Eine Stadtbahn der VVS fährt in die Haltestelle am Pragsattel ein.
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Laut einer von Baden-Württemberg mitfinanzierten Studie ist die Infektionsgefahr in Bus und Bahn nicht höher als im Auto.

Studie zur Infektionsgefahr

Corona-Studie: Infektionsgefahr in Bus und Bahn nicht höher als im Auto

  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Besteht eine erhöhte Infektionsgefahr mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in öffentlichen Verkehrsmitteln? Laut einer Studie der Berliner Charité ist das nicht der Fall.

Stuttgart/Berlin - Das Coronavirus in Baden-Württemberg (BW24* berichtete) und ganz Deutschland ist vor allem durch die hohe Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch besonders gefährlich. Im Laufe der Pandemie wurden immer wieder neue Maßnahmen zum Infektionsschutz* eingeführt. Eine Vielzahl davon bezog sich auf Orte, an denen allgemein mit einer hohen Personenanzahl auf engem Raum zu rechnen ist. Zum Beispiel waren und sind deshalb Restaurants, Bars und Cafés monatelang geschlossen und an Großveranstaltungen wie Konzerte und Festivals ist nicht mal zu denken. Nun könnten immerhin womöglich Theater und Co. schon bald wieder öffnen* jedoch mit strengen Regeln.

Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg verlegten viele Firmen ihre Arbeit vom Büro ins Homeoffice. Dadurch sank auch die Passagierzahl im öffentlichen Nahverkehr. Vom 15. Februar bis 26. März führte die Berliner Charité eine Umfrage zur Infektionsgefahr in Bus und Bahn durch. Die Studie wurde zwar im Zuständigkeitsbereich des Rhein-Main-Verkehrsverbundes durchgeführt, das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg setzte sich jedoch ebenfalls stark für die Studie ein, heißt es in einer Mitteilung. Aufgrund der hohen Fahrgastzahlen in Großstädten wie der Landeshauptstadt Stuttgart* könnte man annehmen, dass das Infektionsrisiko in Bus und Bahn deutlich höher ist als beispielsweise im eigenen Auto. Laut den Ergebnissen der Studie ist dem jedoch nicht so.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Studie zur Infektionsgefahr in Bus und Bahn

Allein in den Fahrzeugen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), zu dem auch der öffentliche Verkehr in den Landkreisen Ludwigsburg*, Esslingen*, Böblingen, Göppingen und der Rems-Murr-Kreis zählen, wurden im Jahr 2019 394,5 Millionen Fahrgäste befördert. Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ging die Fahrgastzahl im Jahr 2020 um fast 40 Prozent auf 240 Millionen zurück. Die Charité Research Organisation, eine Tochter-Gesellschaft der Berliner Charité, wollte mit der Studie prüfen, ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln tatsächlich eine erhöhte Ansteckungsgefahr besteht. Dazu wählte das Institut 682 Teilnehmer ohne vorherige Corona-Infektion aus, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Die Probanden wurden anschließend auf zwei Gruppen aufgeteilt. Der eine Teil sollte in der fünfwöchigen Testphase im Individualverkehr - also beispielsweise mit dem Auto- unterwegs sein und der andere Teil mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Obwohl die Studie der Charité Research Organisation im Rhein-Main-Verkehrsverbund durchgeführt wurde, können die Ergebnisse genauso auf die Verkehrsverbünde und den öffentlichen Nahverkehr im Südwesten Deutschlands übertragen werden.

„Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hat sich sehr für diese Studie eingesetzt“, sagte Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne). „Wir wollen wissenschaftliche Klarheit für die Fahrgäste, ob es ein Ansteckungsrisiko gibt beziehungsweise wie hoch es ist.“ Man hatte im Vorfeld jedoch Grund zur Annahme, dass das nicht der Fall sei. „Aber das soll überprüft werden“, so Herrmann.

Ansteckungsgefahr im Nahverkehr: „Haben nun wissenschaftliche Klarheit“

Zur Auswertung der Studie der Charité Research Organisation wurden die Teilnehmer nach der fünfwöchigen Testphase auf Antikörper getestet. Damit sollte belegt werden, ob eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden worden sei. Laut der dpa wurden in den zwei Probanden-Gruppen jeweils bei der gleichen Anzahl an Teilnehmern solche Antikörper nachgewiesen werden. Daraus schlossen die Autoren der Studie, dass das Infektionsrisiko im Alltag mit der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs nicht steige. Demnach ist eine Infektion mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg in Bus und Bahn nicht wahrscheinlicher als im privaten Auto.

Auch Verkehrsminister Herrmann zeigte sich mit den Ergebnissen der Studie zufrieden. „Wir haben nun wissenschaftliche Klarheit für die Fahrgäste, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Verhältnis zu anderen Verkehrsmitteln nicht mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko verbunden ist“, teilte er am Montag mit. „Die Ergebnisse der Studie belegen, dass die Einhaltung der Hygieneregeln, häufige Reinigung und Lüftung der Fahrzeuge einerseits sowie Abstand halten und Maske tragen andererseits wirkungsvolle Mittel zum Infektionsschutz sind.“ Aufgrund der hohen Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohnern besteht in Region Stuttgart im öffentlichen Nahverkehr seit einigen Wochen eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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