Virologe Hendrik Streeck sitzt in einem Labor.
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Virologe Hendrik Streeck wirft die Frage auf, ob sich die Politik in der Corona-Krise hinter der Wissenschaft versteckt.

Lob für Astrazeneca

Versteckt sich die Politik in Corona-Krise hinter der Wissenschaft? Virologe Hendrik Streeck übt Kritik

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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Wie gut ist der in der Kritik stehende Corona-Impfstoff von Astrazeneca? Sollten Schulen und Kitas wieder geöffnet werden? Der Virologe Hendrik Streeck antwortet auf diese Fragen und kritisiert die Bundesregierung in Deutschland.

Bremen/Fulda - Corona-Virologe Hendrik Streeck hat in der „3nach9“-Talkshow (19. Februar, Radio Bremen/NDR) den Astrazeneca-Impfstoff in höchsten Tönen gelobt. Die Bundesregierung erhielt von dem Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn zugleich sowohl Lob als auch einige Kritik. Streeck sagte zudem zum Thema Corona-Lockerung, dass er Verbote als nicht mehr für lange durchhaltbar betrachtet.

Corona: Virologe Hendrik Streeck lobt Astrazeneca-Impfstoff - und kritisiert Politik

In der „3nach9“-Talkshow äußerte Hendrik Streeck unter anderem Kritik an der Corona-Politik in Deutschland. „Manchmal kommt es mir so vor, als ob sich die Politik ein bisschen hinter der Wissenschaft verstecken will“, fand der gebürtige Niedersachse klare Worte. „Wir Virologen können das Infektionsgeschehen oder die Gefährlichkeit einer Mutation gut abschätzen, aber am Ende trägt die Politik die Verantwortung, eine Entscheidung zu treffen. Dafür sind sie gewählt worden.“ Streeck nimmt auch den Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in die Pflicht*, wie msl24.de berichtet.

NameProf. Dr. med. Hendrik Streeck
Geburtsdatum7. August 1977 (in Göttingen)
MedizinstudiumHumboldt-Universität (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
FacharztMikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
AnstellungUniversitätsklinikum Bonn
ForschungsschwerpunkteHIV, Covid-19

Das gelte zum Beispiel auch für das Thema Schließungen beziehungsweise Öffnungen von Schulen und Kitas. Da müsste die Politik neben Virologen auch die Expertise von Kinderpsychologen und Erziehungswissenschaftler berücksichtigen. Der virologische Anteil bei der Beantwortung dieser Frage sei eher klein. Es gebe aus virologischer Sicht aber auch „keine Schwarz-Weiß-Antwort“. „Kinder können sich infizieren und das Coronavirus an die Eltern weitergeben. Man kann nicht sagen, dass es da keine Gefahr, keine Übertragung gibt.“

Video: Corona-Virologe Streeck wagt Prognose in die Normalität

Genauso wenig könne man aber sagen, dass Kinder die Treiber der Coronavirus-Pandemie sind. „Solche Aussagen kann man virologisch oder epidemiologisch nicht treffen“, sagte Streeck in der Fernsehsendung. In Bezug auf die Corona-Impfquote in Deutschland stellte Hendrik Streeck der Bundesregierung auf Nachfrage von Moderatorin Judith Rakers ein gar nicht mal ein so schlechtes Zeugnis aus.

Corona-Virologe Hendrik Streeck hat in der „3nach9“-Talkshow den Astrazeneca-Impfstoff in den höchsten Tönen gelobt.

„Ich muss da ein typisches Harvard-Sandwich machen - gut, schlecht, schlecht, gut“, erklärte der Mediziner. Der Biontech/Pfizer-Impfstoff sei mit Hilfe von deutschen Steuergeldern entwickelt worden. Noch im Sommer 2020 sei er aus der Erfahrung der Impfstoff-Entwicklungen skeptisch gewesen, dass es innerhalb von wenigen Monaten einen Corona-Impfstoff geben werde, sagte Streeck.

Der Sars-CoV-2-Experte sehe - obwohl es aktuell durchaus ruckele - auch keinen Anlass die Beschaffung der Corona-Impfstoffe in Deutschland generell zu kritisieren: „Wir haben sehr viele Impfstoffe eingekauft. Hätte keiner der Impfstoffe funktioniert, hätten die gleichen Menschen, die jetzt Kritik an der Impfstoff-Beschaffung äußern, kritisiert, dass so viel Geld für nicht funktionierende Impfstoffe zum Fenster rausgeschmissen worden sei.“

Corona-Virologe Hendrik Streeck: Versteckt sich die Politik?

Hendrik Streeck weiter: „Ich weiß nicht, wie ich mich als Bundesgesundheitsminister entschieden hätte. Ob ich das Risiko eingegangen wäre, so viele Impfstoffe auf gut Glück zu kaufen.“ Bedingt durch die Vorgehensweise der Bundesregierung haben „wir jetzt drei Impfstoffe, die gut funktionieren.“ Wird die Corona-Impfung die Pandemie beenden? In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau gibt Hendrik Streeck* seine Einschätzung ab.

Der Top-Virologe aus Bonn warb für die Qualität des Astrazeneca-Impfstoffs: „Ein fantastisch funktionierender Impfstoff. Das ist kein Impfstoff zweiter Klasse“, sagte der 43-jährige Forscher. „Es ist ein guter Impfstoff mit einer guten Effektivität. Es kann sogar sein, dass der Astrazeneca-Impfstoff besser vor einer Corona-Infektion schützt. Bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist ja bisher nur nachgewiesen, dass sie vor einem schweren Verlauf schützen.“ *fr.de und msl24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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