Virologin Sandra Ciesek klärt über die drei Mutationen des Coronavirus auf.
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Virologin Sandra Ciesek klärt über die drei Mutationen des Coronavirus auf.

Ansteckender und tödlicher?

Corona-Mutation: Virologin Sandra Ciesek fordert europaweiten Plan - „Wir müssen Ausbreitung verzögern“

Viren verändern sich immer wieder - meist ist das egal. Sorge bieten allerdings Umbauten, die die Eigenschaften des Erregers verändern. Zurzeit sind drei Mutationen des Coronavirus im Umlauf. Doch was ist über sie bekannt? Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek klärt auf.

Frankfurt/Hamburg - Aus Sicht von Wissenschaftlern braucht es einen europaweiten Plan, um die Ausbreitung von Coronavirus-Varianten aus anderen Ländern zu verlangsamen. In der Zeitschrift „The Lancet“ fordert unter anderem die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek einheitliche Regeln für Einreisende. „Wir müssen versuchen, die Ausbreitung der Varianten in Deutschland zu verzögern“, sagte Ciesek im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. „Das kann nur europaweit funktionieren - weil wir nicht isoliert auf einer Insel leben.“

Bisher gibt es in Deutschland drei Mutationen des Coronavirus - aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien. Die Virus-Mutation aus Großbritannien sei sicher ansteckender, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Ob sie auch tödlicher sei, „kann man im Moment noch nicht abschätzen“. Wegen größerer Nähe, vieler Kontakte und verschiedener Verkehrswege sei es kaum möglich, diese Variante aufzuhalten. Bis alle geimpft seien, müsse man aber die Ausbreitung verlangsamen. Hierbei warnt der Virologe Hendrik Streeck: Der Inzidenz-Wert als auch die tägliche Zahl der Neuinfektionen sind seiner Meinung nach keine sinnvollen Richtwerte bei der Bekämpfung der Pandemie.

Frankfurt: Virologin Sandra Ciesek klärt über Corona-Mutationen in Deutschland auf

Die anderen beiden Corona-Mutationen aus aus Brasilien und Südafrika sind in Deutschland bislang kaum verbreitet, sagte Ciesek. Die Fälle seien „importiert“, es seien keine Folgeansteckungen bekannt. Hier habe man bessere Chancen, da diese Mutationen nur über Flughäfen eingeschleppt werden könnten: „Wenn man konsequent testet, nachverfolgt und in Quarantäne steckt, hat man, glaube ich, schon eine Chance, dass man das eine Weile eindämmen kann.“

Die Corona-Mutation aus Großbritannien habe wohl keinen Einfluss auf die Wirkung von Impfstoffen oder die Zahl der Reinfektionen, sagte Ciesek. Sie hält den Impfstoff für besonders sicher. Bei den Varianten aus Brasilien oder Südafrika, die einander ähnlicher seien, sehe man hingegen „schon einen Einfluss auf die Neutralisierungsaktivität“. Das könne bedeuten, so Ciesek, dass Antikörper - aus Impfstoffen oder in der Therapie - nicht so gut mit dem Virus fertig würden. Die Datenlage sei aber noch dünn.

Sandra Ciesek: Wir müssen versuchen, die Ausbreitung der Varianten in Deutschland zu verzögern

Es sei „schwer zu beurteilen“, ob sich Patienten nach einer überstandenen Corona-Erkrankung mit einer mutierten Variante des Virus neu anstecken können, sagte Ciesek. Da Abstriche nicht aufgehoben würden, sei kaum nachzuweisen, ob es sich um ein Wiederaufflammen des Infekts oder eine echte Neuinfektion handle. Eine Studie aus Großbritannien habe zudem gezeigt, dass Menschen bei einer vermuteten zweiten Infektion nur selten schwer erkrankten.

Video: Immer mehr Mutationen - Das bedeuten sie für die Entwicklung der Pandemie

Die Bundesregierung hat sogenannte monoklonale Antikörper für die Therapie gekauft. Für Patienten, die selbst keine Antikörper gegen das Coronavirus bilden können, etwa weil ihr Immunsystem heruntergefahren wurde, könnten diese Antikörper hilfreich sein. Sinnvoll sei solch ein Einsatz im frühen Stadium der Erkrankung oder sogar vorbeugend, eher nicht für Schwerkranke auf Intensivstationen. Für zwei Produkte gibt es in den USA eine Notfallzulassung. Ihr Einsatz senke die Viruslast, erklärte Ciesek. (dpa)

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