Coronavirus
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Eine elektromikroskopische Aufnahme des Coronavirus Sars-CoV-2. (Archivfoto)

Wissenschaftler nennt Details

Experte entdeckt neuartiges Coronavirus – „Irgendwann kommt etwas viel Tödlicheres“

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Zahlreiche Varianten des Coronavirus kursieren bereits weltweit – und es kommen wohl weitere hinzu. Ein Forscher nennt Details.

Berlin – Alex Greenwood ist Wissenschaftler. Er leitet die Abteilung für Wildtierkrankheiten am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin – und hat kürzlich ein neuartiges Coronavirus* entdeckt: auf dem afrikanischen Kontinent. „Es ist keine Überraschung, neue Coronaviren zu finden, es gibt davon Tausende, aber dieses könnte eine komplett neue Gruppe sein. Es stammt vermutlich aus Hirschen“, schildert Greenwood dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Anhand von Proben aus Trinkwasserlöchern analysieren Greenwood und seine Kollegen, wie sich Krankheitserreger verbreiten. Die dort enthaltenen Proben würden eine Vielzahl von Erkenntnissen über den Wirt und den Erreger zeigen, so Greenwood. Neben dieser Methode sammelte das Forschungsteam bereits Blutegel in Südostasien ein, da diese voll mit dem Blut der Wirtstiere waren. „Durch moderne Sequenziertechniken können wir genau sagen, welche genetische Information in der Probe vom Wirtstier stammt und welche von einem möglicherweise unbekannten Erreger.“

Corona: Suche nach Ursprung geht weiter

Das gefundene, neuartige Coronavirus ist kaum erforscht. Es ist laut Greenwood völlig ungewiss, ob es Menschen überhaupt infizieren kann. Ungeachtet der Tatsache, wonach ebenfalls unklar ist, welches Tier möglicherweise als „Zwischenwirt“ für Sars-CoV-2 gedient hat, bevor das Virus auf den Menschen übertragen wurde, steht in der Wissenschaft weiterhin zur Debatte*, wo das Virus seinen Ursprung hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schloss einen Laborunfall lange Zeit aus, bis Anthony Fauci, oberster US-Virologe, seine Zweifel daran äußerte.

Alex Greenwood (r.) im Jahr 2015. (Archivfoto)

Angesichts möglicher neuer Virusvarianten und einem Forschungsfeld, das total neu ist, fordert Alex Greenwood ein weltweites Überwachungssystem für das Virus. „Wir brauchen ein allgemeines Überwachungssystem ähnlich dem für Influenza. Wenn irgendwo auf der Welt ein Virus neu oder gehäuft im Tierreich auftaucht, müssen wir das im Auge behalten“, betont er im Spiegel-Interview. „Irgendwann kommt etwas viel Tödlicheres“ als die bisher bekannten Viren, sagt er: Darauf müsse man vorbereitet sein.

Neben dem Aspekt des Überblicks sei ebenfalls problematisch, dass verschiedenste Viren das Ökosystem allgemein aus dem Gleichgewicht bringen können. „Es wäre zu kurz gedacht, anzunehmen, dass Krankheiten, die nicht den Menschen befallen, kein Problem sind. Wenn bestimmte Tierarten durch Seuchen aus dem Ökosystem verschwinden, fallen die natürlichen Feinde genau jener Arten weg, die für Menschen gefährliche Krankheiten verbreiten können, Fledermäuse zum Beispiel oder Nagetiere“, so Greenwood. „Leider respektiert dieses Virus Barrieren zwischen Arten nicht so gut wie die meisten anderen Krankheitserreger“, sagt auch Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut der Deutschen Presse-Agentur.

In der Europäischen Union gibt es erste Ansätze, ein Monitoring für Wildtierarten aufzubauen, jedoch nicht systematisch. Greenwoods Forderung findet noch nicht ausreichend Gehör. (tu) *fr.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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