Angst vor Infektion mit Coronavirus: In Stuttgart werden die Mundschutzmasken knapp.
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Angst vor Infektion mit Coronavirus: In Stuttgart werden die Mundschutzmasken knapp.

Chinesische Schüler wollten in die Region Stuttgart kommen

Auswirkungen des Coronavirus für Stuttgart: Jetzt müssen die ersten Konzerte abgesagt werden

Zwei Verdachtsfälle auf das Coronavirus in Stuttgart haben sich nicht erhärtet. Doch mit der Absage von zwei Konzerten, soll vorgesorgt werden.

  • Stuttgarter Flughafen ergreift erste Maßnahmen gegen Coronavirus.
  • Stuttgarter R+T Asia Messe wird verschoben.
  • Zwei Konzerte in der Region Stuttgart müssen abgesagt werden.

Update vom 3. Februar 2020: Das Coronavirus hat weitere Auswirkungen auf Stuttgart und die Region. Zwei Konzerte wurden in Besigheim und Ludwigsburg, nördlich von Stuttgart, wegen des Coronavirus abgesagt. Nächste Woche sollten Schüler aus China auftreten. Ein Fest der deutsch-chinesischen Begegnung war geplant, berichtet die Bietigheimer Zeitung. 160 Schüler aus China dürfen sich auf Grund der schnellen Verbreitung des Coronavirus nun nicht auf den Weg in die Region Stuttgart machen.

„Wir sind natürlich alle traurig“, sagte Roland Haug, Leiter der Musikschule Besigheim, gegenüber der Bietigheimer Zeitung. Aber Verständnis habe er für die Sicherheitsmaßnahmen, angesichts der rasanten Ausbreitung des Virus. Der Deutschland-Asien-Service hatte gemeinsam mit der Musikschule in China beschlossen, dass die Reise abgesagt wird. Zwar sei das Konzert in Besigheim auf großes Interesse gestoßen, doch zum jetzigen Zeitpunkt kann es nicht stattfinden. Doch im kommenden Jahr soll das Fest nachgeholt werden.

Update vom 31. Januar 2020: Angesicht der raschen Verbreitung des Coronavirus scheint die Gelassenheit der Stuttgarter dahin zu sein. Oder doch etwa nicht? Fest steht aber: Mundschutzmasken sind derzeit Mangelware. In China sind die Masken schon längst ausverkauft – kein Wunder, denn dort starben 213 Mensch am Coronavirus. Und mehr als 9.700 sind infiziert. Aber was ist bloß in Stuttgart los? 

"Die Lage ist sehr extrem", sagt Anastasia Tegonikou, Mitarbeiterin der Paulinen-Apotheke in der Stuttgarter Innenstadt. Die Anfrage nach Mundschutzmasken ist sehr stark gestiegen, seitdem das Coronavirus in der chinesischen Stadt Wuhan um sich greift. In den vergangenen Jahren wurden lediglich etwa fünf Mundschutzmasken verkauft – heute will jeder zweite Kunde eine Maske. "Und wir hätten weitaus mehr verkaufen können, wenn wir genügend Ware bekommen hätten", erzählt Florine Markert, Mitarbeiter einer Stuttgarter Apotheke. Durch die große Nachfrage nach den Mundschutzmasken ist die Lage der Großhändler sehr angespannt. Denn: Die heiß begehrten Masken werden überwiegend in China hergestellt und dort ist die Nachfrage noch höher. Das zieht auch zwielichtige Hersteller auf den Plan, die von der Krise profitieren wollen. "Derzeit bekommen wir viele dubiose Angebote per E-Mail", sagt Markert der StN.de gegenüber. 

Wer kauft denn die Mundschutzmasken in Stuttgart? Denn schließlich gab es in Stuttgart nur zwei Verdachtsfälle und in beiden gab es Entwarnung. Rund 70 Prozent der Masken werden an Chinesen verkauft. Tegonikou schätzt: "Nicht, um die Masken selbst zu behalten, sondern vornehmlich, um sie an die Familie und Freunde nach China zu schicken."

Stuttgart: Maßnahmen gegen Coronavirus-Ausbreitung auch bei Flughafen und Messe

Erstmeldung vom 29. Januar 2020: Stuttgart - Wie zu erwarten war, hat das Coronavirus mittlerweile auch Deutschland erreicht. Am Montagabend wurde ein erster Fall in Bayern bekannt, dort hatte sich ein Mann aus dem Landkreis Starnberg mit dem neuartigen Virus infiziert. Übertragen hatte ihn eine Chinesin, die für den dortigen Autozulieferer Webasto arbeitet. Seit gestern sind zudem vier weitere Kollegen aus Starnberg bekannt, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Stuttgart: Gelassenheit am Flughafen! Keine besonderen Maßnahmen

Für Verwirrung sorgte eine erste Reaktion vom Stuttgarter Flughafen. Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, hieß es zuerst, dass Flugzeuge mit Passagieren, bei denen ein Verdacht auf das Coronavirus besteht, am Stuttgarter Flughafen keine Landeerlaubnis bekommen. Diese Aussage wurde von einer Sprecherin des Flughafens am Dienstagnachmittag korrigiert: "Bei uns darf jeder landen – auch wer niest und schnupft."

