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Nächster Einzelhändler ist insolvent: Alle Filialen ab sofort geschlossen

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Von: Julian Kaiser

Ein Süßwarenhersteller gerät wegen der aktuellen Krise in finanzielle Not und muss Insolvenz anmelden. Für die Mitarbeiter hat das ernste Konsequenzen.

Deutschland – Naschkatzen aufgepasst! Schokoladen-, Fruchtaufstrich- und Pralinenliebhaber haben bei der Suche nach Confiserien zukünftig weniger Auswahl: Der Süßwarenhersteller Leysieffer muss, wie auch zahlreiche andere Einzelhändler, einen Insolvenzantrag stellen – nicht der erste in den vergangenen Jahren. Wie es nun für die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeht, steht laut der Lebensmittel Zeitung (LZ) noch in den Sternen (mehr Service-News auf RUHR24).

Leysieffer GmbH & Co. KG.Unternehmen, das Confiserieerzeugnisse herstellt
Gründung1909
MitarbeiterKnapp 200 (Juli 2022)
Produktenach eigenen Angaben hochwertige Confiserie-Erzeugnisse wie Schokoladen, Pralinen oder Fruchtaufstriche

Insolvenz: Confiserie Leysieffer muss alle 12 Standorte schließen

Laut dem NDR müsse das Confiserie-Traditionsunternehmen wegen „Liquiditätsschwierigkeiten“ wieder einen Insolvenzantrag stellen. Dies bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Stefan Meyer von der Pluta-Rechtsanwalts GmbH am vergangenen Montag, den 04. Juli.

Bereits im Jahr 2019 war Leysieffer in eine finanzielle Schieflage geraten. Daraufhin führte der Süßwarenhersteller eine Insolvenz in Eigenverantwortung durch, die Ende April 2020 abgeschlossen werden konnten, nachdem t-online zufolge ein neuer Mehrheitseigner aus den USA eingestiegen war.

Insolvenz: Corona-Pandemie und Energie- sowie Rohstoffpreise als Hauptursachen

Doch wie konnte es in so kurzer Zeit bereits zum zweiten Insolvenzantrag kommen? Anders als noch vor drei Jahren sei die aktuelle Krisensituation, die auch andere Unternehmen wie Supermärkte mit voller Wucht trifft, ursächlich für den Entschluss.

Neben Umsatzrückgängen in den vergangenen Monaten werden in der Mitteilung zum Insolvenzantrag von Leysiefferwe, auf die sich die LZ bezieht, weitere Gründe angeführt. Demnach seien auch „die zuletzt stark gestiegenen Rohstoff- und Energiekosten sowie die nach wie vor bestehenden Folgen der nicht beendeten Corona-Pandemie“ mitursächlich für das vorläufige Ende des Osnabrücker Unternehmens.

Insolvenz: Zukunft der rund 200 Leysieffer-Mitarbeiter noch ungewiss

Als Konsequenz müssen die zwölf Standorte in Deutschland in Form von Cafés, Bistros und Ladenlokalen erst einmal geschlossen werden. Wie es für die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt weiter geht, ist nach aktuellem Stand noch unklar, wie RUHR24 berichtet.

Der Insolvenzverwalter verhandele momentan „mit der Bundesagentur für Arbeit über die Zahlung von Insolvenzgeld“ an die Mitarbeiter, heißt es in der Mitteilung zum Insolvenzverfahren, das der LZ vorliegt. Doch nach den ersten Gesprächen habe diese „in einer ersten Stellungnahme die Berechtigung von Insolvenzgeld verneint.“

Eine Mitarbeiterin vor der Eingangstür einer Confiserie.
Die Konfiserie Leysieffer muss vorläufig seine zwölf Standorte schließen. © Kolvenbach/Imago

Die vorläufige Schließung der Filialen und die Freistellung nahezu aller Mitarbeiter ist damit alternativlos. Wie t-online berichtet, sei Hintergrund der Ablehnung wohl, „dass Leysieffer erst vor Kurzem ein Insolvenzverfahren durchlaufen“ habe.

Insolvenz: Mitarbeiter hoffen auf Insolvenzgeld – Agentur für Arbeit verneint Berechtigung

Die Beschäftigten hätten Hoffnung, dass der Geschäftsbetrieb weitergehen und die Bundesagentur für Arbeit von Herrn Meyer doch noch zur Änderung ihrer Entscheidung bewegt werden könne, erklärt Anna Winkler, Geschäftsführerin von Leysieffer, in der Mitteilung. Laut der LZ müsse diese Entscheidung aber schnellstmöglich getroffen werden, „weil anderenfalls die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs kaum noch möglich sein dürfte“, heißt es in der Mitteilung.

Stefan Meyer erklärte der LZ, dass man „derzeit unter Hochdruck konstruktive Verhandlungen mit den Entscheidungsträgern der Bundesagentur für Arbeit“ führe, „damit die Mitarbeiter von Leysieffer doch noch Insolvenzgeld erhalten.“ Dass es sich bei dieser erneuten Zahlungsunfähigkeit um eine Folgeinsolvenz handelt, erschwere das Verfahren, da noch einige Rechts- und Sachfragen zu klären seien.

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