Forscher stellten das fest

Coronavirus-Studie: Blutgruppe begünstigt schwere Covid-19-Verläufe

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Forscher aus Deutschland und Norwegen haben die Blutgruppen auf die Wahrscheinlichkeit einer schweren Covid-19-Erkrankung untersucht. Es gibt gravierende Unterschiede.

Coronavirus: Sind Menschen einer bestimmten Blutgruppe besonders gefährdet?

München - Es ist eines der Mysterien des neuen Coronavirus: Warum endet manche Infektion trotz medizinischer Hilfe tödlich, während andere Erkrankte nicht einmal Symptome* offenbaren? Diese völlig unterschiedliche Ausprägung der Krankheit Covid-19 lässt eben auch völlig offen, wie viele Menschen wirklich schon infiziert waren und dann eine Immunität gegen Sars-CoV-2 entwickelt haben. Es ist die womöglich ewige Frage nach der Größe der Dunkelziffer. Viele Unsicherheiten prägen folglich diese Pandemie.

Das gilt auch für die Frage nach den Risikopatienten*. Wer ist besonders gefährdet? Die Älteren  und Schwachen - so lautete eine frühe Überzeugung. Und vor allem Menschen mit Vorerkrankungen. Männer* insgesamt mehr als Frauen. Zeitweise wurde auch vermutet, dass Raucher eher von schweren Verläufen heimgesucht werden könnten als Menschen, die dem Glimmstängel nicht so viel abgewinnen können.

Corona-Studie: Covid-19-Patienten aus Italien und Spanien nach Blutgruppen unterteilt

Doch im letztgenannten Fall gilt mittlerweile: Viel Rauch um nichts. Dafür haben Experten erste Erfolge erzielt bei der Erforschung der Rolle der Blutgruppe in der Corona-Pandemie. Wissenschaftler aus Deutschland und aus Norwegen untersuchten zu diesem Zweck 1610 Patienten, deren Krankheitsverlauf besonders schwer war und die sogar auf eine Sauerstoffversorgung angewiesen waren. Die Probanden stammten aus sieben besonders heftig gebeutelten Regionen in Italien und Spanien, wie Mailand, Monza, Madrid, San Sebastian oder Barcelona.

Von dort wurden auch Blutproben von 2205 gesunden Menschen beschafft, um diese mit denen der ehemaligen Corona-Erkrankten vergleichen zu können. Dabei kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Menschen mit der Blutgruppe A einem deutlich höheren Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ausgesetzt zu sein scheinen, als die übrigen Bluttypen. Die geringste Gefahr scheint demnach für Menschen mit Blutgruppe 0 auszugehen.

Hoffnung auf den Impfstoff: Rund um den Erdball wird an einem Wirkstoff gegen Sars-CoV-2 gearbeitet.

Corona-Studie: Schwerer Krankheitsverlauf bei Blutgruppe A am wahrscheinlichsten

Offenbar droht der erstgenannten Gruppe eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, bei einer Covid-19-Erkrankung auf Sauerstoffverabreichung oder ein Beatmungsgerät angewiesen zu sein, wie der Nuller-Blutgruppe. Die übrigen, aber nicht so verbreiteten Bluttypen AB und B liegen dazwischen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis waren auch chinesische Wissenschaftler bereits gekommen. Allerdings weisen die Forscher aus Deutschland und Norwegen darauf hin, dass ihre Studienresultate noch keinem „Peer Review“ anderer Wissenschaftler unterworfen wurden, es sich daher um eine Vorveröffentlichung handele. Der Gesundheitsexperte und SPD-Politiker Karl Lauterbach lobt die Arbeit jedoch als „robust“.

Corona-Studie: Ergebnis könnte bei Entwicklung von Medikament helfen

Die Studie könnte bei der Entwicklung eines Medikamentes* weiterhelfen. Denn sie offenbart schließlich, welche menschlichen Gene einen schweren Krankheitsverlauf begünstigen könnten. Hoffnungen auf einen Impfstoff versetzt unterdessen ein Münchner Virologe einen Dämpfer.

Während bei Malaria ebenfalls Menschen mit Blutgruppe 0 geringerer Gefahr einer heftigeren Erkrankung ausgesetzt sind, ist bei der Pest der Bluttyp A besser geschützt.

Wir halten Sie auch über die Zahlen von Infizierten, Verstorbenen und Genesenen in Deutschland und anderen Ländern auf dem Laufenden. Der Wert der Reproduktionszahl gab jüngst Anlass zur Sorge. Der Virologe Christian Drosten überarbeitet seine Corona-Studie und attackiert zugleich seine Kritiker. Unterdessen gibt es eine Untersuchung zur Wirkung des Corona-Lockdown.

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mg

Rubriklistenbild: © dpa / Marijan Murat

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