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Negative Impfeffektivität bei Kindern: Nach Kritik begründet das RKI den Wert 0

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Von: Yasina Hipp

Corona-Impfung für Kinder.
Eine negative Impfeffektivität bei Kindern bedeutet nicht, dass dadurch ein Risiko für eine Corona-Infektion besteht. © picture alliance/dpa/Daniel Reinhardt

Seit einigen Monaten werden Impfungen gegen das Coronavirus auch für die Kleinsten empfohlen. Daten des RKI zeigen jetzt jedoch eine negative Impfeffektivität - was steckt dahinter?

Berlin - Schon im vergangenen Sommer hat die Ständige Impfkommission (StiKo) eine Empfehlung herausgegeben, nach der sich auch Kinder ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen sollen und können*. Für noch kleinere Kinder, also von fünf bis elf Jahren empfehlen die Experten eine Impfung nur bei Vorerkrankungen oder bei Kontakt mit Risikogruppen*.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind derzeit rund 21,9 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen mindestens einmal geimpft, 19 Prozent gelten bereits als grundimmunisiert (Stand: 14.04.2022). Im aktuellsten Wochenbericht* sorgt das Berliner Institut jetzt mit einem Stichwort allerdings für Aufregung: „Negative Impfeffektivität bei den Altersgruppen von fünf bis elf Jahren und zwölf bis siebzehn Jahren“, ist da zu lesen. Ein Twitter-User macht seinem Ärger online Luft und wirft dem RKI vor, diese Angabe zu verstecken.

Corona-Impfung: Negativer Wert der Impfeffektivität könne nicht interpretiert werden

Der User empört sich darüber, dass das RKI die Impfeffektivität nur mit dem Wert 0 angibt, obwohl sie eigentlich schon im negativen Bereich liegen würde. Gegenüber Welt äußert sich das RKI* dazu folgendermaßen: „Ein geschätzter negativer Wert kann nicht sinnvoll interpretiert werden und wird deshalb mit einer 0 ausgewiesen.“ Dies bedeute, dass eine Grundimmunisierung im Vergleich zu keiner Grundimmunisierung keinen zusätzlichen Schutz gegenüber einer Erkrankung biete. Das RKI unterstreicht auch, dass der negative Wert gleichzeitig nicht heißt, dass „die Impfung an sich das Risiko, zu erkranken, erhöht.“

Was bedeutet Impfeffektivität überhaupt?

Mit der Impfeffektivität werden die verschiedenen Impfstoffe hinsichtlich ihrer Wirksamkeit verglichen. Die Vakzine von Biontech, Moderna und AstraZeneca bieten eine Impfwirksamkeit von 90% gegen eine schwere Erkrankung und eine Wirksamkeit von 75% gegen eine Infektion. Das bedeutet die Wahrscheinlichkeit, schwer an COVID-19 zu erkranken, ist bei den vollständig gegen Corona geimpften Personen um etwa 90% geringer als bei den nicht geimpften Personen.

Für die Effektivität ergeben sich daraus folgende Erkenntnisse:

- Sowohl nach einer mRNA-Impfung (Biontech/Moderna) als auch nach einer Impfung mit Vaxzevria (AstraZeneca) ist der Schutz vor einer schweren Erkrankung höher als vor jeglicher symptomatischen Infektion.

- Die Wirksamkeit beider Impfstofftypen gegen eine schwere Erkrankung ist sowohl bei der Alpha-, als auch der Delta- und Omikron-Variante sehr gut. Bei Omikron gibt es erste Erkenntnisse, die zeigen, dass die Wirksamkeit der Grundimmunisierung deutlich nachlässt.

- Der Impfschutz ist im jüngeren Alter ausgeprägter als im höheren Alter, unabhängig von Impfstofftyp und Virusvariante.

- Es gibt eindeutige Hinweise für einen mit der Zeit nachlassenden Impfschutz.

(Quelle: RKI COVID-19 und Impfen: Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ))

Negative Impfeffektivität bei Kindern: So kommt der Wert zustande

Dass eine negative Impfeffektivität nicht bedeutet, dass die Impfung das Risiko erhöhe, an Corona* zu erkranken, hat das RKI bereits deutlich gemacht. Aber wie kommt dann der negative Wert überhaupt zustande? Die Experten begründen dies mit „statistischer Unsicherheit oder einer Verzerrung in den Daten“. Aufgrund der niedrigen Fallzahlen von Behandlungen auf Intensivstationen oder gar Todesfällen und der niedrigen Impfquote in den Altersgruppen komme es bei der Berechnung deshalb dann zu negativen Werten. Zusätzlich sei möglicherweise ein Großteil der Kinder, die doppelt geimpft sind, durch Vorerkrankungen oder anderer Risikofaktoren einer höheren Gefährdung ausgesetzt, sich anzustecken. Auch hier komme es deswegen zu Verzerrungen.

Wichtig zu betonen ist, dass eine negative Impfeffektivität keineswegs darauf hinweist, dass die Impfung eine Corona-Infektion in irgendeiner Weise begünstigt. Das hebt auch Andrew Ullmann, Gesundheitsexperte der FDP, hervor. Er sagt: „Dass die Impfeffektivität vom RKI nicht negativ dargestellt wird, halte ich für logisch und konsequent.“ Allerdings fordert Ullmann gleichzeitig auch, mit Blick auf die Impfungen von Kindern den Sachverhalt weiter genau zu verfolgen und im Auge zu behalten. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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