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Bares für Rares (ZDF): Alpen? Schwarzwald? - Erdkunde-Blamage im Händlerraum

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Von: Sebastian Reichert

Bei „Bares für Rares“ (ZDF) erkannten die Händlerinnen und Händler die Schneekoppe auf dem Gemälde von Paul Weimann nicht.
Bei „Bares für Rares“ (ZDF) erkannten die Händlerinnen und Händler die Schneekoppe auf dem Gemälde von Paul Weimann nicht. © ZDF-Mediathek (Screenshot: Fuldaer Zeitung)

Aufgrund ihrer offenbar nicht so guten Erdkunde-Kenntnissen gab es bei „Bares für Rares“ im ZDF jetzt eine kleine Blamage. Das Motiv einer Bergwinterlandschaft verortete Susanne Steiger in die Alpen. Julian Schmitz-Avila war sich mit dem Schwarzwald sicher.

Köln - In der „Bares für Rares“-Trödelshow im ZDF vom 28. Juli 2022 mit Moderator Horst Lichter hatte Verkäufer Dieter Bormann aus Achim bei Bremen ein Erbstück von seiner Mutter in das Walzwerk in Pulheim bei Köln mitgebracht. Es handelt sich um ein Gemälde aus den 1930er bis 1940er Jahren von Paul Weimann.

„Schönes Bild - schöne Stimmung!“, freute sich Horst Lichter über das Bild. „Künstlerisch gut - guter Maler“, begann „Bares für Rares“-Experte Albert Maier aus Ellwangen seine Expertise. „Meine Mutter ist in der Nähe von Hirschberg geboren“, erzählte Dieter Bormann. Die ältere Schwester seiner Mutter habe guten Kontakt zu dem Maler gehabt.

Bares für Rares (ZDF): Alpen? Schwarzwald? Erdkunde-Blamage im Händlerraum

Auf den abgebildeten Bergen sei seine Mutter Ski gefahren, berichtete der Verkäufer. „Das war meine Heimat“, habe seine Mutter oft gesagt. Auch für den 1867 in Breslau geborenen Maler Paul Weimann war das Riesengebirge seine Heimat. Er starb 1945 in Hirschberg in Schlesien (lesen Sie auch hier: „Bares für Rares“-Händler begeistert von signiertem Ferrari-Poster von Michael Schumacher).

Studiert hatte er an der Akademie in Breslau bei Carl Ernst Morgenstern und in Berlin bei Eugen Bracht. Im Riesengebirge lebte und arbeitete der Künstler bevorzugt. Fasziniert von der Natur, die ihn umgab, schuf er ein großes Oeuvre, immer wieder mit einem tollen Lichtspiel von Wintersonne auf Schnee.

So auch bei dem Bild, das jetzt bei „Bares für Rares“ angeboten wurde. Unter dem eigentlichen Farbauftrag hatte Paul Weimann eine blaue Farbschicht aufgetragen, die den Schnee auf den Hängen der Schneekoppe besonders funkeln lässt (lesen Sie auch hier: Wert von Fliegeruhr vervierfacht - Anekdote begeistert „Bares für Rares“-Moderator Horst Lichter).

Die Schneekoppe ist 1603 Meter hoch und damit die höchste Erhebung des Riesengebirges. Vor 1945 war die Schneekoppe der höchste Berg Preußens und auch aller deutschen Mittelgebirge. Seitdem ist der 1493 Meter hohe Feldberg im Hochschwarzwald der höchste Berg der Mittelgebirge in Deutschland.

Die Schneekoppe ist indes der höchste Berg in Tschechien. Über ihren Gipfel verläuft die Staatsgrenze zwischen Polen und Tschechien. Mit diesem Wissen könnten die Anwesenden im „Bares für Rares“-Händlerraum, in dem Elisabeth Nüdling aus Fulda (Hessen) dieses Mal nicht dabei war, bei weitem nicht glänzen.

„Kennt sich jemand aus mit Bergen? Weiß jemand, wo das ist?“, fragte die neue Händlerin Sarah Schreiber („Kitsch oder Kasse“/RTL). Die Auktionatorin, die am 1. Juli 2022 ihre Premiere bei „Bares für Rares“ feierte und sich seit Ende 2021 in Niedernhausen im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen selbstständig gemacht hat, bezeichnet sich selbst als Spezialistin für Gemälde und stammt aus Freiburg im Schwarzwald.

„Das könnten die Alpen sein“, meinte Schmuckexpertin Susanne Steiger aus Köln. „Das ist eindeutig. Wir sind im Schwarzwald - bei der Bewaldung“, sagte dagegen Julian Schmitz-Avila aus Bad Breisig. Nur Christian Vechtel aus Münster und Walter Lehnertz aka „Waldi“ hielten sich zurück. Die Eifel zeigte das Bild schließlich ja auch nicht.

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„Die dargestellte Landschaft könnte der Schwarzwald sein, könnte aber auch woanders sein, oder?“, begann Julian Schmitz-Avila das Gespräch mit Verkäufer Dieter Bormann. „Das sind die Alpen, oder?“, warf Susanne Steiger ein. „Nein, das ist das Riesengebirge mit der Schneekoppe. In Oberschlesien“, korrigierte der Verkäufer.

„Oh, das ist ein Teil meiner Heimat“, antwortete Julian Schmitz-Avila. Beim Bietergefecht lief dann zum Glück alles rund. Hatte die Experten-Schätzung bei 800 bis 1000 Euro gelegen, verkaufte Dieter Bormann das stimmungsvolle Schneekoppen-Bild von Paul Weimann schließlich für 800 Euro an Christian Vechtel.

Der gebürtige Lübecker nahm am Ende nochmal Bezug auf die Erdkunde-Blamage: „Jetzt weiß ich endlich mal - wenn ich nochmal so ein Bild sehe -, dass das die Schneekoppe ist.“ (lesen Sie auch hier: Gemälde oder Uhr? Oder beides? Bietergefecht bei „Bares für Rares“ im ZDF um 200 Jahre alte Rarität).

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