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Haftpflichtversicherung: Auf Millionen Autofahrer kommen wichtige Änderungen zu

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Von: Johannes Nuß

Kfz-Versicherer passen die Haftpflichtversicherung an. Allein in Niedersachsen sind 2023 mehr als 310.000 Menschen betroffen, in Deutschland etwa 15 Millionen.

Hannover/Berlin – Wichtige Änderungen bei der Haftpflichtversicherung betreffen etwa 15 Millionen Autofahrer in Deutschland. Aber wo verursachen Autofahrer viele und teure Schäden, wo kracht es nur selten?

Haftpflichtversicherung: Auf Millionen Autofahrer kommt wichtige Änderung zu

Um das herauszufinden, berechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) jedes Jahr die Schadensbilanzen der rund 400 Zulassungsbezirke in Deutschland und teilt die Bezirke in Regionalklassen ein. Nach dieser Einteilung passen die Kfz-Versicherer jährlich die Beiträge zur Kfz-Haftpflichtversicherung an. 2023 sind in Niedersachsen rund 310.000 Autofahrer betroffen, in ganz Deutschland etwa 15 Millionen.

Somit müssen Millionen von Autofahrern ab dem 2023 auf eine wichtige Änderung bei der Haftpflichtversicherung gefasst machen. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt, werden die Regionalklassen in vielen Zulassungsbezirken angepasst.

Generell gilt: Je besser die Einstufung in der jeweiligen Regionalklasse, desto günstiger ist das für den Versicherungsbeitrag des Autofahrers. Darüber hinaus haben aber auch andere Faktoren Einfluss auf die Höhe des Versicherungsbeitrages.

Demnach müssen rund zehn Millionen Halter und Autofahrer damit rechnen, in eine höhere Klasse eingestuft zu werden. Circa 5,5 Millionen Autofahrer können von einer niedrigeren ausgehen. In insgesamt 101 Zulassungsbezirken soll laut Mitteilung bald eine höhere Klasse gelten. Auf die restlichen 244 Bezirke in Deutschland soll die Änderung keinen Einfluss haben, sodass die Klasse gleich bleiben soll. Davon sind mehr als 26 Millionen Autofahrer betroffen, wie kreiszeitung.de berichtet.

Haftpflichtversicherung: Auf Millionen Autofahrer kommt Änderung zu – auch in Niedersachsen

Demnach müssen rund 310.000 Autobesitzer in Niedersachsen mit höheren Tarifen bei der Kfz-Haftpflichtversicherung rechnen. In 4 von 47 Zulassungsbezirken gelten 2023 neue sogenannte Regionalklassen, die bei den Kosten für die Haftpflichtversicherung Kfz berücksichtigt werden. Betroffen sind demnach Autofahrer in den Kreisen Cloppenburg, Hameln-Pyrmont, Gifhorn sowie in der Stadt Delmenhorst. Dort haben sich die Einstufungen erhöht.

Billiger könnten die Beiträge dagegen tendenziell in den Städten Braunschweig, Osnabrück und Wolfsburg sowie in den Kreisen Göttingen, Osnabrück, Wolfenbüttel und in der Grafschaft Bentheim werden. Dort sind die Regionalklassen, die sich an der örtlichen Höhe und der Häufigkeit entsprechender Schäden orientieren, zuletzt niedriger eingestuft worden. Am schlechtesten fiel die Schadensbilanz zuletzt in Hannover aus, am besten in Leer.

Neue Klas­sen­gren­zen bei Kfz-Haftpflichtversicherung

Die Einteilung der Regionalklassen basiert auf mathematisch-statistischen Verfahren und soll Regionen mit ähnlichen Schadenbilanzen zusammenfassen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Risikogerechtigkeit innerhalb einer Regionalklasse gewahrt bleibt. Daher überprüfen die Statistiker des GDV regelmäßig die Klassengrenzen und passen sie bei Bedarf an.

