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Fischsterben in der Oder: Labor prüft Proben – giftige Algen könnten der Grund sein

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Von: Nils Tillmann

In der Oder werden immer mehr tote Fische aufgefunden. Deutsche und polnische Behörden suchen weiter nach der Ursache für das Massensterben.

Update von Montag, 22. August, 13.50 Uhr: Wie geht es nach der Umweltkatastrophe nun weiter? Alle Neuigkeiten lesen Sie in unserem aktuellen News-Ticker zum Fischsterben in der Oder.

Fischsterben in der Oder: Labor prüft Proben – giftige Algen könnten der Grund sein

+++ 20.10 Uhr: Das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) untersucht nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums vom Donnerstag (18. August) weiterhin Wasserproben verschiedener Tage und Messpunkte sowie Fische. Die Ursachenforschung nach dem massiven Fischsterben in der Oder gestalte sich auch deshalb schwierig, weil Informationen – auch von polnischer Seite – zu eventuellen Einleitungen oder konkreten Anlässen für die Umweltkatastrophe fehlen. Das hatte das Ministerium am Mittwochabend (17. August) mitgeteilt.

Laufende Untersuchungen hätten bisher keine eindeutigen Belege für eine singuläre Ursache für das Fischsterben in der Oder ergeben, teilte das Ministerium weiter mit. Bislang zeigten Analyseergebnisse keine besonders hohen Werte für Metalle wie etwa Quecksilber. Der Quecksilbergehalt bewege sich bei den beprobten Fischen innerhalb der in den vergangenen Jahren festgestellten Werte und bleibe unter der entsprechenden EU-Norm, teilte das Ministerium weiter mit.

Fischsterben in der Oder: Algen könnten der Grund sein

Update vom Donnerstag, 18. August, 10.35 Uhr: Experten gehen davon aus, dass giftige Algen ein Grund für das massive Fischsterben in der Oder sein könnten. Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei konnten eine hohe Dichte solcher Algen im Wasser des Flusses nachweisen, wie Jörn Gessler, ein Wissenschaftler des Instituts, im Interview mit NDR MV LIVE mitteilte.

Die Algen seien in Gewässern mit einem höheren Salzgehalt heimisch, erklärte Gessler weiterhin im Interview. Erhöhte Salzwerte wurden in der Oder bereits seit dem 5. August nachgewiesen. Gessler hält es für möglich, dass die erhöhten Salzwerte auf eine Verunreinigung menschlichen Ursprungs zurückzuführen seien. Abwasser aus dem Kalibergbau seien eine Möglichkeit.

Sollten die Algen der Ursprung des Fischsterbens sein, bestünde für das Stettiner Haff keine Bedrohung, erklärte Gessler. Der Salzgehalt dort sei für die Algen nicht ausreichend. Der Forscher betont aber, dass dies bislang nur eine Hypothese sei und stetig weitere Tests durchgeführt werden würden.

Fast hundert Tonnen tote Fische geborgen

Erstmeldung vom Dienstag, 16. August: Warschau – Fast einhundert Tonnen toter Fische wurden bislang aus der Oder und dem Grenzfluss Ner geborgen. Dies teilte die Hauptverwaltung der polnischen Feuerwehr am Dienstag in Warschau mit. Ein Großteil der 97,95 Tonnen, die bisher geborgen wurden, stamme dabei aus der Oder. Doch auch im Ner, der nicht direkt mit der Oder verbunden ist, werden seit einigen Tagen mehr und mehr tote Fische gefunden. Die Gründe für das Fischsterben bleiben bislang ungeklärt.

Auch in Brandenburg macht sich die Naturkatastrophe bemerkbar. Helfer trugen auch dort dazu bei, tote Fische aus der Oder zu bergen. Die verendeten Tiere werden in speziellen Verbrennungsanlagen vernichtet. Wie groß die Mengen sind, die in Deutschland geborgen wurden, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Umweltkatastrophe am Fluss Oder
Ein Bagger hebt tote Fische von der Wasseroberfläche der Oder. Mittlerweile wurden mehr als 100 Tonnen geborgen. © Marcin Bielecki/dpa

Nach Angaben polnischer Behörden sind mittlerweile auch in Kanälen im Süden der Stadt Stettin, die mit der Oder verbunden sind, tote Fische gefunden worden. Die Gebietsverwaltung der Woiwodschaft Westpommern geht daher davon aus, dass sich verseuchtes Wasser auf Stettin zubewege. Dort mündet die Oder in das Stettiner Haff, eine rund 900 Quadratmeter große Lagune, die mit der Ostsee verbunden ist.

Behörden suchen nach Ursache des Fischsterbens

Inzwischen versucht das Brandenburger Landesumweltamt durch eine Laboruntersuchung des Flusswassers die Ursache der Naturkatastrophe zu finden. Erste Laborbefunde zeigten nun, dass das Wasser zwar keine erhöhten Metallwerte, aber einen hohen Salz- und Sauerstoffgehalt aufweise, teilte der Sebastian Arnold, der Sprecher des Umweltministeriums, am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Die Daten weiterer Wasserproben würden fortlaufend übermittelt und bewertet.

In Proben der Messstation Frankfurt (Oder), die das Landesumweltamt auf seiner Webseite veröffentlicht, zeigt sich ab vergangenem Sonntag eine deutliche Veränderung verschiedener Werte. So schnellten der Sauerstoffgehalt, der pH-Wert, die Trübung und andere Werte schlagartig nach oben, während die Menge von Nitrat-Stickstoff deutlich abfiel. Am Dienstag waren erste Berichte über das Fischsterben in der Oder aufgetaucht. (Nils Tillmann/dpa)

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