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Zahlreiche Hepatitis-Fälle bei Kindern weiter ungeklärt – WHO zählt 650 Infektionen weltweit

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Von: Tanja Banner

Ungeklärte Hepatitis-Fälle bei Kindern werden weltweit untersucht.  (Symbolbild)
Ungeklärte Hepatitis-Fälle bei Kindern werden weltweit untersucht. (Symbolfoto) © Westend61 / Imago Images

650 Fälle von ungeklärten Hepatitis-Infektionen bei Kindern sind der WHO bekannt. Die Forschung tappt weiter im Dunkeln – was steckt hinter der Krankheit?

Frankfurt – Es ist ruhig geworden um die mysteriösen Hepatitis-Erkrankungen bei Kindern. Doch das heißt nicht, dass es keine Fälle mehr gibt oder dass die Ursache der teils schwer verlaufenden Leberentzündungen bei überwiegend kleinen Kindern mittlerweile bekannt wäre. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt mit Stand vom 27. Mai ganze 650 bekannte Fälle „akuter Hepatitis unbekannter Ätiologie bei Kindern“ an. Gemeldet worden seien die Fälle zwischen dem 5. April und dem 26. Mai aus 33 Ländern. Nach wie vor sei die Ursache der Erkrankung unbekannt und werde noch untersucht.

Eine Hepatitis ist eigentlich keine seltene Erkrankung – doch im Fall der 650 erkrankten Kinder liegen die Dinge etwas anders: Hepatitis-Viren, die die Krankheit häufig auslösen, wurden bei den betroffenen Kindern nicht festgestellt und auch sonst konnten die Forschenden bis jetzt keinen eindeutigen Krankheitsauslöser finden. Gleichzeitig verlaufen viele Fälle schwer – zahlreiche Kinder kamen ins Krankenhaus, bei 38 der 650 Kinder war laut WHO sogar eine Leber-Transplantation nötig.

Ungeklärte Hepatitis-Fälle bei Kindern: Forschung sucht nach der Ursache

Aus Großbritannien war zu Beginn zu hören, dass die Corona-Impfung als eine Ursache der Erkrankung ausgeschlossen werden könne, da keins der im Land erkrankten Kinder geimpft war. Auch daran, dass eine Corona-Infektion schuld sein könnte, glauben die meisten Forschenden nicht. Zwar war bei manchen der kleinen Patientinnen und Patienten eine aktuelle oder überstandene Infektion festgestellt worden – doch längst nicht bei allen.

Mysteriöse Leber-Entzündungen bei Kindern: Ist ein Adenovirus schuld?

Viele Forschende, die sich mit dem Thema beschäftigen, vermuten ein Adenovirus als Auslöser der mysteriösen Hepatitis-Infektionen. In den USA und auch in Großbritannien und Europa gibt es Fälle, in denen bei erkrankten Kindern ein Adenovirus vom Typ 41 festgestellt wurde – ein Virus, das bei Kindern in der Regel schlimme Bauchschmerzen verursacht. Wie die US-Seuchenschutzbehörde CDC auf ihrer Website meldet, gibt es zwar Berichte von Kindern mit unterdrücktem Immunsystem, die durch eine Infektion mit dem Adenovirus Typ 41 eine Leberentzündung bekommen hätten – doch der Virustyp 41 sei „kein üblicher Auslöser einer Hepatitis in ansonsten gesunden Kindern“.

Bei einer Hepatitis ist die Leber entzündet. Was der Auslöser einer ungewöhnlichen Hepatitis bei Kindern ist, versuchen Forschende derzeit zu ermitteln. (Symbolbild)
Bei einer Hepatitis ist die Leber entzündet. Was der Auslöser einer ungewöhnlichen Hepatitis bei Kindern ist, versuchen Forschende derzeit zu ermitteln. (Symbolbild) © IMAGO/Science Photo Library

Die CDC gibt unumwunden zu: „Wir wissen nicht, ob das Adenovirus die Ursache für die Krankheit ist.“ Untersucht würde derzeit auch, welche Rolle andere Faktoren spielten – beispielsweise eine Belastung mit Schadstoffen oder andere Infektionen, die die Kinder haben könnten. Aus den USA sind der WHO zum 27. Mai 216 Hepatitis-Fälle bei Kindern bis 16 Jahren bekannt. 15 von ihnen benötigten eine Leber-Transplantation, bei 75 der Fälle wurde eine Adenovirus-Infektion nachgewiesen.

Die meisten Hepatitis-Fälle bei Kindern stammen aus Großbritannien und den USA

Die bisher meisten bei der WHO gemeldeten Fälle stammen aus Großbritannien. 222 Hepatitis-Fälle bei Kindern wurden dort bis zum 27. Mai gemeldet, bei etwas mehr als der Hälfte der Patientinnen und Patienten (116) wurde außerdem ein Adenovirus nachgewiesen, 11 der Kinder benötigten eine Leber-Transplantation.

Hepatitis-Fälle in GroßbritannienHepatitis-Fälle in den USA
gemeldete Fälle: 222gemeldete Fälle: 216
Leber-Transplantationen: 11Leber-Transplantationen: 15
Corona-positiv: 25Corona-positiv: <5
Adenovirus (alle Typen): 116Adenovirus (alle Typen): 75
Quelle: WHO

Für Deutschland meldet die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC mit Stand vom 31. Mai keine bekannten Hepatitis-Fälle, die in das Raster fallen. Dazu zählen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) Fälle akuter Hepatitis oder Leberversagen bei Kindern im Alter bis einschließlich 16 Jahren seit dem 1. Januar 2022, bei denen eine Adenovirus-Infektion vermutet wird oder die Ursache unbekannt ist.

„Wahrscheinlichkeit, dass Kinder an Hepatitis erkranken, ist äußerst gering“

In Großbritannien arbeitet die Gesundheitsbehörde UKHSA daran, die Ursache der mysteriösen Hepatitis-Fälle bei Kindern zu ermitteln. UKHSA-Mitarbeiterin Renu Bindra betont: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder an Hepatitis erkranken, ist äußerst gering. Die Einhaltung normaler Hygienemaßnahmen, zu denen auch das regelmäßige Händewaschen der Kinder gehört, trägt dazu bei, die Verbreitung vieler häufiger Infektionen, einschließlich des Adenovirus, zu verringern.“

Mögliche Symptome einer Hepatitis:
Übelkeit/Erbrechen
Gelbfärbung der Haut/Augen (Gelbsucht)
Durchfall
Bauchschmerzen
Abgeschlagenheit
Fieber
Appetitlosigkeit

Eltern sollten weiterhin auf Anzeichen einer Hepatitis bei ihren Kindern achten. Eine Gelbsucht, die mit einer Hepatitis einhergeht, äußere sich vor allem durch eine gelbe Färbung der Augen. (tab)

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