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Neue Blutgruppe bei Menschen entdeckt – Forscher lösen Jahrzehnte altes Rätsel

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Von: Martina Lippl

Rote Blutkörperchen in einer Arterie (Symbolfoto).
Rote Blutkörperchen in einer Arterie (Symbolfoto). © donfiore/imago

Britische Wissenschaftler haben ein seltenes neues Blutgruppensystem entdeckt. Sie haben das Rätsel um seit mehr als 30 Jahren bekannte Antigene gelöst.

Bristol – Blut, ist nicht gleich Blut. Die meisten Menschen kennen die vier wichtigsten Blutgruppen A, B, AB und O. Dazu das Rhesus-System der Blutgruppen – entweder „Rhesusfaktor positiv“ oder „Rhesusfaktor negativ“. Im Notfall, bei einer Bluttransfusion oder auch in einer Schwangerschaft, sind das wichtige Informationen. Denn, nicht alle Blutgruppen sind miteinander kompatibel. Blut kann nicht von einem Menschen zum anderen übertragen werden.

Neues seltenes Blutgruppensystem entdeckt – Forscherteam löst 30 Jahre altes Rätsel

„Die einfachen roten Blutkörperchen können uns immer noch überraschen“, sagt Co-Autor der Studie und Zellbiologe Ash Toye von der University of Bristol in einer Mitteilung.

Ein Wissenschaftler-Team der britischen University of Bristol hat gemeinsam mit NHS Blood & Transplant (NHSBT) ein nach eigenen Angaben neues Blutgruppensystem entschlüsselt, berichtet Merkur.de. Und diese Erkenntnis könnte den Forschern zufolge das Leben von Neugeborenen retten. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Blood, löst den Forschern zufolge gleichzeitig ein 30-jähriges Rätsel.

Das AB0-Blutgruppensystem

Alle roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind von einer Hülle umgeben. Die Struktur (Antigene) der roten Blutkörperchen bestimmt die Blutgruppe. Im AB0-Blutgruppensystem werden die Antigene auf der Hülle der roten Blutkörperchen in vier Gruppen unterteilt: A, B, AB und 0 stellen die vier Blutgruppen dar:

Blutgruppe AEs befindet sich nur das Antigen A auf der Hülle der roten Blutkörperchen.
Blutgruppe BEs ist nur das Antigen B vorhanden.
Blutgruppe 0Es sind keine Antigene vorhanden.
Blutgruppe ABEs befinden sich beide Antigene A und B auf den roten Blutkörperchen.

Vor mehr als 30 Jahren entdeckte die Medizin Antigene im Blut, die in keine Blutgruppe der bekannten Systeme passt: die Er-Antigene. Das Er-Antigen tauchte erstmals 1982 auf. Sechs Jahre später wurde eine Version namens Erb identifiziert. Dann wurde der Code Er3 verwendet, um die Abwesenheit von Era und Erb zu beschreiben, erklärt das Wissensportal sciencealert.com. Jahrzehntelang war bekannt, dass diese Blutzellen-Antigene existieren. Über ihre klinische Wirkung war allerdings bisher zunächst einfach zu wenig bekannt.

Diese neu entdeckten Er-Antigene wurden der Studie zufolge bei zwei schwangeren Frauen gefunden und mit dem tragischen Verlust ihrer Babys in Verbindung gebracht. In einigen Fällen kann eine Nichtübereinstimmung der Blutgruppe zwischen einem ungeborenen Kind und der Mutter zu Problemen führen.

Ist das Immunsystem der Mutter auf fremde Antigene sensibilisiert, können darauf gebildete Antikörper die Plazenta passieren und bei dem Ungeborenen zu einer hämolytischen Erkrankung führen. Die roten Blutkörperchen des Neugeborenen werden durch Antikörper der Mutter abgebaut und zerstört. Heutzutage gibt es verschiedene Therapien, um das zu verhindern. In den beschriebenen Fällen der Studie starben beide Babys trotz einer Bluttransfusion nach einem Kaiserschnitt. Mediziner hatten in den beiden Fällen offenbar zuvor keine potenzielle Gefahr einer Blutgruppenunverträglichkeit bei Baby und Mutter erkannt – ein sehr seltener Fall.

