In der ARD-Sendung „Maischberger“ hat sich Corona-Experte Hendrik Streeck zu den neuen Virus-Varianten geäußert.
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In der ARD-Sendung „Maischberger“ hat sich Corona-Experte Hendrik Streeck zu den neuen Virus-Varianten geäußert.

Erhöhte Übertragbarkeit

Virologe Hendrik Streeck warnt vor Corona-Mutationen: Bei Varianten „muss man aufpassen“

  • Lea Marie Kläsener
    vonLea Marie Kläsener
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Der Virologe und Corona-Experte Professor Hendrik Streeck spricht bei „Maischberger“ (ARD) über die neuen Virus-Varianten. Dabei macht er klar: „Die Daten deuten darauf hin, dass es eine erhöhte Übertragbarkeit gibt.“

Fulda - „Bei den neuen Mutationen muss man aufpassen“, sagt der Virologe und Leiter der Corona-Studie in Heinsberg, Professor Hendrik Streeck, in der ARD-Sendung „Maischberger“ vom 27. Januar 2021. Es gebe insgesamt etwa 4000, 5000 Mutationen in Sars-CoV-2, die schon entdeckt wurden. „Da können sich mehrere Mutationen zusammentun und eine Variante bilden“, erklärt er. Diese Variantenbildung gebe es jetzt in verschiedenen Ländern der Welt.

Ob die neuen Varianten ansteckender sind als die bekannte Version des Coronavirus? „Ja“, sagt Streeck. „Die Daten deuten darauf hin, dass es eine erhöhte Übertragbarkeit gibt.“ Aber man sehe auch einen anderen Effekt: „In England, Irland und Dänemark übernimmt die Variante, aber die Zahlen gehen mit den gleichen Maßnahmen runter.“ Man habe also gesehen, dass die herkömmlichen Corona-Maßnahmen auch gegen diese Variante funktionieren. „Wir haben es nicht mit einem komplett neuen Virus zu tun“, fasst der Experte zusammen. Um die Variante einschätzen zu können, müsse man Studien durchführen.

Corona: Virologe Hendrik Streeck warnt vor Mutationen - „Man muss aufpassen“

In dem Gespräch mit dem SPD-Politiker Karl Lauterbach bei „Maischberger“ macht Corona-Experte Hendrik Streeck aber auch klar: „Ich teile die Sorge, dass Impfstoffe schlechter wirken gegen Varianten, die kommen.“ Lauterbach wird da deutlicher: „Es kann sein, dass wir am Schluss Mutationen haben, gegen die wir gar nicht mehr impfen können.“

Wie schon im Oktober bei „Maischberger“ spricht Hendrik Streeck sich auch in der Sendung dafür aus, neben den Corona-Infektionszahlen weitere Daten zu berücksichtigen. „Ich würde die Infektionszahlen nie komplett außen vor lassen“, betont er. Aber: „Es sollte nicht der einzige Parameter sein, nach dem wir uns ausrichten.“ Deutschland werde immer mehr Geimpfte haben, die kurzfristig Coronaviren im Rachen tragen können. „Die würden dann positiv getestet, obwohl sie nicht mehr ansteckend sind“, erklärt der Virologe. Mit immer mehr Geimpften werde so die Zahl der Infizierten irrelevanter.

Dabei kritisiert Hendrik Streeck: „Wir wissen nicht, was unsere Grenze im intensivmedizinischen Bereich ist.“ Er stelle sich die Frage: „Wenn wir bei 5000 belegten Intensivbetten schon an unsere Schmerzgrenze kommen, was ist denn unsere maximale Kapazitätsgrenze?“ Es fehle in der Corona-Pandemie ein Stresstest wie bei Banken, der klar mache: „bis dahin und nicht weiter“.

Video: Schleswig-Holstein legt Corona-Stufenplan vor

Rückblickend stellt der Virologe fest, dass Deutschland in der Corona-Krise bislang zu wenig gelernt habe. „Wir haben zu wenig geforscht in dieser Pandemie. Wir haben zu wenig verstanden, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland verhält.“ Er nennt ein Beispiel: „Würden wir einfache Fragen stellen, wie ,Welchen Beruf gehen die Infizierten nach?‘ könnten wir jetzt sagen, ob es gehäuft Infektionen in Großraumbüros oder unter Pflegern gibt.“

Zum Corona-Infektionsgeschehen in Schulen wisse man auch zu wenig. „Wir sind in einer Pattsituation: Schulen zu lassen ist nicht gut, zu öffnen vielleicht auch nicht gut“, fasst Hendrik Streeck zusammen. Um dem Problem entgegenzutreten, schlägt er eine Studie vor: Man könne etwa in einem Ort Schulen öffnen und in einem anderen mit ähnlicher Inzidenz die Schulen schließen „und das lässt man wissenschaftlich begleiten.“

Corona: Virologe Hendrik Streeck lobt Schleswig-Holstein

Bei „Maischberger“ besprechen die Experten auch den aktuellen Umfragewert zur Zufriedenheit mit dem Corona-Krisenmanagement, der erstmals unter 50 Prozent liegt (Quelle: Infratest dimap). Hendrik Streeck sieht neben Unzufriedenheit über die Impfkampagne auch „eine Gefahr darin, dass man als einziges Mittel diesen Lockdown hat“. Wie wa.de berichtete, hatte sich Streeck im Sommer dafür ausgesprochen, dass es notwendig sei, Konzepte unter wissenschaftlicher Begleitung auszuprobieren, wie zum Beispiel ein Konzert.

Der Virologe lobt in dem Zuge die Stufenpläne, die etwa Schleswig-Holstein beschlossen hat. „Wenn man sagt, wir haben eine Struktur, einen Stufenplan, einen Korridor - da können sich die Menschen drauf einstellen. Das finde ich eine gute langfristige Strategie“, so Corona-Experte Hendrik Streeck. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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