Plakate, auf denen über die Symptome des Coronavirus informiert wird, wurden bereits im Ankunftsbereich des Stuttgarter Flughafens ausgehängt. Die Informationstexte sind auf Deutsch, Englisch und Chinesisch verfasst. Zudem bestehe, nach Angaben der Flughafensprecherin, keine direkte Verbindung nach China. Besondere Sicherheitsmaßnahmen wurden in Bezug auf das Coronavirus am Stuttgarter Flughafen nicht getroffen. Vorgaben aus dem Gesundheitsministerium sind dem Flughafen bisher nicht bekannt.

Erster Coronavirus-Plan kommt aus Berlin

Eine erste Antwort auf die Frage, wie man eine Ausbreitung der Seuche eindämmen kann, gab Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Wie die Bild-Zeitung berichtet, sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

  •  Piloten müssen bei der Landung in Deutschland den Tower über den Gesundheitszustand der Fluggäste informieren.
  • Reisende sind verpflichtet, ein Formular zum aktuellen Gesundheitszustand auszufüllen. Angeben muss man zudem, wo und wie man in den kommenden 30 Tagen erreichbar ist.
  • Behörden sollen durch die Fluggesellschaften über die Sitzpläne der Passagiere informiert werden. Damit soll nachvollziehbar sein, wer im Fall einer Coronavirus-Infektion ebenfalls infiziert sein könnte.

Fiebermessstellen an Flughäfen soll es laut Spahn nicht geben, die seien wirkungslos.

Stuttgarter Messe: R+T Asia 2020 wird verschoben

Nicht nur der Stuttgarter Flughafen, auch die Messe Stuttgart spürt die Auswirkungen des Coronavirus. Die für Ende Februar in Shanghai geplante R+T Asia 2020 muss verschoben werden. Grund: Die lokale Regierung in Shanghai hat aufgrund der akuten Infektionsgefahr alle stattfindenden Großveranstaltungen im Februar abgesagt. Ein neuer Termin sei laut Messe Stuttgart schon in Abstimmung, dieser soll "möglichst zeitnah kommuniziert werden".

Roland Bleinroth, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, macht deutlich, wie sehr die aktuelle Lage zur Belastung wird: "Für unsere Aussteller, Partner und Besucher, sowie das Messe-Team ist diese Lage natürlich eine organisatorische Herausforderung." Die Entscheidung aus Shanghai sei aber absolut nachvollziehbar. Die Gesundheit der Teilnehmer habe Vorrang.

Mit der R+T Asia wird die führende asiatische Fachmesse für Rollläden, Tore, Fenster und Sonnenschutz erstmal verschoben. Betroffen sind neben Ausstellern und Partnern rund 40.000 Besucher, die die jährlich stattfindende Messe besuchen.

Stuttgarter Hochschule/Coronavirus: Drei Studierende kommen zurück nach Deutschland

Wie echo24.de* berichtet gibt es durch das Coronavirus zudem Konsequenzen an der Stuttgarter Hochschule der Medien. Drei Studierende reisen laut einer Sprecherin vorzeitig aus China zurück nach Stuttgart.

Grund für den Aufenthalt ist ein deutsch-chinesischer Studiengang, der zusammen mit der Partnerhochschule in Xi’an angeboten wird. Die Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Shaanxi ist rund 800 Kilometer von der Stadt Wuhan entfernt, dort wurde das Coronavirus nach ersten Vermutungen von Wildtieren wohl auf den Menschen übertragen.

Die Studierenden der Hochschule Stuttgart haben noch ein Semester in China vor sich - "geplant war eigentlich ein Aufenthalt bis zum Sommer", erklärt eine Betreuerin des Studiengangs.

Coronavirus schränkt Reisen in China erheblich ein

Die drei Studierenden der Stuttgarter Hochschule wollten zudem die Zeit in Xi’an zum Reisen nutzen. Durch das Coronavirus sind einige Gebiete in China zurzeit abgeriegelt, den Campus in Xi’an darf man nur noch mit Genehmigung verlassen. Die unklare Lage sowie die Einschränkungen im chinesischen Reiseverkehr haben die Studenten zur Heimreise veranlasst. Morgen sollen sie zurückkommen. Wie es mit den Auslandsaufenthalten in China danach weitergeht ist laut Hochschule "derzeit unklar".

*echo24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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