Im #AlarmstufeRot-Interview, das auf Facebook zu sehen ist, äußert Virologe Hendrik Streeck Verständnis für die Schauspieler-Aktion #allesdichtmachen.
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Im #AlarmstufeRot-Interview, das auf Facebook zu sehen ist, äußert Virologe Hendrik Streeck Verständnis für die Schauspieler-Aktion #allesdichtmachen.

Corona-Protest

Virologe Hendrik Streeck hat Verständnis für umstrittene Schauspieler-Aktion #allesdichtmachen

  • Helena Sauer
    vonHelena Sauer
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Der Virologe Hendrik Streeck hat Verständnis für die Internetaktion #allesdichtmachen geäußert. „In meinen Augen hat die Politik es nicht geschafft, alle Menschen mitzunehmen“, sagte Streeck in einem Facebook-Video zur derzeitigen Corona-Lage.

Bonn - In einem Interview spricht Aljoscha Höhn von der Initiative #AlarmstufeRot mit dem Bonner Virologen Hendrik Streeck über die aktuelle Corona-Situation und die Aussichten für die Veranstaltungswirtschaft in der Pandemie. Was ihn am meisten an der aktuellen Lage beunruhige, wollte Höhn von Streeck wissen. Dies sei ganz klar: die Spaltung der Gesellschaft. „In meinen Augen hat die Politik es nicht geschafft, alle Menschen gleichermaßen mitzunehmen.“

Das sehe man sehr deutlich bei #allesdichtmachen. Es werde sichtbar, wie Extreme projiziert werden. „Auf der einen Seite heißt es: Rechtsradikale oder AfD-Unterstützer. Und auf der anderen Seite haben ja die Schauspieler, die das gemacht haben, auch einen Punkt. Sie sagen ja auch mit den vielleicht etwas zynischen Aussagen etwas zu ihrer Situation. Wir haben es leider nicht geschafft, beide Seiten mehr zusammenzusehen“, sagte Hendrik Streeck, der im Interview mit der Fuldaer Zeitung eine Corona-Langzeitstrategie forderte.

Corona: Virologe Hendrik Streeck hat Verständnis für Aktion #allesdichtmachen

Wie auch merkur.de berichtete, sehe Hendrick Streeck im Moment keinen in der Politik, der versuche, die Bürger wieder zusammenzuführen*, und das beunruhige ihn derzeit am meisten. Es sei nicht gut, wenn sich ganze Bevölkerungsgruppen nicht wahrgenommen fühlten, kritisierte Streeck.

Die künftige ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hält die Internetaktion für nicht gelungen – plädiert aber zugleich für eine gemäßigtere Debatte. „Mir wäre es lieber, es würde jetzt nicht so aus dem Ruder laufen“, sagte die 49-Jährige gestern der Deutschen Presse-Agentur. So machte unter anderem der Schauspieler Ben Becker bekannt, dass seine Schwester Meret, die sich als eine der ersten von ihrem Video distanziert hatte, bedroht würde.

Video: Nach Kritik an Internetaktion: Makatsch und Liefers distanzieren sich von Querdenkern

Auch Regisseur Dietrich Brüggemann hat sich erneut zu seiner Teilnahme an der Internetaktion #allesdichtmachen geäußert. „Ich entschuldige mich nicht“, sagte der Filmemacher in einem Interview mit dem Fernsehsender „Welt“. Die Kampagne habe die Art und Weise der Kommunikation der Bundesregierung in der Corona-Pandemie persifliert, erklärte er. Brüggemann selbst ist der Meinung, dies sei auch klar zum Ausdruck gekommen. 

#allesdichtmachen

Unter dem Motto #allesdichtmachen hatten Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirischen Clips die Corona-Politik der Bundesregierung kommentiert. Die Videos waren am Donnerstag veröffentlicht worden. Nach heftiger Kritik und teils Zustimmung aus dem rechten Lager haben sich mehrere Teilnehmer mittlerweile von ihren Beiträgen distanziert.

Aufgrund der heftigen Kritik an der Video-Clip-Aktion sind aber immer mehr der prominenten Teilnehmer selbst nicht mehr davon überzeugt, dass die satirischen Clips das richtige Mittel waren. So ruderte auch das Schauspielerpaar Martin Brambach und Christine Sommer zurück. „Es war vielleicht ein Fehler, solche Videos ohne jeglichen Kontext oder wenigstens ein paar erklärende Worte zu veröffentlichen...“, erklärte das Paar am Sonntag und distanzierte sich von „einer Vereinnahmung durch die AfD und anderen rechten Gruppen.“ Wie auch Virologe Streeck sind sie der Meinung, dass die gesellschaftliche Spaltung gestoppt werden müsse.

Im Interview mit #AlarmstufeRot äußerte sich Virologe Hendrik Streeck auch zu möglichen Outdoor-Veranstaltungen im Sommer. „Da das Infektionsgeschehen draußen weitaus geringer ist, denke ich, dass Veranstaltungen im Außenbereich sehr viel wahrscheinlicher sind als im Innenbereich.“

Corona in Deutschland: Streeck hält Outdoor-Veranstaltungen im Sommer für möglich

Zusammenkünfte müssten Corona-konform durchgeführt und Abständen immer eingehalten werden. Zudem dürfte es keine Nadelöhre geben, in denen Menschen zusammenkommen. Es sei aber immer erstmal ein Testen, ob Veranstaltungen in Modellprojekten in Außenbereichen funktionieren, ohne dass sie das Infektionsgeschehen anheizen. „Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass das funktioniert“, so der Virologe. *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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