Corona-Virologe Hendrik Streeck hat in einem Interview jetzt Hoffnung auf den Sommerurlaub 2021 gemacht.
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Corona-Virologe Hendrik Streeck hat in einem Interview jetzt Hoffnung auf den Sommerurlaub 2021 gemacht.

Coronavirus-Experte

Corona: Virologe Hendrik Streeck macht Hoffnung auf Sommer-Urlaub 2021

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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Corona und der Sommer-Urlaub: Hendrik Streeck hat jetzt Hoffnung auf die Ferien im Juli und August gemacht. Zudem äußerte der Virologe in der Pandemie Kritik am Robert Koch-Institut (RKI) und an der von Angela Merkel (CDU) angeführten Bundesregierung in Deutschland.

Fulda - „Den Blick in die Zukunft kann ich nur bedingt wagen. Wir sind keine Hellseher“, sagte Corona-Virologe Hendrik Streeck in der „Riverboat“-Talkshow (5. März, MDR) auf die Frage von Moderatorin Kim Fisher nach den Sommerurlaub-Chance. Mit der Herleitung von den bisher vier heimischen Corona-Viren machte der Direktor des Instituts für Virologie und HIV-Forschung der Universität Bonn aber trotz noch offener wissenschaftlicher Fragen Hoffnung auf die Ferien im Sommer*, wie auch der Münchener Merkur berichtet.

Corona: Virologe Hendrik Streeck macht Hoffnung auf Sommerurlaub 2021

„Wir sehen bei den bisher vier heimischen Coronaviren einen oszillierenden Charakter mit einem sprungartigen Anstieg im Oktober/November und einem langsamen Abfall im Januar“, sagte Hendrik Streeck, der erläuterte, dass das letzte Coronavirus übrigens vor 130 Jahren von Kühen auf den Menschen gesprungen sei und dann unter dem Namen „Russische Grippe“ bekannt geworden sei.

NameProf. Dr. med. Hendrik Streeck
Geburtsdatum7. August 1977 in Göttingen (Niedersachsen)
MedizinstudiumHumboldt-Universität (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
FacharztMikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
AnstellungUniversitätsklinikum Bonn
ForschungsschwerpunkteHIV, Covid-19

„Bis zum Juni/Juli sind die Werte dann niedrig, bis es im Herbst wieder los geht“, führte Hendrik Streeck mit Blick auf die bisher heimischen Coronaviren aus. „Das neue Coronavirus scheint sich genauso zu verhalten.“ Deshalb können wir annehmen, „im Sommer wieder niedrige Fallzahlen zu haben“. Und deshalb, so die Schlussfolgerung, könnte es gut möglich sein, dass man im Sommer zumindest in kleinerem Rahmen wieder verreisen kann.

In der MDR-Talkshow äußerte Corona-Virologe Hendrik Streeck dann Kritik am Robert Koch-Institut (RKI) und auch an der von Angela Merkel (CDU) angeführten Bundesregierung in Deutschland. So zeigte der Macher der Heinsberg-Studie sein Unverständnis über das Vorgehen des RKI zu Beginn der Pandemie - und damit auch über Vorgehen des Bundesministerium der Gesundheit von Jens Spahn. Das RKI ist direkt dem Gesundheitsministerium unterstellt.

„Wir sind in den Hotspot Heinsberg reingefahren, um das Coronavirus zu verstehen. Ich dachte, das RKI macht so was“, sagte Hendrik Streeck. Der Corona-Experte sieht die Bundesregierung aber auch mit Blick über den Sommerurlaub hinaus in der Pflicht. „Wir sollten jetzt anfangen, über den Herbst und Winter nachzudenken“, sagte Streeck. „Wir dürfen nicht Infektionszahlen verwalten, sondern wir brauchen jetzt schon einen Kristenstab, der jetzt schon über Plan B und Plan C und Plan D nachdenkt.“

Video: Streit um Öffnungsplan: Virologe Streeck mit alternativem Konzept

Hendrik Streeck sitzt im „Expertenrat Corona“, der am 3. April 2020 von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) einberufen worden ist und aus zwölf interdisziplinär zusammengesetzten Experten besteht. Einen solchen Corona-Exppertenrat in größerem Stil wünscht sich der Virologe aus Bonn auch für Deutschland. Dieser Expertenrat „muss in der Bundesregierung sitzen“, führte Streeck aus.

„Wir müssen Leben während der Pandemie ermöglichen“, argumentierte Hendrik Streeck weiter. „Man muss überlegen, wie man Bereiche öffnen kann, ohne Leben zu gefährden. (...) Wenn wir sagen, wir müssen mit dem Virus leben, ist das keine Plattitüde oder Floskel. Das ist ein Prinzip der Bekämpfung der Pandemie. Wenn wir das verinnerlichen, merken wir, dass wir ganz viel nicht machen und dass wir ganz viel aus Unwissenheit entscheiden.“

Corona-Virologe Hendrik Streeck: „Öffnungen nach Branchen machen keinen Sinn“

Er sei sprachlos angesichts noch fehlenden Wissens über Corona-Hygienekonzepte. „Ich habe bereits im vergangenen Sommer dafür geworben, Hygienekonzepte auszuprobieren“, erklärte Hendrik Streeck. „Wir müssen verstehen, welche Hygienekonzepte funktionieren. Wenn wir das einmal kapiert haben, können wir Bereiche mit solchen Hygienekonzepten öffnen.“

Öffnungen nach Branchen machen hingegen keinen Sinn, so der Corona-Virologe. „Jeder Aerosol-Forscher würde sagen, dass es viel ungefährlicher ist, draußen Sport zu machen, als beispielsweise in einer Fahrschule zu sitzen, jetzt öffnen darf. Man muss nach Hygienekonzepten öffnen und nicht nach Branchen. Der Baumarkt um die Ecke mag ein viel schlechteres Hygienekonzept haben, als ein kleines Kabarett-Theater. Aber wir wissen es eben gar nicht.“

Hendrik Streeck, der zuletzt auch schon die Kritik geäußert hatte, dass sich die Bundesregierung in Corona-Fragen hinter der Wissenschaft versteckt, erklärte abschließend: „Mir fehlt das richtige Lernen. Das kann kein einziges Forschungsinstitut machen. Das muss zentral koordiniert werden. Wir müssen nicht für eine Publikation forschen. Wir müssen für das deutsche Volk forschen. Wir brauchen Antworten.“ *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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