Weil zuletzt viele Bezirke mit unterschiedlichen Schadenbilanzen in die niedrigsten und höchsten Regionalklassen eingestuft waren, gelten künftig neue Klassengrenzen: Für die niedrigste Regionalklasse der Kfz-Haftpflichtversicherung muss die Schadenbilanz eines Bezirks jetzt fast 22 Prozent statt rund 15 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt liegen – dadurch erreichen nur noch 24 statt 55 Bezirke die niedrigste Regionalklasse. Am anderen Ende der Skala beginnt die höchste Einstufung nicht mehr ab 20 Prozent, sondern erst ab rund 30 Prozent über dem Schnitt – dadurch werden nicht mehr 19 Bezirke, sondern nur noch Offenbach und Berlin in die höchste Regionalklasse eingestuft. Bezirke mit einer durchschnittlichen Schadenbilanz haben in der Kfz-Haftpflichtversicherung weiterhin die Regionalklasse 6. (Quelle: GDV)

Die Regionalklassen sind nicht die einzige Grundlage zur Berechnung der Versicherungsprämien, eine genaue Aussage über mögliche Preiserhöhungen ist daher noch nicht möglich. Neben der Haftpflicht-Beiträge werden sie auch zur Kalkulation der Voll- und Teilkaskoversicherung herangezogen. Bei der Vollkasko konnten sich Helmstedt, Salzgitter und Wolfenbüttel zuletzt verbessern, während Wilhelmshaven, Lüchow-Dannenberg, Diepholz und die Stadt Göttingen höher eingestuft wurden.

Zwei kaputte Autos stehen nach einem Unfall auf der Autobahn.
Wenn es gekracht hat, kommt die Versicherung ins Spiel. (Symbolbild) © Daniel Reinhardt/dpa

In der Teilkasko könnte es in Braunschweig, Goslar und der Stadt Hannover günstiger werden. Höhere Versicherungskosten könnten auf Autofahrer in Aurich, Friesland, Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Osterholz, Schaumburg, Vechta, Wesermarsch, Wilhelmshaven und im Heidekreis zukommen.

Verglichen mit Regionen in vielen anderen Bundesländern bleiben die Regionalklassen für die 710.000 Autofahrer in Niedersachsen relativ niedrig. Auch in Bremen sind die Regionalklassen im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten niedrig. Die schlechteste Schadensbilanz bei der Kfz-Haftpflichtversicherung in ganz Deutschland hat wie zuletzt Berlin.

Die Regio­nal­sta­tis­tik des Ver­si­che­rungs­ver­bands GDV zu Kfz-Haftpflichtversicherung

Die Regionalklassen spiegeln die Schadenbilanz der 413 deutschen Zulassungsbezirke wider und werden einmal im Jahr vom GDV berechnet. Entscheidend ist dabei nicht, wo ein Schaden entstanden ist, sondern in welchem Zulassungsbezirk der Fahrzeughalter seinen Wohnsitz hat.

Regionalklassen gibt es für die Kfz-Haftpflichtversicherung sowie für die Voll- und Teilkaskoversicherung. In der Kfz-Haftpflichtversicherung sind die Versicherungsleistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen maßgeblich. In der Kaskoversicherung fließen die Versicherungsleistungen nach selbstverschuldeten Unfällen und für alle anderen Kasko-Schadenfälle in die Berechnung ein, unter anderem für Autodiebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle oder Schäden durch Naturereignisse. Die so berechneten Schadenbilanzen der Zulassungsbezirke werden versicherungsmathematisch in einen Indexwert umgerechnet, der die jeweilige Regionalklasse bestimmt. Für die Haftpflicht gibt es 12, für die Vollkasko 9 und für die Teilkasko 16 Klassen.

Die Regionalstatistik des GDV ist für die Versicherungsunternehmen unverbindlich und kann ab sofort für Neuverträge und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr angewendet werden. (Quelle: GDV)

Insgesamt sind in Deutschland rund 15 Millionen Autofahrer betroffen. Etwa 10 Millionen der Halter müssen davon ausgehen, mindesten eine Klasse höher eingestuft zu werden. Hingegen können etwa 5,5 Millionen Autofahrer darauf hoffen, in eine niedrigere Schadensklasse bei ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung eingestuft zu werden. Somit sind 101 Zulassungsbezirke von einer Erhöhung betroffen, für die restlichen 244 Bezirke soll hingegen alles beim Alten bleiben. Das sind immerhin 26 Millionen Autofahrer. (mit Material der dpa)

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