Impfkampagne bleibt vorerst ohne Effekt

Dritte Corona-Welle: Drosten macht Hoffnung auf Besserung - aber nur unter einer Bedingung

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Deutschland taumelt durch die Pandemie, gerät bei jeder neuen Corona-Welle ins Schlingern. Laut Christian Drosten sollte aktuell nicht zu viel Hoffnung in die Impfkampagne gesetzt werden. Er zeigt einen anderen Weg auf.

München - Eins, zwei, drei. So viele Corona*-Wellen sind bereits über Deutschland* hinweggeschwappt. Zwischendurch konnte mal kurz durchgeatmet werden, doch immer wieder stand der Nation das Wasser bis zum Hals. Bald vielleicht sogar bis Oberkante Unterlippe? Immer mehr Experten prognostizieren ein solches Drohszenario. Und dass sich die Bundesrepublik dann richtig strecken müsste, um sich aus der aktuellen Welle zu befreien - wenn denn nicht bald entschlossen gegengesteuert werde, mit deutlich stärker einschneidenden Maßnahmen als zuletzt.

Vor allem aber mit einem wirksamen Konzept statt dem Rumgestocher im Trüben seitens der politischen Entscheidungsträger. In der Bild am Sonntag zeigt nun Christian Drosten, der sich vor allem in der ersten Welle einen Namen als unaufgeregter Virus-Aufklärer gemacht hat, einen Weg ans Ufer auf. Womit er der Regierung und den Handelnden der Länder ins Gewissen redet, den Rat zu erhören.

Drosten über dritte Corona-Welle: „Kontakte deutlich reduzieren und Infektionsketten unterbrechen“

„Wir können diese Welle noch brechen“, verkündet der Institutsdirektor der Berliner Charité direkt die frohe Botschaft. Doch einfach werde das nicht: „Dazu werden wir aber leider um einen ernsthaften Lockdown* nicht herumkommen. Wir müssen die Kontakte deutlich reduzieren und Infektionsketten dadurch unterbrechen.“

Spätestens beim nächsten Satz dürfen sich Angela Merkel* und Co. persönlich angesprochen fühlen: „Es fehlt aktuell schlicht an gezielteren Werkzeugen.“ Ein Satz wie eine Bankrotterklärung im 13. Monat der Pandemie. Drosten verweist darauf, dass es bereits „gute Vorschläge“ aus der Wissenschaft gegeben hätte. Sowohl für Schulen und Arbeitsstätten, als auch den Nahverkehr oder das Privatleben.

Plädiert für ein entschlossenes Handeln: Christian Drosten würde sich in der dritten Corona-Welle nicht auf die Impfkampagne verlassen.

Drosten über dritte Corona-Welle: Mit Schnelltests wäre ein früherer Vorschlag nun effektiver umsetzbar

Dann ruft er einen eigenen Vorschlag aus dem vergangenen Sommer ins allgemeine Gedächtnis: „die Kurzzeit-Gruppenisolierung mit Freitestung“. Für Drosten ein geeignetes Mittel, „um möglichst viele Übertragungen zu verhindern, bei gleichzeitig möglichst kurzer Einschränkung der Bewegungsfreiheit“. Gerade in Verbindung mit den nun verfügbaren Schnelltests* könne dieses Konzept wirksam sein.

„Dies wäre wichtig gewesen, denn die Impfkampagne nimmt nur langsam Fahrt auf und wird sich erst in einigen Monaten positiv bemerkbar machen. Sie können wir jetzt noch nicht einpreisen“, macht der 48-Jährige jegliche Hoffnung auf einen baldigen flächendeckenden Effekt der Impfungen - Stichwort: Herdenimmunität - zunichte.

Drosten über dritte Corona-Welle: Gegen Mutante B.1.1.7 hilft kein Teillockdown mit Abstufungen

Zum Abschluss geht Drosten noch auf die besondere Gefahr der britischen Mutante B.1.1.7* ein. Bereits in Paris oder London hätte sich gezeigt, dass gegen diese neue und besonders tückische Virusvariante „ein Teillockdown* mit abgestuftem Maßnahmenkatalog nicht durchgreift“. Vielmehr sei dort nicht nur die Inzidenz weiter gestiegen, sondern „auch die Zahl der schweren und oft auch tödlichen Krankheitsverläufe“.

Um aus diesen Erfahrungen die richtigen Schlüsse zu ziehen und auch entsprechend wirksam zu handeln, „ist jetzt aber politisches Handeln und auch die Unterstützung möglichst vieler Menschen notwendig“. Heißt also: Ob Deutschland mehr als nur den Kopf über Wasser halten kann, hängt entschieden von Entschlossenheit und Zusammenhalt der großen Mehrheit ab. (mg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © CHRISTIAN CHARISIUS/dpa

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