Rechtsmediziner berichtet aus Corona-Alltag

Coronavirus in Deutschland: Charite-Rechtsmediziner macht tragische Beobachtung - „Seit dem Lockdown ...“

  • Jennifer Lanzinger
    vonJennifer Lanzinger
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Das Coronavirus greift weiter um sich, die Zahl der Neuinfektionen steigt in ganz Europa an. Rechtsmediziner Michael Tsokos äußert nun eine traurige Beobachtung.

  • Das Coronavirus verbreitet sich weiter rasend schnell, viele Menschen haben Sorge vor einer zweiten oder gar dritten Welle.
  • Rechtsmediziner Michael Tsokos spürt die Auswirkungen der Corona-Krise in seinem Beruf ebenfalls.
  • Viele Menschen leiden unter der Corona-Krise, obwohl sie nicht selbst erkrankt sind.

Berlin - Das Coronavirus* stellt die Welt seit einem guten halben Jahr auf den Kopf, viele Nationen kehren bereits zurück in einen erneuten Lockdown. Während sich viele Menschen aktuell mit dem Virus infizieren, die Fallzahlen steigen und über neue Maßnahmen beratschlagt wird, äußert der Rechtsmediziner Michael Tsokos, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Charité, eine besorgniserregende Beobachtung.

Corona in Deutschland: Rechtsmediziner Tsokos beschreibt besorgniserregende Entwicklung

Zu Gast in der NDR-Talkshow wollte Tsokos eigentlich über seinen Alltag und die Veröffentlichung seines neuen Buches sprechen, doch das Coronavirus wurde selbstverständlich auch in der Talkshow thematisiert. Seine Arbeit sei von Anfang an vom Coronavirus* betroffen gewesen, erklärte er.

Laut Tsokos war zunächst durch das Robert Koch-Institut die Anweisung erfolgt, keine Obduktionen bei Corona-Todesopfern durchzuführen. „Ich habe auch zu meinen Leuten gesagt, das ist Quatsch. Wenn wir uns richtig schützen, dann ist es weitaus weniger gefährlich als zum Beispiel Tuberkulose“, verdeutlichte Tsokos in der Talkshow. Als dann kurz darauf fünf Personen in einem Pflegeheim nach einer Coronavirus-Infektion* verstorben waren, habe er die Obduktionen zunächst ohne sein Team vorgenommen, berichtete der Rechtsmediziner.

Corona in Deutschland: Rechtsmediziner berichtet von „Kollateralschäden“ durch die Corona-Krise

Tskokos betonte aber auch, Todesfälle nach einer Corona-Infektion machten aktuell nicht den Hauptbestandteil seiner Arbeit aus - sondern vielmehr die „Kollateralschäden“ der Corona-Krise. Dem Forensiker zufolge gibt es viele Personen, die durch die Krise leiden, obwohl sie selbst nicht am Virus erkrankt seien. „Wir haben allein letzte Woche mehrfach Menschen obduziert, die seit dem Lockdown nie wieder aus ihrer Wohnung raus sind“, so Tsokos. Die Menschen hätten bereits längere Zeit in der Wohnung gelegen, teilweise in Messie-Wohnungen - „mit Gasmasken und Astronauten-Nahrung vorbereitet, die auch keiner vermisst hat“, verdeutlichte der Rechtsmediziner.

Tsokos erklärt weiter, dieses Phänomen zeige sich aktuell immer wieder. Viele Personen seien auch nicht ins Krankenhaus gegangen, weil bei „ihnen eben aufgrund der ganzen Droh-Szenarien die aufgemacht wurden, die Angst überwog, rauszugehen“.

Der 53-Jährige blickt bereits auf eine lange Laufbahn zurück, der Rechtsmediziner untersuchte im Laufe seiner Karriere mehr als 300.000 Leichen. Tsokos reiste unter anderem während der Tsunami-Katastrophe 2004 nach Thailand, um bei der Identifizierung der Opfer zu helfen.

Die Corona-Lage spitzt sich in vielen Ländern zu - auch und vor allem in Nachbarstaaten Deutschlands. Ein Blick auf ausgewählte Gebiete, in denen es zuletzt einen rasanten Anstieg der Neuinfektionen gab.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

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