Hendrik Streeck, Virologe an der Uniklinik Bonn steht in einem Labor.
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Virologe Hendrik Streeck geht aufgrund neuer Studien davon aus, dass die Sterblichkeitsrate bei der britischer Corona-Variante B.1.1.7 deutlich höher ist.

Neue Studien

Aus diesem Grund ist Virologe Hendrik Streeck gegen Corona-Lockerungen

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Virologe Hendrik Streeck hält es für falsch, derzeit über Lockerungen zu reden. Das liegt an mehreren Studien, die der britischen Corona-Variante B.1.1.7 eine höhere Übertragbarkeit und eine höhere Tödlichkeit nachweisen.

Bonn/Fulda - Hendrik Streeck, der Leiter der Virologie am Universitätsklinikum Bonn, sprach in der zweiten Folge des „Hotspot“-Podcasts mit RTL-Moderatorin Katja Burkhard („Punkt 12“) auch über die neuesten Studien zur britischen Coronavirus-Mutation. Der B.1.1.7-Mutante wurde jetzt in Untersuchungen neben einer höheren Ansteckung auch eine höhere Tödlichkeit nachgewiesen.

In der erste Folgen des Podcasts mit dem Titel „Hotspot – der Pandemie-Talk mit Katja Burkard und Hendrik Streeck“ hatte Corona-Virologe Hendrik Streeck seine Vorbehalte gegen den russischen Impfstoff Sputnik V geäußert. Nun nahm der Experte in dem von Audio Alliance (Bertelsmann) produzierten und unter anderem auf der Plattform „Audio Now“ abrufbaren Podcast Stellung zu der britischen Corona-Variante und deren höherer Sterblichkeit.

Virologe Hendrik Streeck: Britische Corona-Variante B.1.1.7 ist tödlicher

Hendrik Streeck erklärte, dass bei einer Matched-Pairs-Analyse zwei in Bezug auf Alter, Geschlecht und andere Faktoren ähnliche Gruppen miteinander verglichen worden seien. 55.000 Personen waren mit der britische Virus-Variante infiziert, 55.000 mit dem normalen Coronavirus. „Von den Personen, die mit der britischen Variante infiziert waren, waren nach 28 Tagen 227 gestorben, 141 Personen, die mit der regulären Variante infiziert waren, starben“, erläuterte der Virologe aus Bonn.

„Man sieht deutlich, dass mehr Menschen mit der britischen Variante verstorben sind. Einfach gesprochen ist das ein Anstieg der Sterblichkeit von 64 Prozent“, betonte Hendrik Streeck. Nach 28 Tagen betrug die Sterblichkeitsrate in der Gruppe mit der britischen Virus-Variante 0,41 Prozent, in der Gruppe mit der alten Corona-Variante 0,25 Prozent. Die Sterblichkeitsrate in der Gesamtkohorte belief sich auf 0,3 Prozent.

NameProf. Dr. med. Hendrik Streeck
Geburtsdatum7. August 1977 in Göttingen (Niedersachsen)
MedizinstudiumHumboldt-Universität (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
FacharztMikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
AnstellungUniversitätsklinikum Bonn
ForschungsschwerpunkteHIV, Covid-19

Die erhöhte Sterblichkeit der britischen Coronavirus-Variante sei durch drei aktuelle unterschiedliche Studien aus England und einer weiteren aus Dänemark belegt, führte Hendrik Streeck aus. Der Virologe bezog sich unter anderem auf eine Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) mit dem Titel „Increased mortality in community-tested cases of SARS-CoV-2 lineage B.1.1.7“

Hendrik Streeck führte in dem Podcast weiter aus, dass bei dem Anstieg an Corona-Infektionszahlen, den man aktuell in Deutschland sehen kann, „die britische Variante eine Rolle“ spielt, „weil sie eine erhöhte Übertragbarkeit hat“. Der Corona-Experte schlussfolgerte: „Von daher ist es schwierig, in so einem Moment überhaupt über Lockerungen zu reden.“

Man sehe derzeit eine deutliche Übernahme des Infektionsgeschehens durch die neue britische Variante B.1.1.7. „Wir sind in die Welle der britischen Variante reingekommen - mit einem exponentiellen Anstieg der Neuinfektionszahlen. Der hat sich übrigens schon vor jeden Lockerungsmaßnahmen aufgebaut“, erklärte Corona-Virologe Hendrik Streeck.

In der zweiten „Hotspot“-Folge sprach Hendrik Streeck auch über Corona-Impfungen, beispielsweise über die Frage, ob der AstraZeneca-Impfstoff-Stopp wirklich eine gute Idee war. Der Virologe sagte: „Ja, ich denke eigentlich, das war eine gute Entscheidung vom Paul-Ehrlich-Institut. Und das sollte eigentlich auch Vertrauen schaffen, weil das ist eine Oberbehörde, die mit Argusaugen auf den neuen Impfstoff schaut und sehr genau bewertet.“

Video: Virologe Hendrik Streeck bei „Markus Lanz“ unter Beschuss

Interessant auch die Podcast-Aussage von Hendrik Streeck dazu, ob man nach der ersten AstraZeneca-Impfung eigentlich die zweite Impfung mit einem anderen Impfstoff bekommen könne. „Prinzipiell spricht einiges dafür, dass man Impfstoffe kombiniert. Man spricht dann von Prime-Boost-Verfahren“, erklärte der Corona-Virologe.

„Das ist etwas, was schon ausprobiert worden bei anderen Erregern und es hat gut funktioniert, aber das muss erstmal klinisch getestet werden“, führte der 43-Jährige aus. Anfang März hatte Corona-Virologe Hendrik Streeck in einem Interview noch Hoffnung auf den Sommerurlaub 2021 gemacht. Man könnte annehmen, „im Sommer wieder niedrige Fallzahlen zu haben“, hatte er in der „Riverboat“-Talkshow gesagt.

In der ZDF-Show „Markus Lanz“ war es in dieser Woche zu einem Disput zwischen Hendrik Streeck und Chemikerin und Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim gekommen. Streeck stellte sich den Fragen zur Corona-Pandemie und wurde dabei kurzerhand selbst zur Zielscheibe*, wie merkur.de berichtet. *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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