Blutspende: Diese Blutgruppen sind kompatibel für eine Übertragung

Beim Blutspenden sind bestimmte Konstellationen möglich. Wer die Blutgruppe 0- trägt, gilt als Universalspender – kann eigentlich jedem Menschen Blut spenden. 0- ist kann problemlos auf Personen mit den Blutgruppen 0-, 0+, A-, A+, B-, B+, AB- und AB+ übertragen werden. Wer allerdings die Blutgruppe 0- besitzt, kann nur von Blut aus derselben Gruppe erhalten. Menschen mit der Blutgruppe AB+ können dagegen ohne Probleme Transfusionen von jeglichen Blutgruppen erhalten*.

Blutgruppen: Wer kann wem spenden?

Neues Blutgruppensystem entdeckt: Blut von Patienten mit verdächtigen Er-Antigenen bringt Forscher auf die Spur

Im Rahmen der Studie untersuchte das Forscherteam das Blut von 13 Patienten mit den verdächtigen Antigenen. Dabei konnten sie fünf Variationen der Er-Antigene: Era, Erb, Er3, und zwei neue Er4 und Er5. Einen entscheidenden Durchbruch brachte dann eine Genanalyse der Patienten-DNS. Das Gen, das das Protein der Zelloberfläche codiert, konnte identifiziert werden: Piezo1.

Blutgruppensysteme

Die meisten Menschen sind mit den zwei wichtigsten Blutgruppensystemen ABO und Rhesus-System vertraut. Es gibt tatsächlich noch viele andere Blutgruppensysteme, mit unterschiedlichen Reaktionsrisiken, betont die University of Bristol in der Mitteilung, auch wenn das vielen unbekannt sei.

Er sei das 44. entdeckte Blutgruppensystem.

Neue seltene Blutgruppe: Für Wissenschaftler Meilenstein in der Blutwissenschaft

„Mithilfe einer Kombination aus modernster DNS-Sequenzierung und Gen-Editing-Techniken konnte das Team schlüssig zeigen, dass Piezo1, ein Protein von weit verbreitetem biologischem Interesse, der Träger für diese Stellen (und mehr) ist, und damit Er etablieren als neues Blutgruppensystem“, heißt es in der Mitteilung der University of Bristol.

Vor vielen Jahren wäre diese Frage unmöglich zu beantworten gewesen, so Dr. Tim Satchwell, einer der Hauptautoren der Studie. „Die Tatsache, dass Er sich als Piezo1 herausstellte, ein Protein mit so weit verbreitetem Interesse, macht es noch faszinierender.“

„Piezoproteine ​​sind mechanosensorische Proteine, die von den roten Blutkörperchen verwendet werden, um zu erkennen, wann sie zusammengedrückt werden“, erklärt Zellbiologe Ash Toye. Das Protein sei nur in wenigen hunderten Kopien in der Membran jeder Zelle vorhanden. Selbst diese schwach ausgeprägte Protein habe seiner Meinung nach eine Relevanz für die Transfusionsmedizin. Die Erkenntnisse können Neugeborenen in Zukunft das Leben retten, hoffen die Forscher. Sie seien die Grundlage, neue Tests zu entwickeln, um Menschen mit ungewöhnlichen Blutgruppen zu identifizieren und zu versorgen. (ml)

Ein unbekanntes Organ mitten in unserem Kopf haben Forscher aus den Niederlanden 2020 entdeckt. Der Zufallsfund überraschte.

*Hinweis der Redaktion: Die Auflistung der Blutgruppenkompatibilität ist darauf bezogen, welche Blutgruppe für wen spenden kann. In der früheren Version hieß es nur „Diese Blutgruppen sind miteinander kompatibel“. Tatsächlich handelt es sich aber um die Kompatibilität der Blutgruppe des Spenders zur Blutgruppe des Empfängers. Wir haben den Fehler inzwischen korrigiert.

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