Wolf
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Ein Wolf hat in Brandenburg vermutlich ein Rind gerissen. Der Landwirt sorgte mit einer Protestaktion für Schockmomente bei einigen Passanten. (Symbolbild)

„Dank den Träumern in diesem Land“

Nach Wolf-Attacke: Landwirt sorgt mit unappetitlicher Protestaktion für Aufsehen

  • VonDominik Stallein
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Nach einer Wolfsattacke hat ein Landwirt mit einer unappetitlichen Protestaktion für Aufsehen gesorgt. Er hängte das tote Rind auf seinem Grundstück auf - und wettert gegen die Politik.

Stücken - Fußgänger und Passanten in dem kleinen Ort Stücken in Brandenburg hat ein Landwirt nachhaltig schockiert. Auf seiner Koppel wurde in der Nacht ein Rind getötet. Der Bauer Jens Schreinike ist sich sicher: Das Tier wurde von einem Wolf gerissen. Experten rechnen mit mehr Wolfsangriffen in Deutschland in der Zukunft. Wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), ein Lokalblatt in Westbrandenburg, berichtet, sorgte Schreinike mit einer unappetitlichen Protestaktion für Aufsehen

Brandenburg: Nach Wolf-Attacke hängt Landwirt totes Rind auf

Das tote Tier hängte der Bauer auf seinem Grundstück auf. Und zwar so, dass es Anwohner, Passanten und Autofahrer sehen konnten. Darüber befestigte Schreinike ein Pappschild. „Wolfsopfer. Dank den Träumern in diesem Land“ stand darauf. Gegenüber der MAZ erklärt der Landwirt seine Aktion. „Wir wollten den Leuten zeigen, dass hinter den Zahlen in den Rissstatistiken solche Bilder stehen“, so Schreinike. Bilder, die er und andere Landwirte regelmäßig sehen müssten, weil immer wieder Wölfe ihr Vieh angreifen würden.

Nach Wolf-Angriff: Brandenburger fordert Politik zum Handeln auf

Der Brandenburger Bauer möchte mit seiner Protestaktion auf einen Missstand aufmerksam machen - der Wolf genießt nämlich den höchsten Schutzstatus, den es in Deutschland gibt. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sind die Tiere im gesamten Bundesgebiet streng geschützt. Verstöße können heftige Strafen nach sich ziehen - bis zu fünf Jahre Gefängnis sind möglich. Für Landwirt Schreinike ist das unverständlich: Die Population der Wölfe in Brandenburg sei so groß, „dass der hohe Schutzstatus nicht mehr gerechtfertigt ist“, sagte der Landwirt gegenüber der MAZ. Einige Politiker und Prominente machen sich für den Schutz der Wölfe stark.*

Nach Wolf-Angriff: Emotionale Worte des Tierhalters

Wegen des besonderen Schutzes, den der Wolf genießt, fühlt sich der Landwirt wie jemand, „der gefesselt ist und auch noch verprügelt wird“. Für Weidetierhalter sei der Wolf auch eine wirtschaftliche Bedrohung: „Wir dürfen unser Eigentum nicht verteidigen. Wir müssen es hinnehmen“, klagt der Brandenburger.

Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) sind die Wolfsbestände in den Jahren 2019/2020 angewachsen. Ein Monitoring hat ergeben, das 128 Wolfsrudel, 39 Paare und neun Einzeltiere in Deutschland unterwegs sind. Das ist ein Wachstum von fast zehn Prozent. In den Vorjahren lag diese Zahl aber noch deutlich höher - da gab es Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent. Spitzenreiter in puncto Wolfbeständen ist das Bundesland Brandenburg. In Bayern gab es im Zeitraum der Studie zwei Wolfsrudel, zwei Paare und drei Einzeltiere.

Bei der Präsentation dieser Zahlen machte das BfN deutlich, dass der „günstige Erhaltungszustand“ der hiesigen Wolfspopulation noch nicht erreicht ist. Forderungen nach einer Bejagung des Tieres erteilte das Bundesamt eine klare Absage. Bundes-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sprach sich kürzlich jedoch für eine regionale Bejagung von Wölfen aus. Hintergrund seien häufigere Wolfattacken als in den Vorjahren, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Der Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns Till Backhaus (SPD) bezeichnete Klöckners Vorstoß als „Wahlkampf-Getöse“.

Landwirt Schreinike ist durch die Gefahr einer weiteren Ausbreitung der Wölfe verunsichert. Er hofft auf eine Lockerung des Wölfe-Schutzes. Seine Protestaktion war aber nur von kurzer Dauer. Die Polizei forderte den Bauern auf, den Rinderkadaver am Nachmittag wieder zu entfernen. (dst) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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