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Nasale Corona-Impfung erzielt schlechtes Ergebnis in erster Studie

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Von: Tanja Banner

Eine Impfung gegen Corona durch die Nase – daran wird seit Beginn der Pandemie geforscht. Ein Mittel von Astrazeneca schneidet in der Studie schlecht ab.

Oxford – Die Entwicklung von Impfstoffen gegen Corona waren ein Durchbruch in der Pandemie. Doch nun meldet die Impfstoff-Forschung einen Fehlschlag: der nasale Corona-Impfstoff, an dem Astrazeneca und die Universität Oxford gemeinsam arbeiten, zeigte in der ersten von drei Studienphasen nicht den erwünschten Erfolg, wie fr.de berichtet. „Das Nasenspray hat in dieser Studie nicht so gut abgeschnitten, wie wir gehofft hatten“, erklärt Sandy Douglas, Studienleiterin am Jenner Institute in Oxford gegenüber The Guardian.

Corona-Impfung durch die Nase: Studie hat keinen Erfolg

Bereits früh in der Corona-Pandemie begannen Forschende, sich mit Nasensprays als Impfung gegen Corona zu beschäftigen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind einfacher zu verabreichen als Injektionen und könnten das Virus vor Ort in der Nase und Lunge am Eindringen in den Körper hindern. Im Gegensatz zu existierenden Corona-Impfungen, die in erster Linie einen schweren Krankheitsverlauf verhindern, könnten die nasalen Impfungen außerdem dazu beitragen, die Verbreitung des Virus zu reduzieren, so ein Gedanke.

Doch nach der ersten Studienphase des Präparats von Astrazeneca und der Universität Oxford stellt sich Ernüchterung ein. An der Studie nahmen 42 Personen teil – 30 von ihnen hatten bisher keine Corona-Impfungen erhalten, 12 von ihnen erhielten das Nasenspray als Auffrischungsimpfung.

Die beteiligten Forschenden stellten jedoch fest, dass das Spray nur „schwache und inkonsistente“ Immunantworten verursachte, die „nicht ausreichend“ seien, „um eine weitere Entwicklung der derzeitigen Kombination aus Wirkstoff und Gerät zu rechtfertigen“, wie es in dem Bericht der Forschenden in eBioMedicine heißt.

In Zukunft könnte die Corona-Impfung per Nasenspray kommen – doch noch ist die Forschung nicht soweit. (Symbolbild)
In Zukunft könnte die Corona-Impfung per Nasenspray kommen – doch noch ist die Forschung nicht soweit. (Symbolbild) © imago images/Fotostand

Um die Wirkung des Corona-Nasensprays zu überprüfen, maßen die Forschenden die Schleimhaut-Immunität und systemische Antikörper bei den Studien-Teilnehmenden. Nach einem Sprühstoß hatten die teilnehmenden Personen kaum Anzeichen für eine Schleimhaut-Immunität. Nach zwei Sprühstößen konnten zwar bei einigen Teilnehmenden Antikörper nachgewiesen werden – die Werte lagen jedoch nur „selten und bescheiden“ über denen, die nach einer Corona-Infektion gemessen wurden.

Nur ein Bruchteil der teilnehmenden Personen habe einen Monat nach einem oder zwei Sprühstößen messbare systemische Corona-Antikörper aufgewiesen, berichtet der Guardian. Weiterhin seien die Antikörper-Level niedriger gewesen als bei Personen, die zwei Impfstoff-Injektionen bekommen hatten.

„Die Verabreichung von Impfstoffen in Nase und Lunge ist nach wie vor ein vielversprechender Ansatz, aber diese Studie deutet darauf hin, dass es wahrscheinlich schwierig sein wird, Nasensprays zu einer zuverlässigen Option zu machen“, betont Studienleiterin Douglas gegenüber dem Guardian.

Die Forschenden gehen davon aus, dass ein Großteil des Nasensprays möglicherweise geschluckt und im Magen zerstört wird, statt das Immunsystem zu trainieren. Eine Lösung könnte sein, den Wirkstoff in einer höheren Konzentration zu verabreichen oder ihn so abzuändern, dass mehr Flüssigkeit in den Atemwegen bleibt.

Nasenspray als Corona-Impfung: „Vielversprechender Ansatz“

Ganz umsonst war die Studie zur nasalen Corona-Impfung nicht: Die Daten seien „sehr hilfreich“ betont der Impf-Experte Gordon Dougan. „Wir brauchen bessere wissenschaftliche Erkenntnisse, um zu verstehen, wie die Immunität durch nasale und orale Verabreichung ausgelöst werden kann“, erklärt er dem Guardian. „Nasale Impfstoffe bieten die Möglichkeit, eine lokale Immunität zu induzieren und damit die Übertragung einzuschränken, was entscheidend ist, um das Auftreten von Impfstoff-Flucht-Varianten zu verhindern.“

Die Bundesregierung hat im Sommer mitgeteilt, dass sie die Entwicklung eines nasalen Corona-Impfstoffs fördert. Das Projekt „Zell-Trans“ der Universitätsklinik München wird mit knapp 1,7 Millionen Euro unterstützt. (tab)

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