre Augen strahlen wie damals, sie leuchten mit dem Smartphonelicht im Takt und genießen die gefühlvollen Songs. Und Michael Patrick Kelly scheint den Abend mit ihnen zu genießen. Für den letzten Termin der aktuellen Tour im Kreuz hat er nochmal eine Schippe daraufgelegt und seine Fans mit Konfettiregen und anderen Kleinigkeiten überrascht.

Ob bei seinen aktuellen Stücken wie „Renegade“ oder Kelly-Klassikern wie „An Angel“ – der Musiker, den die meisten nur als Paddy Kelly kennen und der seit einigen Jahren unter seinem bürgerlichen Namen auftritt, singt an diesem Abend nie allein. Ein Chor aus Hunderten Stimmen begleitet ihn. Flaggen aus allen möglichen Ländern wehen ihm wie ein großes Meer bei „Wave My Flag“ entgegen, bei der Rock-Nummer „No Fuzz, No Buzz, Back to Rock’n Roll“ verwandelt sich der Konzertsaal in einen Hexenkessel, und als Kelly für den Song „Crisis“ um eine Schweigeminute bittet, ist es plötzlich mucksmäuschenstill. Ein Konzert, das einer Achterbahnfahrt durch die Facetten des Menschseins gleicht.

Hahners Ehrengäste

Mit der Barockstadt verbindet ihn mehr als der reine Tourstopp. In der Kinderakademie hat er vor einigen Jahren erstmalig seine Malerei ausgestellt, und von hier kommen zwei Schwestern, die er nun als seine Ehrengäste begrüßt und denen er das nächste Lied widmet: die Hahner-Zwillinge. Er erzählt, dass Anna und Lisa Hahner über seinen Bruder Joey Kelly zum Laufsport kamen und stimmt für die Zwillinge „Brother, Brother“ an.

Dann macht er Platz für seinen Überraschungsgast: Ben Schafmeister, dem Paddy Kelly im Rahmen der Kika-Sendung „Dein Song“ als Mentor zur Seite stand, wird begeistert empfangen. Dass der 15-Jährige viel von seinem berühmten Kollegen gelernt hat, sieht man sofort. Das Publikum hat ihn längst ins Herz geschlossen und feiert den jungen Musiker begeistert.

Zum Ende des Abends wird es nochmal berührend leise. Inmitten der Zuschauer erobern Michael Patrick Kelly und Ben sich einen Platz und stimmen mit „One more Song“ die Zugabe an. Zum krönenden Abschluss, dem Dylan-Hit „Knockin‘ On Heavens Door“, holt sich Paddy Kelly Verstärkung aus dem Publikum und erfüllt so einen weiteren Traum.