Hatte selber Covid-19 und kämpft immer noch mit den Spätfolgen: Autor Jan Weiler.
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Hatte selber Covid-19 und kämpft immer noch mit den Spätfolgen: Autor Jan Weiler.

Kultur in der Krise

Nach Corona-Erkrankung kämpft Autor Jan Weiler mit Spätfolgen - „Ich rieche und schmecke falsch“

  • Anne Baun
    vonAnne Baun
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Die Corona-Krise trifft vor allem auch die Kulturbranche in Deutschland hart: Die bereits verschobenen Veranstaltungen von Bestseller-Autor Jan Weiler (53) werden im Moment erneut verlegt oder ganz abgesagt.

Fulda - Wie es Autor Jan Weiler nach seiner Corona-Erkrankung geht, womit er sich ablenkt und warum er froh ist, kein Musiker zu sein, hat er uns im Interview erzählt. Weiler hat in den vergangenen Jahren immer wieder auch in Fulda aus seinen Büchern gelesen.

Unser letztes Interview hatten wir im Sommer. Läuft es für Sie mittlerweile besser, schlechter, oder ist die Lage unverändert?
Es läuft schlechter, weil alle paar Wochen wieder alles abgesagt wird, was eigentlich schon mal verschoben worden war, und letztendlich führt das irgendwann zu einer kompletten Absage. Die ganze Branche ist wirklich mutlos im Moment. Zum Glück bin ich kein Musiker. Ich kann schreiben oder die Veröffentlichung eines Buches vorziehen. Aber für Musiker ist das gerade wahnsinnig schwer. Ich finde, Künstler werden in ihren Nöten einfach nicht ernst genommen.
Wie kommt das?
Naja, viele Menschen sehen Künstler als Lebenskünstler. So nach dem Motto: Wenn’s nicht gut läuft, schreiben die eben ein Lied drüber. Aber so ist es nicht. Die Nöte von Friseuren hingegen bekommen mehr Aufmerksamkeit. Und dabei sind Künstler total darauf angewiesen, ihre Kunst zu zeigen. Wenn jemand als Maler arbeitet und nun ein Jahr lang seine Bilder gemalt hat, dann kann der die ja nicht mal zeigen – geschweige denn verkaufen. Das ist ein Drama! Und dieses Drama hat sich seit dem Sommer ganz schön zugespitzt.
Bei „hart aber fair“ haben SIe kürzlich gefordert, dass geimpfte Menschen wieder zu Veranstaltungen oder ins Kino gehen dürfen. Gab’s da seitens der querdenkenden Fraktion arg auf die Mütze?
Es gibt immer diese Kommentare bei Facebook oder sonstwo. Tatsächlich bezogen die sich eher darauf, wo ich denn bitte beim Friseur gewesen sei. Das ist eben auch dieses digitale Kleinbürgertum. Über die ganz doofen Beiträge beömmele ich mich, manche Kritik mag berechtigt sein und verdient dann auch eine Stellungnahme, und dann gibt es noch die freundlichen Beiträge. Aber: Don’t feed the Troll! Persönliche Beleidigungen erhalte ich mittlerweile sogar auf meine Kolumnen.

Nach Corona-Erkrankung: Bestseller-Autor Jan Weiler kämpft mit Spätfolgen

Was, echt?
Jede Woche kommt irgendeiner, der mich beschimpft und anpöbelt. Die Leute interessieren mich nicht wirklich, mich interessiert eher die Psychologie dahinter. Aber eigentlich ist es egal.
Sie waren selber ziemlich heftig an Covid erkrankt. Wie geht’s Ihnen jetzt?
Im Prinzip geht’s mir gut, aber ich habe immer noch Beeinträchtigungen beim Geruchs- und Geschmackssinn. Ich bin deswegen auch bei einem Arzt in Behandlung, und der sagt, dass das schon eher ungewöhnlich sei. Normalerweise klingen diese Symptome nach vier, fünf Monaten ab. Bei mir nicht. Und das ist irre unangenehm, weil die Sinne nicht verschwunden sind, sondern ich vielmehr falsch schmecke und rieche.
Okay?!
Kennen Sie Ghee? Dieses ayurvedische Schmalzzeug?
Klar.
Rotwein schmeckt jetzt für mich so. Mandarinen riechen und schmecken so. Und wenn ich eine Kerze auspuste, riecht für mich die ganze Bude danach und ich muss alle Fenster aufreißen. Jetzt muss ich die Gerüche wieder neu lernen. Damit der Nerv, der für das Riechen zuständig ist, keine falschen Infos mehr ans Gehirn weiterleitet.

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Lassen Sie sich impfen?
Natürlich. Im Moment habe ich allerdings noch Antikörper von der Erkrankung. Aber die werden ja weggehen. Ich glaube fest daran, dass mit der Zeit der Konformitätsdruck größer werden wird. Dass die Geimpften zu den Impfgegnern sagen: Lasst euch impfen, wir wollen endlich wieder in den Biergarten. Oder der Nachbar sagt: Ich kann dich nicht zum Grillen einladen, solange du nicht geimpft bist. Und Rock am Ring wird nur für Leute mit gültiger Impfung stattfinden.
Und genau das wird ja gerade sehr kontrovers diskutiert.
Dieses Rumeiern der Politik verstehe ich nicht. Es sind keine Privilegien, die man dadurch bekommt, es ist einfach nur die Rückkehr zur Normalität. Nach Tansania kann man auch nur mit einer Malaria-Impfung fliegen. Den Kita-Platz für die Tochter gibt es nur, wenn sie gegen Masern geimpft ist. Da greift das Hausrecht; es ist kein Eingriff ins Grundrecht. Wenn mich vor der Disco der Türsteher nicht reinlässt, gehe ich auch nicht zur Polizei und sage: Der greift in meine Grundrecht ein. Aber die Politik traut sich da gerade zu wenig. Weil die panische Angst vor der AfD im Bundeswahlkampf haben.
Mutationen, Impf-Chaos, Lockdown – was tun Sie, um nicht den Mut zu verlieren?
Gar nichts. Wir entkommen dem nicht. Jede Hauptnachricht dreht sich seit Monaten nur darum. Da gibt es keine Ablenkung. Es würde uns nur daran erinnern, wovon wir uns ablenken wollen. Aber die Arbeit an meinem neuen Roman lenkt mich ab. Der spielt im Jahr 2005, da war Corona kein Thema.
Haben Sie es deswegen ins Jahr 2005 verlegt?
(lacht) Nein. Ich brauchte eine Prä-iPhone-Ära. Die Geschichte, die ich erzähle, muss zu einer Zeit spielen, bevor Internet und Smartphones so groß wurden. Heutzutage verliert ja niemand mehr die Orientierung, weil immer das Handy dabei ist.
SIe sind ein großer Musik-Fan. Welches Album rettet Ihnen derzeit die Laune?
„Collapsed in Sunbeams“ von Arlo Parks! Diese Platte ist ein Wunder. Da ist wirklich jedes Stück toll komponiert, arrangiert, aufgebaut – und die Frau singt auch noch so super. Es ist ganz toller College-Pop, aber mit sehr anspruchsvollen Kompositionen.

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