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Sorgenfrei in Rente gehen? So viel müssen Sie heute verdienen

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Von: Lisa Mayerhofer

Bei der Auszahlung der Rente gibt es große Unterschiede – und die individuellen Rentenbezüge im Ruhestand sind alles andere als einfach auszurechnen. Eine Übersicht.

Berlin – Die Bezüge der Rentner in Deutschland unterscheiden sich erheblich. Große Differenzen gibt es je nach Region, Geschlecht und Alter. Doch wie hoch ist die Altersrente im Durchschnitt und wie kann man sich die Höhe der zukünftigen eigenen Rente ausrechnen?

Sorgenfrei in Rente: So viel Geld müssen Sie heute verdienen

Am höchsten sind die Altersrenten im Durchschnitt im Saarland, wo Rentner nach 35 Versicherungsjahren im Schnitt auf 1593 Euro brutto im Monat kommen. Das zeigt der Rentenatlas 2022 der Deutschen Rentenversicherung. Platz zwei der Rangliste nach Rentenhöhe nimmt Nordrhein-Westfalen mit 1564 Euro im Monat ein, gefolgt von Hamburg mit 1531 Euro.

Auf den hinteren Plätzen landen vor allem die neuen Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern (1363 Euro) und Sachsen-Anhalt (1353 Euro). Schlusslicht ist Thüringen. Dort fallen die monatlichen Bruttobezüge mit 1346 Euro im Schnitt um 247 Euro geringer aus als im Saarland.

Die Unterschiede gehen auf regional unterschiedliche Möglichkeiten zum Arbeiten und Geldverdienen zurück. Zu den vergleichsweise hohen Renten an der Saar sowie an Rhein und Ruhr stellt die Rentenversicherung fest: „Früher arbeiteten hier viele Männer in gut bezahlten Jobs im Bergbau und erhalten heute darauf vergleichsweise hohe Renten.“ Frauen kommen dagegen in allen Regionen im Schnitt auf weniger Rente als die Männer – mit geringeren Unterschieden im Osten, wie Merkur.de berichtet.

Diese Zahlen zeigen: Wer in den Ruhestand geht, muss sich – im Vergleich zum früheren Gehalt – mit einem niedrigeren Einkommen aus der Altersrente begnügen. Deshalb ist es so wichtig, sich früh vor zu Augen zu führen, wie viel Geld man im Alter von der gesetzlichen Rente erwarten kann.

Mit der Rentenformel der Deutschen Rentenversicherung kann man sich die spätere Rentenhöhe ausrechnen:

Die Rentenformel lautet:

Monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

1. Entgeltpunkte: Bei der Berechnung der eigenen Rentenhöhe spielen die Arbeitsdauer und das Bruttogehalt in Form von Entgeltpunkten die größte Rolle. Die Entgeltpunkte können berechnet werden, in dem man das eigene Gehalt durch das jeweilige durchschnittliche Jahreseinkommen der Deutschen teilt. Dementsprechend ändern sich die Entgeltpunkte Jahr für Jahr. Beispiel: 2022 beträgt das durchschnittliche Jahreseinkommen 38.901 Euro. Wer also in diesem Jahr genau 38.901 Euro verdient hat, erhält dafür einen Entgeltpunkt. Wer vor Renteneintritt vierzig Jahre lang genau das jeweilige Durchschnittsgehalt bezogen hat, kommt auf insgesamt 40 Entgeltpunkte.

2. Zugangsfaktor: Wichtig ist auch der Zeitpunkt, an dem Sie in Rente gehen. Wer sich vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet, erhält meist Abzüge. Wer im Rahmen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, für den beträgt der Faktor 1,00.

3. Aktueller Rentenwert: Dieser Begriff bezeichnet den Gegenwert, der einem Entgeltpunkt entspricht und wird regelmäßig der wirtschaftlichen Situation angepasst. Aktuell beträgt er laut Deutscher Rentenversicherung 36,02 Euro für Westdeutschland und 35,52 Euro für Ostdeutschland.

4. Rentenartfaktor: Dabei geht es um die Art der Rente. Altersrenten, Renten wegen voller Erwerbsminderung und Erziehungsrenten verzeichnen dabei den Wert 1,0.

Das zeigt: Wer 56 Entgeltpunkte gesammelt hat und in der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, könnte nun eine Rente von 2000 Euro brutto erhalten (im Westen). Aber um dahinzukommen, müsste man beispielsweise über eine Zeitspanne von 40 Jahren immer etwa 1,4-mal mehr als der Durchschnittsverdiener erhalten haben. Bei dem aktuellen durchschnittlichen Jahreseinkommen von 38.901 Euro müsste man in diesem Jahr beispielsweise etwa 54.500 Euro im Jahr verdient haben. Über eine Zeitspanne von 45 Jahren müsste sich das Einkommen jährlich auf 48.410 Euro belaufen.

Rente: Bezüge je nach Bundesland unterschiedlich hoch – Saarland Spitzenreiter

Bei 42 Entgeltpunkten würde ein angehender Ruheständler auf eine Rente von 1500 Euro brutto kommen (im Westen). Dafür müsste man über einen Zeitraum von 40 Jahren 1,05-mal mehr verdient haben als der Durchschnittsverdiener. Für 2022 bedeutet das ein jährliches Einkommen von circa 40.900 Euro. Bei 45 Beitragsjahren wären es etwa 36.300 Euro.

Die Rechenbeispiele zeigen: Eine gesetzliche Rente von 2000 Euro zu erhalten wird für viele Erwerbstätige schwer, da sie über einen langen Zeitraum überdurchschnittlich gut verdienen müssen. Eine private Altersvorsorge ist deshalb in den meisten Fällen sinnvoll.

Mit Material der dpa

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